Landwirtschaft und Natur

Rettet den Vorgarten Es geht um mehr als die Fläche vor dem Haus

Mehr Grün für bessere Klimabilanz

Archivartikel

Bad Honnef.Seit einigen Jahren gibt es – besonders in Neubausiedlungen – das Phänomen der sogenannten Schottergärten: Die Fläche vor dem Haus ist dabei nicht bepflanzt, sondern hauptsächlich mit Kies oder Schotter abgedeckt.

Etwa genauso lange gibt es die sehr kontroverse Diskussion zwischen Befürwortern und Gegnern dieser Art der Freiraum-Gestaltung. Inzwischen setzt sich mehr und mehr die Erkenntnis durch, dass die leblosen Steinflächen überwiegend negative Wirkung haben – direkt für die Bewohner der Häuser, aber auch für deren Nachbarn und das Viertel insgesamt.

Vor allem die starke Aufheizung der Steine, der mangelnde Schatten und eine fehlende Verdunstungskühle lassen Schotterwüsten im Vergleich zu bepflanzten Vorgärten und Gebäuden unattraktiv werden. Für Architekten, Projektentwickler und Investoren werden – mit Blick auf Folgen des Klimawandels und nach drei Hitzesommern in Folge – im Wortsinn grüne Argumente verkaufsrelevant.

„Begrünte Gebäude und abwechslungsreich bepflanzte Gärten sorgen nicht nur für Verbesserungen der Klimabilanz, sondern stärken Gesundheit und Wohlbefinden der Bewohner,“ weiß Gerald Jungjohann vom Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL).

Grüne Infrastruktur

Die Bedeutung von öffentlichen Grünflächen der Städte und Gemeinden wird heute neu und anders diskutiert.

Die Europäische Kommission entwickelte bereits im Rahmen ihrer Biodiversitätspolitik nach 2010 eine Strategie für eine EU-weite grüne Infrastruktur – auch mit Blick auf den urbanen Raum. Darauf aufbauend wurde in Deutschland 2017 das Bundeskonzept Grüne Infrastruktur verabschiedet. Die grüne Infrastruktur wird demnach als wesentlicher Bestandteil einer nachhaltig wirtschaftlichen und ressourcenschonenden Stadtentwicklung betrachtet.

In dieser politischen Zielstellung sieht der BGL mehr als hinreichende Gründe für sein Engagement in der Initiative „Rettet den Vorgarten“. Denn auch private Gärten sind Teil der Grünen Infrastruktur von Städten und Gemeinden.

Nach aktuellen Zahlen des Umweltbundesamts sind etwa 46 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsfläche in Deutschland versiegelt und täglich werden etwa 56 Hektar Fläche für Siedlung und Verkehr neu verbraucht, also zusätzlich versiegelt.

BGL-Präsidiumsmitglied Gerald Jungjohann: „Besonders im bebauten Raum kommt es auf jeden Quadratmeter Grünfläche an und hier spielen private Gärten eine besondere Rolle, sowohl als eine Art Trittsteine für Biodiversität, wie auch als wertvolle Flächen für die Stadtklimatologie und das Regenwassermanagement.“

Mehr Förderprogramme

Die Auswirkungen des Klimawandels sind längst auch Auslöser für konkrete Maßnahmen zum Klimaschutz im Bausektor.

Dahinter steht zunächst die Tatsache, dass die Bauwirtschaft und ihre Zulieferindustrie enorme Potenziale zur CO2-Reduktion realisieren können. Aber auch die Verminderung von Risiken und Bauwerkschäden durch Wetterextreme sowie Aspekte des Gesundheitsschutzes führen zu einer höheren Bedeutung von Grün am Bau. „Die Dach- und Fassadenbegrünung als wirksame Ausgleichsmaßnahmen für baubedingte Bodenversiegelung sind heute eigentlich Standard“, führt Jungjohann aus. „Erfreulicherweise gibt es auch immer mehr Förderprogramme der Kommunen und Bundesländer, die Investoren und Hausbesitzern die Entscheidung leichter machen.“

Wichtige Partner

Für die Planung und den Ausbau von mehr Grün im direkten Lebensumfeld der Menschen sind aus Sicht des BGL Architekten und Projektentwickler wichtige Partner.

Je früher das Grün mitgedacht werde, umso einfacher, preiswerter und erfolgreicher sei die Realisierung. Das beziehe sich auf das gesamte Umfeld der Gebäude. Jungjohann: „Es gibt viele gute Gründe, die für artenreich bepflanzte, lebendige Vorgärten sprechen, ebenso wie für mehr Dach- und Fassadenbegrünung: Ökologische, soziale und nicht zuletzt ökonomische – hier ist gärtnerischer Sachverstand gefragt und unsere Fachbetriebe ergänzen die Expertise von Architekten und Projektentwicklern.“ bgl