Landwirtschaft und Natur

Erzeugergemeinschaft ökologischer Streuobstanbau Hohenlohe-Franken Mitgliederversammlung in Hollenbach / Derzeit 335 Mitglieder – mit steigender Tendenz / Walnuss-Programm im Blick

Kritik an den „viel zu hohen Kontrollkosten“ geäußert

Archivartikel

Von „schwankenden und unterschiedlichen Erträgen“ sprach Vorsitzender Berthold Walter zum Auftakt der Mitgliederversammlung der Erzeugergemeinschaft ökologischer Streuobstanbau Hohenlohe-Franken in der Hollenbacher Dreschhalle. Gleichzeitig zeigte er sich aber auch davon überzeugt, dass der Zusammenschluss der augenblicklich 335 Mitglieder (die rund 19 000 Bäume auf etwa 300 Hektar Streuobstfläche bewirtschaften) auf einem festen Fundament stehe: „Es kommen immer weitere Anträge hinzu.“

Große Differenzen

Im langjährigen Durchschnitt lägen die Erfassungsmengen bei rund 500 Tonnen/Jahr, wobei es große Differenzen gebe: 2017: 120 Tonnen und 2018: 1000 Tonnen. „In den Jahren mit kleinen Erträgen nützen die guten Preise oft nicht viel, weil die Mengen fehlen“, so der Frontmann.

Er kritisierte in diesem Zusammenhang, dass „die Kontrollkosten viel zu hoch sind, was sich auf die Auszahlungspreise auswirkt“. Dies sei so, weil jeder Streuobstbetrieb jährlich einzeln geprüft werden müsse. Ohnehin stehe und falle alles mit dem Verkauf an die Saftindustrie.

Großes Thema sei, immer wiederkehrend, der Annahmetag für das Obst. Es seien bereits verschiedene Möglichkeiten diskutiert worden, um eventuell zusätzliche Termine anbieten zu können. „Wir sind auf jeden Fall bemüht, dass die Erzeugergemeinschaft weiterhin bestehen kann. Das sind wir den Mitgliedern, aber auch unseren regionalen Streuobstgebieten und dadurch der hiesigen Natur schuldig“, schloss Berthold Walter seinen Rechenschaftsbericht.

Finanziell gut aufgestellt

Der für die Finanzen zuständige Rainer Schuch zeichnete auf, dass die Gemeinschaft gut aufgestellt sei. Kassenprüfer Willi Gotthardt sah keinerlei Beanstandungen und lobte die einwandfreie Arbeit Schuchs.

Richard Eckart würdigte die ausgezeichnete Arbeit von Vorstand und Kassenwart und beantragte die jeweilige Entlastung, die einstimmig erfolgte. Im Schnelldurchgang fanden auch die Wahlen statt. Im Amt bestätigt wurde Vorstandsvorsitzender Berthold Walter ebenso wie dessen Stellvertreter Hermann Popp. Das Team wird in Zukunft komplettiert von Rainer Schuch, der Anton Ehrmann beerbt, der verabschiedet wurde. Als Kassenprüfer fungieren weiterhin Willi Gotthardt und Reinhold Albrecht.

Albrecht Kumpf von gleichnamigen Fruchtsafthersteller in Markgröningen lobte das Engagement der Streuobstwiesenbesitzer in der Region an Kocher, Jagst und Tauber. Er sei der Überzeugung, dass das heutige Niveau, vor allem was die Preise angehe, wohl nicht gehalten werden könne. Deswegen gelte es, nach Alternativen bei der Vermarktung zu suchen, um im Wettbewerb bestehen zu können. Sein Unternehmen habe die Zeichen der Zeit längst erkannt und arbeite daran, neue Absatzmöglichkeiten zu finden. Er appellierte an die Mitglieder der Erzeugergemeinschaft, ebenso wie an die Verbraucher, auf heimische und regionale Produkte zurückzugreifen und dies in Kombination mit dem Bio-Siegel zu praktizieren.

Alternativen möglich

Alternativen böten sich, ließ auch Kreisfachberater Harald Lurz vom Landratsamt Main-Tauber wissen, als er auf das geplante Walnuss-Programm zu sprechen kam: „Dadurch bieten sich im Streuobstanbau weitere Potenziale, die genutzt werden sollten.“ So plane die Buchener Firma Seitenbacher, in der Grünsfelder Ölmühle jährlich bis zu 30 000 Liter Walnussöl zu pressen, das dann in den Verkauf gehen solle. „Viele Bauern haben bereits solche Bäume, um dieses Ziel zu erreichen, werden ungefähr 4000 Bäume benötigt“, sagte Harald Lurz, der dieses Programm mit koordiniert. Er sprach von einer „spannenden Angelegenheit“. Es sei ein guter Weg, bei dem Wertschöpfung aus den Streuobstwiesen herausgezogen werden könne.

In diesem Zusammenhang wurde auch das Programm „Einheitsbuddeln“ vorgestellt, an dem man sich auch in der Region beteilige. Ziel sei, dass nach Möglichkeit am Nationalfeiertag (3. Oktober) jeder Bürger etwas gegen den Klimawandel tue und einen Baum pflanze. Bei den Bageno-Geschäftsstellen in Bad Mergentheim und Ingenfingen werden aus diesem Grund 2000 Setzlinge – Walnuss und Speierling – kostenlos ausgegeben, die jeder abholen könne, um sie auszubringen.