Lauda / Königshofen

Nachruf Der Extrem-Alpinist und Extrem-Radler Josef Weißenberger starb mit 84 Jahren überraschend in Lauda

Als Bergsteiger auf zwei Achttausendern

Archivartikel

Lauda.Er galt als Sinnbild für Jugendlichkeit im Alter: Mit seinen 84 Jahren machte Josef Weißenberger manchen 30-Jährigen noch was vor, gerade, wenn es um sportliche Ausdauer ging. Als passionierter Bergsteiger stand er nicht nur auf zwei 8000ern, sondern zum Teil sogar auch als Erstbesteiger auf nicht so bekannten Bergen, wie dem 7018 Meter hohen Xiang Dong in Tibet. Und als oft ältester Teilnehmer stellte er zudem seit Jahren stets beim traditionellen Messelauf in Königshofen seine Fitness bis ins hohe Alter unter Beweis. Nun starb der gebürtige Schweinfurter und seit über fünf Jahrzehnten Wahl-Laudaer überraschend.

In puncto Abenteuer machte ihm in der Region kaum einer was vor. Josef Weißenberger hat sich nicht nur als Extrem-Bergsteiger in der Region einen Namen gemacht, sondern auch als Extrem-Radler. 10 000 Kilometer saß der Rentner jährlich häufig im Sattel und schuf damit die Basis für seine Kondition, die er für seine Bergtouren in aller Welt benötigte.

Nach anfänglichen kleineren Touren lernte Josef Weißenberger den bekannten Südtiroler Bergsteiger Hermann Tauber kennen. Und auch der war von der Fitness des Laudaers so angetan und überzeugt, dass er ihn 1991 in sein Expeditionsteam für den 8201 Meter hohen Cho Oyu im Himalaya holte. Als bis dahin zweitältester Mensch überhaupt hatte Weißenberger damals ohne besondere technische Mittel diesen sechsthöchsten Berg der Erde bezwungen. Der damals 57-Jährige wird deshalb auch in der „Chronik des Himalaya-Bergsteigens“ in Kathmandu entsprechend gewürdigt.

„Sepp“, wie er überall nur liebevoll genannt wurde, taucht in dieser Chronik aber noch ein zweites Mal auf: Am 27. April 1993 als einer der vier Erstbesteiger des Xiang Dong. Auf dem Broad Peak in Pakistan (8047 Meter) stand er ebenfalls.

Weitere Expeditionen führten ihn mit Hermann Tauber nach Kasachstan und Kirgisien, aber auch in den Iran und Jordanien, nach Patagonien und Äthiopien sowie nach Boliven und ins Akakus-Gebirge in Libyen. Als persönliches Geschenk zu seinem 65. Geburtstag hatte er mit dem Illampu und dem Ancohuma noch zwei technisch sehr anspruchsvolle Sechseinhalb-Tausender bezwungen. Täglich, auch bei schlechtem Wetter und sogar in der kalten Jahreszeit, saß er als Vorbereitung für seine Touren auf dem Fahrrad, häufig 10 000 Kilometer im Jahr. Dadurch lernte er seine Wahlheimat sehr schätzen. „Wir leben hier in einer tollen Gegend, in der man sehr viel unternehmen kann“ geriet der Weltenbummler einmal im Gespräch mit dem Verfasser dieser Zeilen ins Schwärmen. Besonders der November hatte es ihm dabei als Radel-Monat angetan, denn „dann kommt die Welt endlich zur Ruhe, man bekommt wieder den Blick fürs Wesentliche.“ Als Mitglied des Wanderclubs Lauda sowie des deutschen Alpenvereins schnürte er auch gerne seine Wanderschuhe in heimischen Gefilden.

Klar, dass bei solchen extremen Bergsteigertouren viele tausend Bilder entstanden sind, die der bis zum Schluss rüstige Rentner gerne bei Vorträgen zeigte. Dort erzählte er dann in einer ihm eigenen lockeren Art und spannend zugleich von seinen zahlreichen Touren zu den faszierenden Berggipfeln dieser Erde.

Beruflich war Josef Weißenberger als Beamter des Berufsförderungsdienstes der Bundeswehr in Tauberbischofsheim tätig. „Sepp“ Weißenberger hinterlässt seine Frau Rosalinde, mit der er nach dem Tod seiner ersten Frau in zweiter Ehe verheiratet war, sowie seine fünf Kinder Martin, Rupert, Klaus, Stefan und Jutta mit Familien. thos

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