Lauda / Königshofen

Hier hat der Leser das Wort Zum Leserbrief „Unternehmen sind das Fundament unseres Wohlstandes“ (FN, 21. November)

Bürgermeister und Verwaltung in Verantwortung und Fürsorgepflicht

Die Behauptungen im Leserbrief der Herren Kilb und Breitenstein werden nicht richtiger, wenn man sie in einschlägig bekannten Kreisen ständig wiederholt. Nein, der Widerstand in Gerlachsheim gründet sich nicht auf einer Ablehnung eines Bauunternehmens und ebenso wenig auf Ablehnung einer an sich richtigen Anlage zum Recyceln von ansonsten zu deponierendem Boden. Nein, wir wehren uns gegen eine Abfallaufbereitungsanlage, die in ihrer ungeheuerlichen Dimensionierung und durch die Stoffe, die dort verarbeitet werden sollen, Bevölkerung und Umwelt gefährden.

Und wir wehren uns gegen eine Anlage, deren Genehmigung jegliches Augenmaß vermissen lässt im Hinblick auf die verkehrlichen Auswirkungen, besonders für die Anwohner der Zufahrtsstraße, der Würzburger Straße.

Es ist keine Wirtschaftsfeindlichkeit, wenn Bürger sich und ihr Dorf zu schützen versuchen. Ja, Gerichte haben geurteilt. Aber: die Urteile rechtfertigen keineswegs den Standort Pfützenäcker: sie entscheiden über die Zulässigkeit eines Antrages von nicht unmittelbar betroffenen Bürgern Gerlachsheims und weisen diesen zurück.

Und sie verweisen darauf, dass die Standortfrage im Zuge nachfolgenden Verwaltungshandelns zu regeln sei, und lassen damit auf ihrer Ebene alles offen. Den Schwerlastverkehr durch ein intelligentes Verkehrsleitsystem begrenzen zu wollen, greift aus drei Gründen nicht: Der Vorschlag findet sich mit dem Standort Pfützenäcker als gesetzt ab. Außerdem ist die Bürgerinitiative die falsche Adresse, denn sie kann ein Verkehrsleitsystem nicht herbeiführen, nur anregen. Das haben wir getan. Die bisherigen Reaktionen auf Kreisebene sind aus unserer Sicht enttäuschend.

Und schließlich geht dieser Vorschlag nur die offensichtlichste Folge dieser Anlage an, den zusätzlichen Schwerlastverkehr. Er negiert in inzwischen typischer Argumentationsweise die Gefahren als Folge von Lärm und Staub aus dem Betrieb der geplanten Anlage bei horrenden Betriebszeiten, die Gefährdung denkmalgeschützter Gebäude, die Gefährdung von Grundwasser.

Bürgermeister und Stadtverwaltung stehen grundsätzlich in der Pflicht, alles zum Wohl der Bevölkerung zu tun. In Lauda-Königshofen stehen beide in besonderer Weise in der Pflicht, nachdem bereits im April der Gemeinderat einstimmig festgestellt hat, dass der Ort Pfützenäcker für die Anlage der Firma Konrad Bau weder geeignet noch politisch durchsetzbar ist. Sie wurden vom Gemeinderat beauftragt, die vom Runden Tisch vorgeschlagenen Standorte intensiv auf Umsetzbarkeit zu prüfen und gleichzeitig in Verhandlungen mit der Firma Konrad Bau auf die Aufgabe des geplanten Standortes hinzuwirken.

Ein Bürgermeister ist für den Vollzug der vom Gemeinderat gefassten Beschlüsse zuständig So auch ein Bürgermeister, dessen Amtszeit kurz vor dem Ende steht. Es stünde ihm demgemäß gut an, zum Wohl der Bevölkerung sein Lavieren und seine Hinhaltetaktik zu beenden. Seine Fürsorgepflicht gilt für die Bürger aller Stadtteile, auch für die von Gerlachsheim.

Die Aufgabe des Gemeinderates als Hauptorgan der Kommune ist es dabei, darauf zu achten und dafür zu sorgen, dass die von ihm gefassten Beschlüsse auch umgesetzt werden. Das könnte auch bedeuten, gegen eine Pflichtverletzung des Bürgermeisters entsprechend vorzugehen.

Wenn Bürgermeister, Stadtverwaltung und Gemeinderat und der Landkreis es wirklich wollen, müsste es – zusammen mit uns Bürgern und Herrn Köhler – doch möglich sein, Gerlachsheim vor der Zerstörung zu bewahren!

Für die Bürgerinitiative:

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