Lauda / Königshofen

Hier hat der Leser das Wort Zu verschiedenen Leserbriefen zur Bürgermeisterwahl

Bosheit und Gehässigkeit zerfressen gewachsene Strukturen

Ich bin nicht aus Lauda-Königshofen, sondern Tauberbischofsheim, aber Lauda ist nicht Eriwan, irgendwo weit weg, Lauda ist ein paar Fahrrad-Minuten von mir entfernt, der Ort mit dem tollen Eiskaffee, der Ort, der zu mir, zu dieser Region gehört, auch wenn ich nicht wählen darf.

Ich kenne keinen Kandidaten, kenne kein Wahlprogramm, aber ich überfliege die Leserbriefe der letzten Tage.

Ich bin erstaunt, nein, fassungslos, was dort vor der zweiten Runde der Bürgermeisterwahl „abgeht“, als FN-Leser kann man sich ja dem nicht entziehen. Es ist kein Problem, unterschiedlicher Ansichten zu sein, ob man den Wahlkampf in Leserbriefen austragen muss, sehe ich schon kritischer, aber was mich entsetzt, ist die Bosheit, ja fast schon Gehässigkeit, die durch manche Leserbriefzeile ihre verletzende Botschaft transportiert.

Wir sollten aufpassen, dass niemand, der vermutlich mit einem Finger auf Gewalt gegen Kommunalpolitiker deutet, in den anderen drei das Feuerzeug an die Lunte eines gedeihlichen Miteinanders hält.

Es gibt einen Montag nach dem Wahlsonntag! Ich bin auf dem Land großgeworden, ich liebe das Land und will nirgendwo anders leben: auf dem Land zählt der einzelne Mensch – unabhängig von seiner Parteizugehörigkeit, auf dem Land sind wir auf den anderen, den Nachbarn angewiesen, das Land lebt vom Miteinander, von Strukturen, die sich über Politikgezänk und unterschiedlichen Positionen erheben, – und wenn es gilt, halten wir zusammen!

Bosheit und Gehässigkeit mögen keine juristischen Tatbestände sein, im Doppelpack aber gleichen sie einer Säure, die gewachsene Strukturen zerfrisst, und zwar auf lange Sicht, aber auf diese gewachsenen Strukturen sind wir angewiesen, diese gewachsenen Strukturen machen unser Miteinander auf dem Land so lebenswert!

Wenn ich nach meinen Fahrradtouren beim Eiskaffee in Lauda saß, beobachtete ich das Lachen, die Fröhlichkeit beim Anstehen vor der Eistheke, jeder kannte jeden und ich kannte meist niemanden, aber ich fühlte mich aufgenommen in dieses ungezwungen Heitere – auch ohne jemanden zu kennen – das ist halt Land, da gehört man dazu, ohne groß dazuzugehören.

Dieses Gemeinsame wegen einer Bürgermeisterwahl zu gefährden, steht in keinem Verhältnis. Und so ein Spiel noch in Corona-Zeiten aufzuführen, ist unvorstellbar! Wie viel Miteinander muss schon zerstört worden sein, dass selbst diese für uns alle schwere Zeit nicht warnend uns mahnt: Haltet zusammen, nur gemeinsam sind wir stark!

Beim „Sommermärchen“ 2006 sangen wir an den verschiedenen „Public-viewing-Orten“ „steht auf, wenn ihr Deutsche seid…“, heute: „steht auf, wenn ihr Laudaer seid…“ samt allen Gemeinden, steht auf, seid wieder das, was ich an euch so beim Eiskaffee schätze: eine fröhliche Gemeinschaft, eine (Eis)-Gemeinde.

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