Landwirtschaft und Natur

„@charlotte“ Mit der Gesellschaft im Austausch

Fleisch mehr wertschätzen

Archivartikel

Zu der Frage „Was ist uns das Fleisch auf unseren Tellern wert?“ hatte MdB Charlotte Schneidewind-Hartnagel (Grüne) MdL Martin Hahn, Claudia Albrecht, Margret Beck und Simon Kunzmann sowie weitere Interessierte zu „@charlotte“ aufgerufen. Mit dem Format nutzt sie seit Corona den digitalen Raum, um mit vielen in Austausch zu treten.

Martin Hahn führte zunächst aus, dass im Land weiterhin die Zahl der Betriebe mit Tierhaltung abnehme, während in anderen Regionen die Agrarfabriken mit Großställen wüchsen. Dies verschärfe die bestehenden Probleme in der Landwirtschaft. Nicht zuletzt um sich von EU-Tierimporten zur Fleischverarbeitung frei zu machen, sei der Erhalt der Höfe und die Art ihres Wirtschaftens von Bedeutung, um Artenvielfalt und mittelständische Landwirtschaft im Land zu erhalten. Die , Landesregierung setze darauf, den ökologischen Landbau sowie alles, was den Umbau hin zu einer besseren Tierhaltung führe, zu fördern. Die Agrarwende müsse auch einen veränderten Fleischkonsum bedeuten.

Margret Beck (Bäuerin und Vorsitzende der Landfrauen Main-Tauber) erklärte, dass ihr besonders am Tierwohl von der Aufzucht bis zur Schlachtung gelegen sei. Früher habe man die Tiere ohne lange Transportwege zu regionalen Schlachtereien bringen können und nicht in große industrielle Schlachtanlagen. Die Entwicklung hin zu immer mehr und immer billigerem Fleisch sei nicht hinnehmbar und bei verantwortungsvoller Tierhaltung nicht kostendeckend umzusetzen. Für sie stelle Fleisch ein hochwertiges Lebensmittel dar.

Die aus Markelsheim kommende Bäuerin und Metzgereimeisterin Claudia Albrecht ergänzte, dass die rechtlichen Auflagen die Existenz der zentral im Ort gelegenen Schlachtereien bedrohen würden. Bei notwendigen Erweiterungen fehle oft der Platz, um anzubauen. Ein Neubau außerhalb des Ortes sei jedoch finanziell oft nicht leistbar. Auch sie sprach sich für eine für den Verbraucher deutliche Fleischkennzeichnung zu Herkunft und Haltung aus. Wichtig war ihr zu betonen, dass es für Landwirte möglich sein müsse, ohne Subventionen und ohne Förderung über die Marktpreise den realen Wert des Fleisches und seiner Herstellung zu erwirtschaften.

Die Vorteile der Direktvermarktung brachte Landwirt Simon Kunzmann ein. Er leitet einen familieneigenen Bioland-Betrieb mit Schweinen im geschlossenen System in Schefflenz. Er ist Direktvermarkter, seine Produkte dürfen das Label der Bio-Musterregion Neckar-Odenwald tragen.

Der direkte Kontakt ermögliche Kunzmann zum Beispiel auf Wochenmärkten, dem Endkunden den Preis seiner Produkte zu erklären – und mit diesem Wissen wachse die Bereitschaft, auch den realen Preis zu bezahlen.

Danach entwickelte sich ein differenziertes und informatives Gespräch zwischen Politik, Produzenten und Konsumenten, bei dem auch 20 weitere Teilnehmer zu Wort kamen.

Grundlegender gemeinsamer Konsens war, dass es um Landwirtschaft mit hohem Tierwohlanspruch, regionaler Wertschöpfung und sozial gerechter Bezahlung zu gewährleisten, von politischer Seite gesetzliche Rahmenbedingungen brauche um Veränderungen und konstruktive Lösungen im landwirtschaftlichen Bereich anzugehen. Dabei gelte es, die Landwirtschaft mit regionaler Wertschöpfung und mittelständischen Schlachtbetrieben nicht der Fleischindustrie und der Massenproduktion zu opfern. Dazu gehöre auch, dass Verbraucher durch eine klare Kennzeichnung die Auswahl ihres Fleisches erleichtert würde. pm