Landwirtschaft und Natur

"Meine Tomaten sind meine Rosen" Helga Dressel aus dem oberfränkischen Grundfeld ist Fachfrau durch und durch und bietet Führungen in ihrem Garten an

Von der Leidenschaft für Tomaten regelrecht gepackt

Archivartikel

Helga Dressel ist von der Tomatenleidenschaft gepackt und führt Gäste durch den Familiengarten, ruft zu Tomatenverkostung auf und informiert rund um die Tomate.

"In den letzten Jahren hat sich meine Leidenschaft zur Aufzucht von Tomaten vielfältig ausgebaut. Von jeder Reise habe ich neue Sorten mitgebracht. So habe ich Samen aus Kanada, Mexico, Peru, Südafrika, Russland, Südkorea, Schweden, Spanien, Italien oder Frankreich - insgesamt etwa 200 Sorten", erzählt sie. "Mit Zuneigung werden sie zu Hause groß gezogen. Von den reifen Früchten werden Samen gewonnen, die bis zur nächsten Aussaat eingelagert werden, um neue Pflanzen anzuziehen." Sie mache sich jährlich aufs Neue die Mühe, 1000 Pflänzchen auszusäen - dieses Jahr seien es gar 1400 gewesen.

Wer jetzt Helga Dressel besucht, erlebt eine wahre Vielfalt an unterschiedlichen Tomaten. Schon beim Betreten des Grundstücks lachen einem die roten "Liebesfrüchten" entgegen. Überall, an Weinlaube, im Gewächshaus, am Schuppen, sind die pflanzlichen Neubürger. Und Gäste sind willkommen. Denn die Tomatenfreundin hat an der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim einen Kurs zur Erlebnisgartenführerin erfolgreich absolviert und in ihrer schriftlichen Hausarbeit ein spannendes Konzept entwickelt, damit andere Gartenfreunde an ihren Erfahrungen und Kenntnissen rund um den Tomatenanbau und deren Verwertung teilhaben können.

Der Garten mit mehr als 800 Quadratmeter Fläche zeigt beispielhaft, wie Nutz- und Ziergarten eine harmonische Beziehung eingehen können. Bei ihrem Rundgang durch ihre Sammlung neuer und alter Tomatensorten erzählt Dressel nicht nur Wissenswertes, sondern ruft zu einer Verkostung auf. Zudem können vielerlei Eigenprodukte erworben werden.

Helga Dressel: "Die Tomatenpflanze ist ein Nachtschattengewächs. Das Wort Tomate leitet sich von dem aztekischen Namen ,Xitomat' ab. Botanisch gesehen ist die Tomate eine Frucht, aber kulinarisch wird sie als Gemüse wahrgenommen." Die Heimat der Tomate liege in den küstennahen Bergzügen im westlichen Südamerika. Von dort habe sie sich nach Mexico ausgebreitet und sei von Azteken und Mayas 700 vor Christus kultiviert worden. Die Wildform wachse in Ecuador, im nördlichen Chile, in Peru und auf den Galapagos-Inseln. Die Samen gelangten vermutlich über den Mageninhalt von Schildkröten auf die Inseln. Man gehe davon aus, dass die spanischen Eroberer, die in Mexico einfielen, die Tomatenpflanzen im 16 Jahrhundert aus der Neuen Welt nach Europa gebracht hätten.

Die erste schriftliche Beschreibung von der Gemüsefrucht verfasste ein Italiener namens Pietro Andrea Mattioli 1544. Er war Arzt und Botaniker und nannte sie in seinem Kräuterbuch "male aurea" ("goldene Äpfel"). Daraus wird geschlossen, dass die Urfrucht gelb war. In Italien heißen sie "pomodoro" ("goldener Apfel"), in Frankreich "pomme d àmour" ("Liebesapfel"). In Österreich werden Tomaten "Paradieseier" oder "Paradeiser genannt. Auch da hört man "Paradies", "Garten Eden", "Liebe" heraus .In Holland heißen die Früchte "tomaat", in Russland "Pomidor", in der Türkei "domates", in Schweden "tomat".

Die Tomatenfrau aus Oberfranken gibt den Gästen ihre Erfahrungen zur Aufzucht von Tomaten mit. Ein Tomatenjahr beginne im Frühling, Ende Februar/Anfang März, mit der Aussaat im Haus. Die Pflänzchen seien dann auch kräftig genug, sie nach den Eisheiligen im Mai ins Freiland zu pflanzen. Außerdem trügen sie früher Früchte und somit verlängere sich die Erntezeit. Die Aussaat sei aber durchaus auch bis Mitte April möglich. Allerdings reiften dann nicht so viele Früchte am Stock aus, denn in hiesigen Breiten seien die Nächte Ende August schon zu kühl. Tomaten bräuchten eine Temperatur von mindestens 18 Grad, um zu reifen. Und dunkel müsse es auch sein. "Im Kübel gezogene Tomaten habe ich schon im Wintergarten über mehrere Jahre gehalten. Tomaten sind nämlich mehrjährig. Alte, klein fruchtige Sorten eignen sich besonders gut", so Helga Dressel weiter.

Die Samen bräuchten neben Wasser und Wärme sehr viel Licht zum Keimen. "Suchen Sie sich den hellsten und wärmsten Standpunkt in der Wohnung aus. Ein kaltes Fensterbrett ist ungeeignet. Legen Sie Styropor unter die Aussaatschalen."

Natürlich wollen die Gäste wissen, wann der richtige Zeitpunkt zum Ernten ist. Der richtige Erntezeitpunkt? Der Blick geht durch das Refraktometer. Und wann weiß man, ob die Tomate zur Fermentation reif genug ist? "Meistens ist sie satt rot, gelb oder gelbgrün und sehr weich. Die Haut lässt sich ganz einfach abziehen. Sie wirkt matschig, darf aber nicht faulig riechen", erklärt die Fachfrau. "Wenn ich Tomaten zu Delikatessen verarbeite, nehme ich das Refraktometer zur Hilfe. Die Ausgewogenheit zwischen Säure und Zucker sollte einen Brix-Wert von mindestens fünf bis sieben haben. Der höchste Wert liegt bei den kleinen Früchten."