Landwirtschaft und Natur

Bis zu 30 Blüten an einem Stil Die Menschen erfreuen sich an den eindrucksvollen Zwiebelgewächsen mit ihren tollen Farben und Formen

Die wilde Anmut der Türkenbund-Lilien

Archivartikel

Die Zeit der Lilien ist endlich da! Schon vor Monaten gepflanzt, erfreuen die eleganten Zwiebelgewächse nun nach und nach mit ihren eindrucksvollen Blüten. Es gibt sie in ganz unterschiedliche Farben, von reinem Weiß über zartes Rosa bis hin zu einem knalligen Rot und dunklem Braun.

Auch in der Blütenform sind sie abwechslungsreich: Einige zeigen sich einfach, andere gefüllt, manche trompeten- oder schalenförmig und eine besonders kunstvolle Art hat ihre Blütenblätter interessant nach hinten geschlagen. Diese außergewöhnlichen Vertreterinnen nennt man aufgrund ihrer charakteristischen Form auch Türkenbund-Lilien oder – botanisch – Lilium martagon. Anders als ihre Schwestern, die zumeist erst im Juli im Garten alles geben, überzeugen sie bereits im Juni mit ihrer Pracht.

Türkenbund-Lilien sind die am weitesten verbreitete Wildart und wachsen hierzulande sogar noch frei in der Natur – unter anderem im Schwarzwald und den Allgäuer Alpen. Da ihr Vorkommen jedoch stark zurückgeht, stehen sie mittlerweile unter Naturschutz.

„Die Türkenbund-Lilien, die man zurzeit in den Privatgärten sieht, sind zumeist neue Züchtungen der Art“, weiß Blumenzwiebelexperte Carlos van der Veek. „Diese trumpfen mit den besten Eigenschaften für das Beet und die Topfkultur auf und überzeugen mit ihrer eindrucksvollen Blütenpracht – je nach Sorte tragen sie im Juni und Juli bis zu 30 Blüten an einem Stiel! Und das Beste: Haben diese Lilien im Garten einmal Fuß gefasst, dann kommen sie zuverlässig jedes Jahr wieder.“

Die typische Türkenbund-Form ist bei den neuen Varianten mal mehr, mal weniger stark ausgeprägt. Die „Sunny Morning“ beispielsweise erinnert tatsächlich ein wenig an einen historischen Turban, die „Pink Morning“ dagegen deutet die Drehung nach hinten nur noch leicht an. Dafür kommt diese Sorte mit ihrem zarten Rosa-Violett farblich der ursprünglichen Species besonders nahe.

In der Natur wächst die Martagon-Lilie im Halbschatten an Wald- und Wiesenrändern, ähnliche Bedingungen wünscht sie sich auch im Garten. Optimal ist ein leicht beschattetes Plätzchen zwischen Stauden wie Funkien oder zwischen Gräsern. Doch auch hier gibt es Ausnahmen. So kommt die rot-orangene „Claude Shride“ auch in der vollen Sonne bestens zurecht und die „Sunny Morning“ ändert je nach Lichtsituation sogar ihre Farbe: Im Halbschatten ist das Gelb dominant, in der Sonne gibt das Rot den Ton an. „An den Boden stellen Lilien keine besonderen Ansprüche, wohl aber an den Pflanzzeitpunkt. Grundsätzlich gilt, dass alle Lilien ausreichend Zeit zum Wurzeln und für ihre Entwicklung brauchen“, betont van der Veek. „Daher rate ich, Lilienzwiebeln so früh wie möglich in den Boden zu bringen. Bei den meisten Arten und Sorten bedeutet das: Ab Januar kann’s losgehen. Bei den Lilium martagon verschiebt sich die Pflanzzeit allerdings wegen der frühen Blüte noch weiter nach vorn: Bereits im Herbst sollten die Zwiebeln idealerweise gesetzt werden.“

Im August, nach der Blüte, ernten die Blumenzwiebelgärtner in den Niederlanden die Zwiebeln der Lilium martagon. Da sie keine schützende Außenhaut besitzen, sind sie sehr empfindlich und trocknen an der Luft schnell aus. Um ihre hohe Qualität zu behalten, müssen sie im Anschluss relativ schnell zurück in die Erde. „Bei vielen Pflanzenfreunden wird das Interesse an den prächtigen Lilien besonders dann geweckt, wenn sie sie in anderen Gärten wachsen sehen. Zur gleichen Zeit entdecken sie zumeist auch, an welchen Stellen in ihrem eignen grünen Reich noch etwas Farbe fehlt“, so der Blumenzwiebel-Experte. „All denjenigen, denen es so geht, möchte ich die Chance geben, sich dann direkt ihre Favoriten auszusuchen und zu sichern.“ flu