Landwirtschaft und Natur

Uni München erforscht Konzept Landwirtschaftliche Maschinen teilen

Digitalisierung bietet große Chancen

Archivartikel

München.Forschende der Universität München haben ein Konzept für eine mögliche Digitalisierung des Landmaschinen-Verleihs entwickelt. Ihr Ergebnis: Die Abwicklung des Verleihs würde deutlich schneller, effizienter und kostengünstiger. Zudem könnte eine digitale Lösung dazu beitragen, die Verbreitung von Traktoren mit umweltfreundlichen Antrieben voranzutreiben.

Schon seit Ende der 1950er Jahre gibt es für Betriebe in Deutschland die Möglichkeit, Landmaschinen untereinander auszuleihen und zu teilen. Die Organisation des Teilens liegt heute vor allem in der Hand von bundesweit über 260 Maschinenringen. Daneben gibt es aber auch zahlreiche Maschinengemeinschaften, die von Betriebsleitenden koordiniert werden, und zunehmend auch Hersteller von Landmaschinen, die ihre Maschinen vermieten.

Die größten Vorteile für Betriebe liegen vor allem bei Einsparungen von Investitionskosten, einer optimalen Auslastung der eigenen Maschinen und der Möglichkeit, neue und optimal gewartete Technik einsetzen zu können. Doch in der Praxis ist der Verleihvorgang oft umständlich, zeitaufwendig und mit vielen manuellen Schritten verbunden, da die Maschinen etwa bei den einzelnen Maschinenringen häufig noch telefonisch oder per Mail angeboten und angefragt werden müssen.

Forscherinnen des Masterstudiengangs Applied Business Innovation der Hochschule München haben deshalb in einer Projektarbeit unter Leitung von Professor Holger Günzel ein neues Konzept zum Teilen landwirtschaftlicher Maschinen entwickelt. Es beruht auf einer so genannten IoT-Plattform, die eine vollständig digitale Abwicklung des Maschinenteilens ermöglicht.

Das Entwicklungsteam möchte das Konzept nicht als eigene Geschäftsidee nutzen, sondern sieht den Ansatz als Möglichkeit für eine einheitliche, optimierte Basis für Einrichtungen, die derzeit den Maschinenverleih organisieren.

Einfache Abwicklung per App

Bei diesem Konzept treten Mietende und Vermietende für das Ausleihen einer Maschine direkt über eine App in Kontakt. Alle Betriebe, die Mitglied eines Verleih-Netzwerks sind, hinterlegen einmalig ihre Kontaktdaten und alle wichtigen Daten zur eigenen Maschinenflotte in der Datenbank, die von der jeweiligen Organisation verwaltet wird.

Auch die Bankverbindungen der beteiligten Betriebe werden im System hinterlegt. Weitere wichtige Angaben wie der verfügbare Mietzeitraum, Preis und der aktuelle Standort der Maschine können jeweils kurzfristig über die App per Smartphone oder PC eingegeben werden.

Betriebe, die eine bestimmte Maschine suchen, können das verfügbare Angebot rund um die Uhr über eine Suchfunktion in der App abrufen. Dabei werden alle verfügbaren Maschinen für den gewünschten Zeitraum aufgelistet. So hat der Betrieb die Möglichkeit, die Angebote zu vergleichen und die für seinen Bedarf und Standort günstigste Maschine auszuwählen.

Die Ausleihe wird direkt über die App aktiviert, genauso wie die Rückgabe und die Bezahlung. Auch die Erstellung der Rechnung übernimmt das System auf Basis der Verleihdauer und der automatisch aufgezeichneten Betriebsstunden.

Neben der Kosteneinsparungen durch die automatisierte, zeitsparende Abwicklung und der besseren Transparenz der verfügbaren Angebote bietet das Konzept nach Einschätzung der Forschenden noch weitere Vorteile.

So wird es durch das System möglich, alle im jeweiligen Verleih-Netzwerk gemeldeten Betriebe zu bewerten. Das gibt vor allem Betrieben mehr Sicherheit, die ihre Maschinen verleihen.

Weiterhin geht das Forschungsteam davon aus, dass ein Großteil der Maschinen künftig interaktionsfähig sein wird. Das heißt, sie können während des Einsatzes laufend Daten über den Standort, aktuelle Betriebsdaten oder die Nutzungsdauer an den vermietenden Betrieb übermitteln. Diese Möglichkeit der Verfolgbarkeit stärkt das Vertrauen der vermietenden Betriebe nach Einschätzung des Masterstudentinnenteams zusätzlich.

Darüber hinaus ermögliche das System auch Vorteile für den verstärkten Einsatz von Traktoren mit umweltfreundlichen Antrieben wie Strom oder Wasserstoff. Denn über die App könnten dafür wichtige Daten wie Ladezustand oder verfügbare Ladestationen im Umkreis übermittelt werden.

Aktuell werden in der Praxis kaum strom- oder wasserstoffbetriebene Traktoren eingesetzt, obwohl es von einigen Herstellern bereits Prototypen gibt. Das Forschungsteam geht allerdings davon aus, dass der Anteil von Maschinen mit umweltfreundlichen Antrieben in Zukunft steigen wird, besonders für Arbeiten mit geringerem Leistungsbedarf. So könnten Betriebe ihren selbst erzeugten Strom aus Windkraft, Fotovoltaik- oder Biogasanlagen optimal nutzen.

Als Betreiber aktiv

Organisationen wie Maschinenringe würden bei diesem App-basierten Konzept nicht mehr als aktiv vermittelnde Einrichtung auftreten, sondern vor allem als Betreiber der Datenbank beziehungsweise IoT-Plattform und der erforderlichen App, der lediglich bei Problemen in der Abwicklung in Erscheinung tritt.

Um das entwickelte Konzept auf seine Praxisnähe zu prüfen, wurden im Rahmen der Projektarbeit drei Landwirte und sechs Mitarbeitende verschiedener Maschinenringe ausführlich befragt. Die Landwirte, die alle Mitglied im Maschinenring sind, sehen das App-basierte Verleihsystem grundsätzlich sehr positiv und könnten sich das Mieten und Vermieten ihrer Maschinen auf diesem Wege gut vorstellen.

Zudem glauben sie, dass es sich für Betriebe lohnt, den selbst erzeugten Strom zukünftig für Maschinen mit umweltfreundlichen Antrieben zu nutzen. Allerdings sehen sie die breite Einführung von Traktoren mit alternativen Antrieben eher skeptisch.

Sie gehen davon aus, dass sich diese Technik in absehbarer Zeit nur bei kleinen Maschinen anwenden lässt. Zudem sehen sie das Teilen von Traktoren skeptisch.

Besonders groß ist das Interesse landwirtschaftlicher Betriebe an den Daten der Maschineneinsätze, die über eine einheitliche Plattform gesammelt und zur Verfügung gestellt werden könnten. Das zeigt eine frühere Befragung von Betrieben. Knapp 60 Prozent der Betriebe wären bereit, ihre Daten zur Verfügung zu stellen, wenn dies ihren bürokratischen Aufwand verringern würde oder wenn sie sich mit anderen Betrieben vergleichen könnten.

Auch die Mitarbeitenden der Maschinenringe sehen einen möglichen Verleih von Maschinen über eine digitale Plattform positiv. Vor allem bei jüngeren Landwirten sei das Interesse an digitalen Lösungen sehr groß. Weiterhin gaben sie an, dass viele Betriebe ihres Maschinenrings bereits gut untereinander vernetzt sind, was einen Tausch der Maschinen schon jetzt sehr einfach mache. ble