Landwirtschaft und Natur

Wachsender Markt Ware aus Deutschland erfreut sich wegen der größeren Transparenz bei der Ausbringung einer steigenden Beliebtheit

Jetzt mehr Bio-Ackerbohnen und -erbsen anbauen?

Seit vielen Jahren liegt die Nachfrage nach heimischen Ackerbohnen und Erbsen in Bioqualität über dem Angebot. Vor allem Hersteller von Bio-Futtermitteln sind an Bio-Ware aus Deutschland interessiert. Bisher können sie ihren Bedarf über Importe decken. Dennoch bevorzugen sie Bio-Erbsen und -Bohnen aus Deutschland, nicht zuletzt wegen der größeren Transparenz beim Anbau und dem Anspruch des Ökolandbaus, die Transportwege kurz zu halten.

Ein weiterer Schub für die Nachfrage ergibt sich aus dem zunehmenden Bedarf der Lebensmittelindustrie. Gefragt sind vor allem geschälte halbierte Bohnen, grüne Erbsen, Mehle und Schrote für Eiweiß- und Stärkekonzentrate und zur Herstellung von Fleischersatzprodukten. Verstärkt wird dieser Trend durch den wachsenden Bedarf an gentechnikfreien, regionalen Proteinquellen.

Bisher standen im Speisebereich vor allem Soja, Linsen, Lupinen und Kichererbsen im Fokus. Doch inzwischen gewinnen auch in Deutschland angebaute Erbsen und Ackerbohnen als vielseitiger Rohstoff für die Lebensmittelherstellung an Bedeutung. „Die Vermarktung für diese Produkte ist mittlerweile sogar im konventionellen Bereich angesprungen“, sagt Ulrich Quendt, Leiter des Demonstrationsnetzwerks Erbse/Bohne, das seit 2016 besteht. Zum Netzwerk gehören 58 Praxisbetriebe, darunter sind auch 23 Bio-Betriebe. Neben der Optimierung des Anbaus verfolgt das Netzwerk vor allem das Ziel, die nachfolgende Wertschöpfungskette für die Aufbereitung, Verarbeitung und Vermarktung zu stärken.

Diese Bemühungen tragen inzwischen Früchte. Unternehmen haben sich zum Beispiel auf die Aufbereitung von Ackerbohnen und andere Körnerleguminosen für die Lebensmittelindustrie spezialisiert. Schon drei Jahre nach der Gründung 2016 werden hier pro Jahr 20 000 Tonnen konventionelle Ackerbohnen verarbeitet. Im laufenden Jahr sollen die Kapazitäten sogar auf 40 000 Tonnen pro Jahr verdoppelt werden. Zudem arbeitet das Unternehmen künftig mit der Roland-Mühle in Bremen zusammen, um auch weiterverarbeitete Produkte wie Mehle und Extrakte anbieten zu können.

Als bisher einziges Unternehmen in Deutschland will die Firma in naher Zukunft auch eine Verarbeitungslinie für Bio-Körnerleguminosen zu Speisezwecken aufbauen.

Trotz einer weiter wachsenden Nachfrage stagniert der Umfang der Anbauflächen für Bio-Ackerbohnen und Bio-Erbsen seit langem auf niedrigem Niveau. Auch ein seit vielen Jahren stabiles Preisniveau von rund 45 Euro pro Dezitonne und gute Deckungsbeiträge, die etwa auf dem Niveau von Bio-Getreide liegen, scheinen kein ausreichender Anreiz für Bio-Betriebe zu sein.

Dafür gibt es laut Ulrich Quendt mehrere Ursachen. So sei die Anbaufläche für Leguminosen auf vielen Betrieben mit einem Anteil von einem Drittel bereits weitestgehend ausgereizt. Zudem bevorzugten viele Betriebe Kleegras als Leguminose, weil es mehr Stickstoff bindet und der Anbau einfacher ist. Hinzu komme, dass tierhaltende Betriebe die erzeugten Körnerleguminosen in der Regel komplett selbst verwerten.

„Ein weiterer Engpass sind die fehlenden Anlagen zur Aufbereitung von Bohnen und Erbsen“, so Quendt. Das Netzwerk arbeite daran, Erzeugerbetriebe, Aufbereiter und Verarbeiter zusammenzubringen. Der Leiter des Netzwerks hält den Anbau von Erbsen und Bohnen zur Vermarktung als Futtermittel oder zur Humanernährung dennoch für interessant, wenn die betrieblichen Voraussetzungen stimmen. Das gilt aus seiner Sicht vor allem für Marktfruchtbetriebe, die auf geeigneten Standorten wirtschaften. Während die Ackerbohne eher schwere Böden mit guter, gesicherter Wasserführung braucht, bevorzugt die Erbse leichtere Standorte und hat einen geringeren Wasserbedarf. Auch Futter-Mist-Kooperationen können ein Anreiz für den Einstieg in die Erzeugung sein. Dabei beziehen zum Beispiel Geflügelbetriebe mindestens 50 Prozent ihrer Futtermittel von einem Partner-Marktfruchtbetrieb, der im Gegenzug Geflügelmist als wertvollen Wirtschaftsdünger erhält.

Der Anbau von Speiseware ermöglicht laut Quendt höhere Deckungsbeiträge als im Futterbereich, ist aber aufgrund höherer Vorgaben an die Qualität auch anspruchsvoller. Neben einem maximalen Feuchtegehalt von 15 Prozent gibt es zum Beispiel strengere Vorgaben für Lochfraßanteile durch den Befall mit Ackerbohnen- und Erbsenkäfer. Werden die geforderten Qualitäten nicht erreicht, kann die Ware jedoch auch als Futtermittel vermarktet werden. „Die erwünschten Qualitäten für den Speisebereich sind durchaus herausfordernd“, meint Quendt. Vor allem der Befall mit Ackerbohnen- und Erbsenkäfer sei auf vielen Netzwerkbetrieben ein Problem, auch im konventionellen Anbau. Im Ökolandbau gibt es kaum Bekämpfungsmöglichkeiten.

Gute Erfahrungen haben einige Netzwerkbetriebe mit Wintersorten gemacht. Vor dem Hintergrund zunehmender Trockenperioden bieten sie Vorteile in Bezug auf die Ertragssicherheit, weil sie schon im Frühjahr tiefere Wurzeln ausbilden und die Winterfeuchtigkeit nutzen können. Das ist vor allem beim Anbau von Ackerbohnen ein großer Vorteil, da Trockenphasen zu hohen Ertragseinbußen führen können.

„Entscheidend für den Anbauerfolg mit Wintersorten ist aber die Sortenwahl“, mahnt Quendt. In kühleren Lagen sollte man eher auf hochwüchsige Wintererbsen-Sorten setzen, während in maritimen oder wärmeren Gunstlagen auch weniger winterharte, kurzwüchsige Wintererbsen und auch Winterackerbohnen sinnvoll sein können. In der Züchtung arbeitet man derzeit daran, die Winterfestigkeit weiter zu verbessern. ble