Landwirtschaft und Natur

Von wegen grau und trist Die Natur verwöhnt die Bevölkerung in der vorletzten Jahreszeit mit viel Buntem

Mit diesen Gehölzen ist der Herbst ein Farbenfest

Bad Honnef.Tatsächlich verwöhnt einen die Natur während der vorletzten Jahreszeit mit eindrucksvollem Farbenspiel: Neben herbstblühenden Stauden wie Astern und Herbst-Anemonen sowie der abwechslungsreichen Artenvielfalt der Gräser sind es vor allem große und kleine Gehölze, die dem Herbstgarten seinen besonderen Reiz geben.

„Im Winter befinden sich laubabwerfende Bäume und Sträucher in der Vegetationsruhe und fahren ihren Stoffwechsel soweit wie möglich herunter“, so Michael Henze vom Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL). „Im Herbst legen sie die Reserven an, um die kalte Jahreszeit gut zu überstehen und im Frühjahr ausreichend Energie für den neuen Austrieb zu haben. Dafür recyceln sie die in den Blättern gebundenen Wertstoff, etwa das Chlorophyll, das für die grüne Farbe des Laubs verantwortlich ist. Dabei kommen je nach Gehölzart die anderen Blattfarbstoffe zum Vorschein: orangefarbene Carotinoide und gelbe Xanthophylle.“

Wie stark die Herbstfärbung eines Baumes ist, hängt von zwei Faktoren ab: Zum einen intensiviert warmes, sonniges Wetter in Kombination mit kalten Nächten den Farbton. Zum anderen ist es entscheidend, wie schnell und mit welchen Zwischenschritten die Gehölze die Farbstoffe aus ihren Blättern ziehen. Das ist von Art zu Art unterschiedlich.

In Deutschland gibt es seit Jahrhunderten den Begriff „Goldenen Oktober“. Er bezieht sich in erster Linie aufs warme Licht, in das die niedrig stehende Sonne die Erde im Herbst eintaucht. Der goldene Effekt wird aber auch durch das Laub vieler Gehölze verstärkt, die sich in geradezu leuchtendem Gelb zeigen. Besonders eindrucksvoll sind beispielsweise die elliptischen Blätter der Hainbuchen (Carpinus betulus) sowie die gelappten des Feldahorns (Acer campestre). Die Schönfrucht (Callicarpa giraldii), auch „Liebesperlen-Strauch“ genannt, zeigt sich stattdessen in einem zarten Pastellton, der im schönen Kontrast zu den lilafarbenen, beerenförmigen Früchten steht, die der Strauch bis in den Dezember trägt.

„Am stärksten leuchtet aber ohne Zweifel das Gelb des Fächerblattbaums, botanisch Ginkgo biloba. Wenn sich die Sonne in seinen fächerförmigen Blättern verfängt, scheint das Gehölz das Licht noch zu verstärken“, so Henze. Mit dieser Eigenschaft und auch wegen seines extravaganten Wuchses entwickelt sich der Ginkgo seit einigen Jahren zu einem beliebten Gartenbaum mit exotischem Charme. Tatsächlich wuchsen verschiedene Ginkgo-Arten aber schon vor 180 Millionen Jahren in Laubmischwäldern in Europa. Als einziger seiner Gattung überlebte nur der chinesische Ginkgo biloba die Kreidezeit und gilt heute daher als lebendes Fossil. Botanisch lässt sich der Ginkgo weder den Nadelgehölzen, noch den Laubgehölzen eindeutig zuordnen. Diese Tatsache hat schon den botanisch interessierten Goethe zu einem Gedicht über den Ginkgo inspiriert.

Einige Gehölze legen bei der Herbstfärbung einen Zwischenschritt ein: Anders als ihre gelben Nachbarn lassen sie den orange-roten Carotinoiden noch ihren großen Auftritt, bevor sie ein gelbes Kleid anlegen. In Nordamerika spricht man bei so einer intensiven Färbung vom Indian Summer, auch hierzulande wünschen sich viele Gartenbesitzer einen feurigen Herbst.

Die Liste der in Frage kommenden Gehölze ist lang. Für jede Grundstücksgröße findet sich das passende Exemplar: Landschaftsgärtner raten bei Gärten mit wenig Platz zum Beispiel zu den kleinbleibenden Sorten des Japanischen Ahorns (Acer palmatum), dessen filigrane Blätter vor der Vegetationsruhe ein sattes Weinrot annehmen. Auch der Spindelstrauch (Euonymus) und der Blumen-Hartriegel (Cornus kousa) sind empfehlenswert. Zwar wird letzterer häufig vor allem wegen seiner eleganten Hochblätter gepflanzt, doch seine orange- bis dunkelrote Herbstfärbung hat ebenfalls hohen Zierwert.

„Für kleine Stadtgrundstücke sind auch Kletterpflanzen eine gute Wahl. Wilder Wein (Parthenocissus) und Rostrote Weinrebe (Vitis coignetiae) beispielsweise sind perfekt für einen Indian Summer direkt am Haus oder elegant an der Pergola“, führt Michael Henze vom BGL an. „Einen goldenen Oktober bescheren dagegen Pfeifenwinde (Aristolochia macrophylla) und Blauregen (Wisteria sinensis).“ Wer mehr Platz zur Verfügung hat, sollte den Amberbaum (Liquidambar styraciflua) in die nähere Auswahl nehmen. Seine ahornähnlichen Blätter überraschen geradezu expressionistisch in Sonnengelb, Feuerrot und Rot-Violett. Aber auch der Eisenholzbaum (Parrotia persica), dessen bis zu neun Zentimeter langen Blätter im Herbst Orange und Bordeaurot zur Schau tragen, macht viel her.

Wer sich für das nächste Jahr einen sonnig-feurigen Herbstgarten wünscht, sollte sich genau jetzt näher mit dem Thema beschäftigen. Denn auch wenn Gehölze in Containern rund ums Jahr gepflanzt werden können, raten die Experten zur Pflanzung im Herbst. Dann ist der Boden warm und feucht und die Gewächse können noch vor dem Winter ausreichend Wurzeln bilden. Sie starten also mit einem deutlichen Entwicklungsvorsprung in das nächste Jahr und können bereits im nächsten Herbst farbenfroh im Garten alles geben. bgl