Landwirtschaft und Natur

Umweltbewusstseinsstudie 2018 Viele Verbraucher tun sich schwer, ihr eingefleischtes Ernährungsverhalten zu ändern

Klimaschutz sollte für die Landwirtschaft größere Rolle spielen

Archivartikel

Zwei Drittel der Bevölkerung wünschen sich, dass Umwelt- und Klimaschutz künftig die Hauptrolle in der Landwirtschaft spielen. Dies ergab eine repräsentative Umfrage von Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt. Laut dieser Umweltbewusstseinsstudie tun sich aber auch viele Verbraucher schwer damit, ihr eingefleischtes Ernährungsverhalten zu ändern.

Über 60 Prozent der Befragten halten den Rückgang der Artenvielfalt bei Pflanzen und Tieren sowie die Umweltbelastungen durch Pflanzenschutzmittel für sehr problematisch. Mehr als die Hälfte der Befragten beklagt die Belastung der Wasser- und Bodenqualität etwa durch eine nicht bedarfs- und standortgerechte Düngung. Fasst man diejenigen zusammen, die diese drei Probleme als sehr und als eher groß empfinden, so kommt man auf jeweils rund 90 Prozent. Viele sehen weiterhin gravierende Probleme in der Nutztierhaltung, vor allem beim Tierschutz und Tierwohl. Auch den Ausstoß von Treibhausgasen in der Landwirtschaft empfindet etwa ein Drittel der Interviewten als ein sehr großes Problem.

Wichtige Aufgabe

Nach Ansicht von 74 Prozent der Befragten gehört es zu den wichtigsten Aufgaben der Landwirtschaft, die Bevölkerung mit einer Vielfalt hochwertiger und gesunder Lebensmittel zu versorgen. An zweiter und dritter Stelle nennen sie das Wohlergehen von Nutztieren (65 Prozent) und den Umwelt- und Naturschutz (59 Prozent). Alle anderen Aufgaben folgen mit deutlichem Abstand. Lediglich acht Prozent der Befragten zählen die Erzeugung von preisgünstigen Lebensmitteln zu den wichtigsten Aufgaben der Landwirtschaft.

Doch die Verbraucherwünsche werden selten wahr. Die Befragten fühlen sich zwar gut versorgt mit vielfältigen, gesunden Lebensmitteln, aber die Landwirte erfüllen weder ihre Erwartungen an die Tierhaltung noch an den Umwelt- und Klimaschutz.

Was ist dem Verbraucher mit Blick auf die zukünftige Entwicklung der Landwirtschaft am wichtigsten? Für 43 Prozent der Befragten ist die Versorgung aller Menschen mit einer Vielfalt an hochwertigen und gesunden Lebensmitteln am wichtigsten. Etwas mehr (45 Prozent) priorisieren eine möglichst geringe Belastung von Umwelt und Klima.

Doch gerade dafür bekommt die aktuelle Landwirtschaftspolitik schlechte Noten. Nur etwa drei Prozent der Befragten stimmen voll und ganz der Aussage zu, dass sich die Agrarpolitik in Deutschland vor allem am Umwelt- und Klimaschutz orientiere. Stattdessen meint die Mehrheit, dass die Landwirtschaftspolitik vor allem die Interessen der Industrie berücksichtige, also beispielsweise der Lebensmittelkonzerne oder der chemischen Industrie. Die Interessen der Landwirte sowie die Bedürfnisse der Verbraucherinnen und Verbraucher vernachlässige die Politik dagegen.

54 Prozent der Befragten sehen vor allem die Regierungen von Bund und Ländern als Akteure für eine umweltfreundlichere Landwirtschaft in Deutschland.

Es folgen mit gut 40 Prozent jede und jeder Einzelne, also die Verbraucher sowie die Landwirte (41 Prozent). Etwa ein Viertel nennt jeweils die Europäische Union und die Lebensmittelindustrie. Bei der Wahl der Maßnahmen sind die Befragten nicht zimperlich: Etwa zwei Drittel befürworten voll und ganz schärfere Kontrollen und höhere Strafen bei Verstößen gegen Umweltgesetze, höhere Umweltauflagen oder strengere Zulassungsverfahren bei Pflanzenschutz- und Düngemitteln sowie striktere Regelungen zum Tierschutz.

Die Hälfte spricht sich voll und ganz für höhere Steuern oder Zölle auf besonders umweltbelastende landwirtschaftliche Betriebsmittel oder Produkte aus.

Für mehr finanzielle Mittel

41 Prozent der Befragten befürworten mehr finanzielle Mittel für Forschung und Bildung für die ökologische Landwirtschaft. Ebenfalls 41 Prozent möchten die ökologische Landwirtschaft stärker fördern. 39 Prozent der Befragten sind dafür, dass staatliche Beihilfen ausschließlich in umwelt- und klimagerechte landwirtschaftliche Methoden fließen. Bei den Gütesiegeln unterstützen die Befragten besonders ein staatliches Tierwohl-Label.

Weibliche Befragte äußern sich insgesamt positiver zu Maßnahmen für weniger Umweltbelastungen in der Landwirtschaft. Außerdem finden Frauen häufiger als Männer, dass staatliche Beihilfen ausschließlich für umwelt- und klimagerechte landwirtschaftliche Methoden gezahlt werden sollten.

Natürlich könnten die Befragten selbst auch mehr für eine umweltfreundliche Landwirtschaft tun. Beispielsweise Biolebensmittel kaufen oder weniger Fleisch essen.

Doch das fällt vielen schwer. Der Konsum tierischer Nahrungsmittel liegt in Deutschland nach wie vor auf hohem Niveau. Nur etwas mehr als ein Viertel der Befragten gibt an, schon zeitweise oder dauerhaft auf Fleisch oder weitere tierische Lebensmittel verzichtet zu haben. Ähnlich mager sieht es bei pflanzlichen Ersatzprodukten für Fleisch oder Milch aus. Wer solche Produkte schon probiert hat, würde es zumeist wieder tun. Die anderen können sich dies auch für die Zukunft kaum vorstellen.

Grundsätzlich gilt: Weibliche Befragte, jüngere Altersgruppen und Personen mit höherer Bildung sind offener für vegetarische/vegane Ernährungsstile oder Fleischersatzprodukte und Insektenburger. bme