Lauda / Königshofen

Königshöfer Messe Normalerweise herrscht in diesen Tagen vor Ort rege Betriebsamkeit

1947 lief es in kleiner Form wieder an

Normalerweise herrscht in diesen Tagen in Königshofen auf dem Messeplatz rege Betriebsamkeit.

Königshofen. Rund um die Tauber-Franken Halle werden Stände, Zelte und Fahrgeschäfte aufgebaut, die Parkplätze vorbereitet und an allen Ecken und Enden in der Stadt gewerkelt und geschafft. Es ist Zeit, sich für die Mess’ herauszuputzen.

Auch die Vereine, die am Rande des Messegeländes ihre Vereinsheime für die Bewirtung der Messebesucher vorbereiten, sind nun ebenso in reger Betriebsamkeit, wie die Vereine, die im alten Rathaus letzte Hand an ihre Ausstellungen legen, die einfach zum Programm des großen tauberfränkischen Ereignisses dazu gehören. Normalerweise.

Doch in diesem Jahr ist fast alles anders. Die vom Virus Covid 19 ausgelöste Corona-Pandemie hat auch das Taubertal nicht verschont. Lange haben die Verantwortlichen gehofft, wenigstens in „abgespeckter Form“ einen Messebetrieb auf die Beine stellen zu können.

Doch mit der Entscheidung der Landesregierung, zumindest bis Ende Oktober keine Großveranstaltungen zuzulassen, waren quasi im wahrsten Sinne des Wortes alle Messen gesungen. Es trifft nicht nur Schausteller und Marktkaufleute hart, war Königshofen mit seiner über 600 Jahre alten Messe nicht nur wegen des stabilen Wetters doch stets ein Garant für gute Geschäfte, die man dringend für die bevorstehende Winterpause einkalkuliert hat. Auch mehrere Vereine sind bei der Erwirtschaftung ihres Jahresbudgets in deutlicher Abhängigkeit von der „fünfte Jahreszeit“ in Königshofen.

Nicht zuletzt darf man auch die Messebesucher nicht vergessen, die Kinder und Jugendlichen, die wie schon Generationen vor ihnen, auf das dritte Septemberwochenende und den Beginn der Messe hingefiebert haben, die Besucher von weiten Teilen umliegender Regionen und natürlich die Königshöfer selbst, die sich regelmäßig für diese Woche Urlaub nehmen, um ihrer ehrenamtlichen Dienste bei ihren Vereinen abzuleisten und natürlich auch um zu feiern. Abgesagt wurde die Messe im 20. Jahrhundert wegen der beiden Weltkriege.

Zuletzt im September 1939. Nur wenige Tage nach dem Überfall auf Polen verkündete der 1936 von den Nationalsozialisten eingesetzte Bürgermeister Strebel diesen Beschluss. Strebel war Kreisamtsleiter der NSDAP und auf Drängen der Gau- und Kreisleitung in diese Position gekommen, nachdem der gewählte Bürgermeister, Ignaz Hofmann, sich geweigert hatte, in die Partei einzutreten.

Mit der Absage der Messe 1939 gingen sofort deutliche Einschränkungen im täglichen Leben einher. Es wurde nachts Verdunkelung der Häuser angeordnet, die Straßenbeleuchtung abgeschaltet, ein „Kriegszuschlag“ (eine Art Sondersteuer) auf Bier, Tabak und Schaumwein erhoben, Lebensmittelmarken ausgegeben und es kam zu ersten „Hamsterkäufen“. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde keine Messe mehr veranstaltet.

Im September 1946, so berichtet der Königshöfer Chronist Hans Schieb, kamen wohl die ureigenen „Königshöfer Messe-Gene“ wieder in Bewegung. Zumindest bei Karl Renner. „Auf dem Messeplatz, der früher um diese Zeit von zahlreichen Marktbuden und Schaustellern besetzt war, steht nur eine einsame Schiffschaukel. Das veranlasste Karl Renner, mit Frack und Zylinder begleitet, mit einem alten Kranz, den er vom Abfallbehälter des Friedhofes geholt hatte, durch die Hauptstraße zum Messegelände zu ziehen. Schnell schließen sich einige Königshöfer diesem Trauerzug an.

Auf dem Platz angekommen, verliest Renner das von ihm verfasste Gedicht: „Oh, Hitler, was hast Du getan, sieh’ unser schönes Ort bloß an. Zu allem Elend und dem Graus, fällt heuer auch noch die Messe aus. Doch wollen wir nicht länger trauern und uns das Leben nicht versauern. Im nächsten Jahr soll auferstehn, die Messe hier – auf Wiedersehn!“ Anschließend legte Renner seinen Kranz nieder und im Gasthaus Resi wurde die ausgefallene Messe begossen. Tatsächlich eröffnete 1947 Bürgermeister Peter Michelbach die erste Nachkriegsmesse und der Zug der Freiheit marschierte vom Rathaus zum Messegelände. Dort waren allerdings nur wenige Fahrgeschäfte und Marktstände zu finden. Der Zweite Weltkrieg hatte auch hier seine Spuren hinterlassen. bege

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