Lauda / Königshofen

Fasnacht In Oberlauda formierte sich vor elf Jahren mit den „Säüboochklopfern“ eine junge Guggemusik-Gruppe / Alle Mitglieder haben musikalische Ausbildung

Aus einem Projekt wird eine Tradition

Archivartikel

Sie gehören mittlerweile zu Oberlauda wie die Fasnacht selbst: Die „Säüboochklopfer Öwerlaude“.

Oberlauda. Unter einer „Gugge oder Guggemusik“ versteht man laut Enzyklopädie eine im alemannischen Raum entstandene Form von Blasmusik, die hauptsächlich in der Karnevalszeit ausgeübt wurde. Die Ursprünge gehen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Es wurde mit Rasseln, Blecheimern, Trommeln, Kuhglocken oder Pfeifen umhergezogen und möglichst schräge, laute und jämmerlich klingende Musik gemacht, verkleidet mit Masken, Tüchern und alten Lumpen.

Als 1874 erstmals eine Blaskapelle in Form eine Gugge beim Baseler „Morgenstraich“ mitmarschierte gab es zunächst noch heftige Proteste, zehn Jahre später wurde es offiziell polizeilich erlaubt. Der Begriff selbst tauchte 1906 auch in Basel auf.

1934 feierten die Guggen in Basel ihren richtig großen Auftritt und damit Aufschwung: sie zogen am eigentlich nicht zu Veranstaltungen genutzten Fasnachtsdienstag, der nun als spezieller Guggetag gilt, mit „schmetterndem Getöse“ in großer Zahl durch die Stadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg verbreitete sich die Guggenmusik von Basel aus über die Zentralschweiz, Süddeutschland, Italien und Österreich und 1953 wurde, wen wundert es bei dieser Nachbarschaft, in Lörrach die erste deutsche Guggenmusik gegründet.

Heute gibt es viele unterschiedliche Arten von Guggen mit nicht weniger vielen Erscheinungsbildern, die sich allerdings gerne optisch an der alemannischen Fasnacht oder regionalen/lokalen Ideen orientieren, auch bei der Namensgebung. Oft werden Volks- und Kinderlieder oder auch bekannte Popsongs gespielt, zu denen sich auch Einflüsse des brasilianischen Karnevals, also typische Samba-Rhythmen, gesellten. Im Grunde genommen kann man aber fast jedes Lied oder jede Melodie guggenmäßig interpretieren, wichtig ist vor allem ein hoher Erkennungswert bei den Zuhörern.

Die „Säüboochklopfer Öwerlaude“ entstanden 2008 aus der Jugendkapelle der örtlichen Musikkapelle. Die Idee dazu hatten Maximilian Mohr und Benedikt Renk, der erste musikalische Leiter war der damalige Dirigent der Jugendkapelle, Jens Loser.

Nach ersten Auftritten in der Kampagne 2009 wurde das Projekt weitergeführt und der Erfolg gab den Initiatoren Recht. Maximilian Mohr, seit kurzer Zeit auch Vorsitzender der Musikkapelle, hatte die musikalische Leitung übernommen, ihm folgten Felix Mohr und inzwischen Fabian Bayer in Zusammenarbeit mit Patrick Dierauf.

Zum personellen Wandel kam rechtzeitig zum elften Geburtstag auch noch ein inhaltlicher und optischer. Viele neue Stücke wurden einstudiert und ein neues Kostüm entworfen und beschafft. Maximilian Mohr und Fabian Bayer legen Wert auf die Feststellung, dass die aktuell 25 aktiven Musiker (plus Standartenträger und hin und wieder Ehemalige, die sich dem Virus Guggenmusik nicht ganz entziehen konnten) durchweg eine musikalische Grundausbildung haben, Noten lesen können und, für die Zukunft nicht ganz unwichtig, überwiegend jung sind und mit Begeisterung bei der Sache. Personalprobleme sind da zunächst mal außen vor.

Entgegen dem Brauchtum soll die Musik nicht „jämmerlich“ sein, sondern ansteckend, zum Feiern und Tanzen animieren und ganz einfach gut und korrekt klingen. Eine familiäre und freundschaftliche Atmosphäre wird nicht nur intern gepflegt, sondern auch in der Zusammenarbeit mit der „Mutter“ Musikkapelle, die personellen Verknüpfungen erleichtern dies natürlich.

Eine Gruppe um Fabian Bayer, Patrick Dierauf und Vertretern der einzelnen Register organisieren anstehende Auftritte, klären Termine und erledigen die anfallenden Aufgaben.

Davon unabhängig sind natürlich neue Musiker jederzeit gerne willkommen, das Alter spielt dabei keine Rolle. Informationen gibt es dazu bei Facebook, Instagram, per E-Mail oder direkt bei Fabian Bayer, einem der Organisatoren.

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