Landwirtschaft und Natur

Lebendige Vielfalt gestalten Möglich ist dies mit Hilfe von Wildhecke, Fassadenbegrünung oder Blumenwiese

Zahlreiche Vögel und Insekten unterstützen

Archivartikel

Bad Honnef.Mit dem Bau von Gärten können sehr unterschiedliche Gewerke und Betriebe betraut werden. Es ist die Pflanzenkompetenz, die den ausgebildeten Landschaftsgärtner von vielen anderen Dienstleistern für Bau und Pflege in Privatgärten unterscheidet. Jörg Deimling ist Gärtnermeister und Mitglied im Ausschuss Landschaftsgärtnerische Fachgebiete beim Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL). Er bringt auf den Punkt, was sich seit einigen Jahren auch in der Praxis bewährt: „Wir stellen fest, dass das Bewusstsein der Menschen für eine naturnahe Gartengestaltung wächst, und wir Landschaftsgärtner können darauf mit einer höheren Vielfalt in der Gestaltung und vor allem in der Pflanzenauswahl reagieren.“

Mehr noch: Jüngere Studien des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) machen deutlich, dass es sogar dringenden Handlungsbedarf gibt, auch im urbanen Raum für Vielfalt zu sorgen. Schließlich ist Vielfalt in der Bepflanzung die Voraussetzung für Artenvielfalt bei Insekten und Vögeln sowie weiteren wildlebenden Tieren wie Igel oder Eichhörnchen. Deimling: „Der Siedlungsbereich bietet gute Voraussetzungen als Lebensraum für verschiedene Arten, weil private Gärten im Unterschied zu Agrarlandschaften kleinteilige Biotope sind. Genau hier ist unser landschaftsgärtnerisches Wissen über Pflanzen und deren Verwendung gefragt.“

Hecke mit Nebeneffekt

In nahezu allen Gärten werden Hecken gepflanzt, als Sicht- und Windschutz oder als lebendige Möglichkeit, den Garten zu strukturieren und abzugrenzen. Hier habe sich in den letzten Jahren einiges verändert, stellt Deimling fest: „Bei Hecken verwenden wir häufig heimische Gehölze, die eine reiche Blüte im Frühjahr zeigen und für die Vogelwelt von Frühsommer bis Spätherbst wertvolle Wildfrüchte und Beeren bieten.“ Gern gepflanzt werden beispielsweise Wildrosen, Schwarzer Holunder, Eberesche, Weißdorn, Feuerdorn, Berberitze oder Ilex.

Sträucher mit Dornen oder Stacheln sind für Vögel besonders geeignete Nist-, Schlaf- und Ruheplätze, weil sie räuberische Katzen fernhalten. Die Blüten und Blätter der Wildgehölze ernähren außerdem zahlreiche Insekten, die den Vögeln, aber auch Kleinsäugern und Amphibien als Nahrung dienen. „Gartenbesitzer reagieren überwiegend positiv, wenn wir in der Beratung auf diese ökologischen Aspekte hinweisen und lassen uns abwechslungsreiche Blühhecken pflanzen“, bestätigt Deimling.

Mit Zusatznutzen

Ähnlich gilt für die Fassadenbegrünung, dass sie mehrere Funktionen gleichzeitig erfüllt – vorausgesetzt, es wird die für den Standort richtige Pflanzenart ausgewählt und die Installation technisch perfekt ausgeführt.

So bieten viele Kletterpflanzen wiederum Vögeln eine wichtige Nahrungsquelle, aber auch vielfältige Nist- und Versteckmöglichkeiten. Das gelegentliche Vorurteil, Kletterpflanzen würden mit ihren Haftwurzeln Putz und Mauerwerk zerstören, kennt Jörg Deimling aus der Beratungspraxis. „Solange der Putz keine Risse aufweist, ist diese Befürchtung unbegründet. Es ist sogar eher so, dass eine Fassadenbegrünung die Wand schützt, weil sie Regen und Wind abhält und verhindert, dass sie sich im Sommer zu stark aufheizt.“ Auch hier sei die Verbindung von Pflanzenkompetenz mit technischem Know-how der Landschaftsgärtner ein echter Vorteil. Ob Selbstklimmer oder Schling- und Kletterpflanzen, die eine Kletterhilfe benötigen: Welche Arten und Sorten zum Haus und zum Garten passen – alles das weiß ein gut ausgebildeter und erfahrener Landschaftsgärtner.

Kaum ein Garten kommt ohne eine Rasenfläche aus – schon, weil ein gepflegter Rasen viele Nutzungsmöglichkeiten bietet. Familien mit Kindern schätzen ihn als geschützte Spiel- und Sportfläche direkt am Haus. Er bietet Auslauf für Haustiere und Raum für Gartenfeste. Aber ein Rasen macht auch viel Arbeit, er muss regelmäßig geschnitten, gedüngt, vertikutiert werden – und in trockenen Sommern zeigt er sich oft wochenlang in fahlem Gelb.

Schon deshalb, aber auch wegen seiner ökologischen Vorteile werden häufig zumindest Teile des Rasens zu einer Wildblumenwiese umgestaltet. Für Naturgärten gehört sie unbedingt dazu. Deimling: „Eine auf den Standort angepasste Wildblumenmischung erweckt den Garten zum Leben. Blumen und Wildpflanzen bieten Verstecke, Nahrung und Lebensraum für Schmetterlinge und andere Kleintiere. Und für die Gartenbesitzerinnen und -besitzer bietet eine Blumenwiese Farbenpracht, Abwechslung und das gute Gefühl, einen persönlichen Beitrag zur biologischen Vielfalt zu leisten.“ bgl