Külsheim

Waldkapelle im Külsheimer Schönert August Eiba, genannt „Schnecken-August“, stiftete Glocke vor 50 Jahren

Wohlklingende „Stimme des Himmels“

Seit über 250 Jahren steht die Waldkapelle im Külsheimer Schönert. Vor 50 Jahren am 13. September 1970 wurde daneben ein Holzturm samt Glocke errichtet. Stifter war August Eiba.

Külsheim. In der „Chronik der Stadt Külsheim“ von Alois Spiesberger, hat dieser in den 1880er Jahren Folgendes über die Waldkapelle im Schönert notiert: „Vor zirka 120 Jahren verirrte sich der hiesige Rosenwirt Joseph Schulz im Schönertswalde so sehr, dass er vom Nachmittag und die ganze Nacht hindurch kreuz und quer den Wald durchlief, ohne an eine bekannte Stelle zu kommen, wo er sich zurecht finden könnte. Da machte er nun in seiner Herzensangst das Gelübde, wenn er mit Gottes Hilfe an eine Stelle käme, wo er sich auskennen würde, wo er sei, so wolle er zu Gottes Ehre an jenem Platze eine kleine Kapelle erbauen lassen.

Versprechen eingelöst

Durch Gottes Fügung kam er endlich der alten Bronnbacher Straße so nahe, dass er sich – weil damals die Fläche von der heutigen Kapelle bis an die Straße unbewaldet war – sofort auskannte, gut nach Hause kam und sein Versprechen mit dem Aufbau der Kapelle bald erfüllte. Obwohl diese Kapelle durch die Witterungseinflüsse sehr oft schadhaft wurde, fanden sich aber immer Guttäter, die sie ausbessern ließen.“

Eine solche Renovierung gab es auch 1969. Der damalige Revierforstwart Otmar Geiger schrieb dazu, diese Renovierung sei „so gestaltet, dass die Unterhaltung möglichst einfach ist“. Schließlich seien noch der Weg zur Kapelle und der Platz um diese gerichtet und gelichtet, Bänke angebracht worden. Am Fest zur Einweihung der erneuerten Waldkapelle am 4. Mai 1969 nahmen zirka 1000 Personen teil.

An eine Glocke für die Waldkapelle hatte damals offensichtlich noch niemand gedacht. Das tat jedoch August Eiba. Dieser war im Zuge des Baus der Gebäude der späteren Prinz-Eugen-Kaserne Anfang der 1960er Jahre mit einer Baufirma aus Augsburg nach Külsheim gekommen. Er wurde in der Brunnenstadt heimisch und im Laufe der Zeit als „Schnecken-August“ bekannt, züchtete er doch Schnecken und kaufte solche auf.

August Eiba war überzeugt, dass zu jeder Kapelle eine Glocke gehöre. Also stiftete er solche für die Waldkapelle, indem er der Stadt Külsheim zweckgebunden einen vierstelligen D-Mark-Betrag spendete. Der Stifter hatte sich das Geld quasi vom Munde abgespart.

Stadt zahlte Glockenstuhl

Bei einem Ortstermin zur Besichtigung der Waldkapelle waren sich die Verantwortlichen einig, dass die Glocke im Dachstuhl der Kapelle nicht untergebracht werden könne. Es müsse ein Holzturm in der Nähe des Kirchleins erstellt werden. Die Stadt Külsheim nahm Kontakt zur Glockengießerei Gebrüder Bachert (Bad Friedrichshall) auf und erteilte den „Auftrag für eine Glocke in der Tonhöhe b’’ mit einem Gewicht von 50 kg“. Die Firma übersandte das Muster eines Glockenstuhls mit einer Gesamthöhe von zirka acht Meter ohne Fundament, der aus Holz als Kampanile neben der Kapelle errichtet werden sollte. Der Gemeinderat beschloss die Übernahme der Kosten für den Glockenstuhl durch die Stadt.

Der Guss der Glocke für die Waldkapelle erfolgte am Freitag, 15. Mai 1970, um 15 Uhr. Sie erhielt klein eingeprägt die Inschrift „Gestiftet von August Eiba“, die Jahreszahl 1970 ist im Gießerwappen enthalten.

Am 18. Juni wurde die Glocke mit dem städtischen VW-Bus abgeholt und dann im E-Werk bis zu ihrer feierlichen Weihe zwischengelagert. Diese fand im Rahmen des Großen Markts am Sonntag, 13. September 1970, im Hauptgottesdienst in der katholischen Stadtpfarrkirche St. Martin statt.

Wie die Fränkischen Nachrichten damals berichteten, leitete Dekan Ludwig Mönch (Tauberbischofsheim) seine Ansprache ein mit dem besonderen Dank an Stifter August Eiba. Der Seelsorger betonte, „recht daran getan haben Pfarrgemeinde und Stadt Külsheim, die Weihe der Glocke für die Hubertuskapelle mit dem Großen Markt zusammenzulegen“. Die Ehre Gottes solle diese Glocke künden zum Segen des Volkes. Der Glockenton solle die Stimme des Himmels sein und für die Gläubigen Wegweiser zum Himmel.

Mit Silberhammer angeschlagen

Nach der Weihe ließ Mönch die neue Glocke erstmals mit dem Silberhammer des Dekanats erklingen. Seinem Beispiel folgten Bürgermeister Erhard Junghans und Stadtpfarrer Elmar Landwehr, hieß es in den FN weiter. Einige Tage später fand die geweihte Glocke ihren Platz in dem zwischenzeitlich neben der Waldkapelle erstellten Turm.

In der „Spiesberger-Chronik“ ist gegen Ende des 19. Jahrhundert zu lesen: „Zur Sommerszeit, an Sonn- und Werktagen, machen ältere Personen, besonders Frauen, sehr oft Betgänge zu dieser Waldkapelle. Auch ist sie für jedermann, der ungestört und mit wahrer Andacht beten will, eine sehr willkommene und auch von den umliegenden Orten stark besuchte Betstätte.“ Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Hubert Geiger kümmert sich seit etwa zwei Jahrzehnten um die Waldkapelle und das Gelände drum herum. Er hat diese Aufgabe quasi von seinem Vater Otmar Geiger geerbt und war vor 70 Jahren schon als Kind mit dabei. „Hier ist immer ein bisschen Leben“, freut er sich. Menschen kommen vor allem sonntags und von überall her, manche trinken vor Ort auch mal einen Kaffee. So manche Wallfahrtsgruppe legt auf dem Weg „Zum Heiligen Blut“ in Walldürn von Bronnbach kommend Rast an der Waldkapelle ein.

Der Orkan „Wiebke“ tobte in der Nacht zum 1. März 1990 auch im Schönert im Bereich von Waldkapelle und Glockenturm an der Weggabelung Alte Bronnbacher Straße/Abzweig nach Dörlesberg und zur Ebenmühle. Bäume knickten wie Streichhölzer, alles lag kreuz und quer. Kapelle und Glockenturm jedoch blieben unversehrt. „Ein glücklicher Zufall“, so Hubert Geiger.

Zum Klingen gebracht

Seit fünf Jahrzehnten gehört zum Besuch der Külsheimer Waldkapelle im Schönert für viele auch das intensive Läuten der Glocke. Inzwischen erzählen bereits Großeltern ihren Enkeln, wie sie selbst im Kindesalter die Glocke zum Klingen brachten.

Alois Spiesberger hat in seiner Chronik geschrieben: „Möchten auch in ferneren Zeiten sich Guttäter finden, um diese Kapelle vor Verfall zu sichern. Es wäre dies mein herzlicher Wunsch.“