Külsheim

„Mode Adelmann“ Alteingesessenes Geschäft in der Külsheimer Hauptstraße schließt nach 70 Jahren seine Pforten

Wandel im Handel zwingt zur Aufgabe

Mit Heike Steigners „Mode Adelmann“ in Külsheim schließt in Kürze eines der letzten traditionell inhabergeführten Modefachgeschäfte für Damen- und Herrenmode in der Region.

Külsheim. Heike Steigner unterstreicht: „Meine Kundschaft ist mir immer schon sehr wichtig gewesen“ und sie habe stets Freude an Beratung und Verkauf gehabt. Zur Schließung von „Mode Adelmann“ habe sie sich aus wirtschaftlichen Gründen entschieden.

Maßschneiderei 1950 gegründet

Das Fundament für das Modegeschäft Adelmann“ legte Steigners Vater Berthold Adelmann im Mai 1950 mit der Gründung einer Damen- und Herren-Maßschneiderei in der Külsheimer Hauptstraße. 1954 richtete er mit seiner Frau Maria einen 40 Quadratmeter großen Laden mit einem Schaufenster ein. Von da an wurden fertig konfektionierte Bekleidung, Strumpfwaren und Herrenwäsche verkauft.

Das kleine Geschäft wurde schnell zu eng. Man entschloss sich, auf 80 Quadratmeter zu erweitern. Die Eröffnung des Bekleidungshauses Adelmann mit dem durch Herren- und Kinderbekleidung erweiterten Angebot erfolgte 1960. 1972 wurde es auf die heutige Gesamtgröße von 140 Quadratmeter erweitert. Nun gab es eine komplett neu gestaltete Ladeneinrichtung mit großer Schaufensteranlage.

Nach einem Komplettumbau übernahm Heike Steigner 1990 das Geschäft. Zudem war sie drei Jahrzehnte im Gewerbe- und Verkehrsverein Külsheim aktiv, lange als Beisitzerin im Vorstand, seit 2015 als Kassiererin.

Für die Külsheimerin war in den vergangenen 20 Jahren stets die Zufriedenheit der Kunden ein Herzensanliegen. Im Gespräch mit den „Fränkischen Nachrichten“ betont Heike Steigner: „Wir verkaufen offline“. Im Vordergrund stehen die individuelle Beratung sowie das persönliche Gespräch. Das werde von den Stammkunden aus nah und fern geschätzt.

Jede Saison sei für die Kunden ein ausgewogenes Sortiment der Lieferanten zusammengestellt und dabei auf ein optimales Preis-Leistungsangebot geachtet worden. „Mode Adelmann“ habe seit vielen Jahren mit traditionellen Modefirmen zusammen, die eine ebenso lange Tradition haben wie das Geschäft selbst, erklärt die Külsheimerin.

Weiter unterstreicht sie: „Der Handel ist im Wandel.“ Das Gesicht der Kleinstadt Külsheim habe sich in den vergangenen 30 Jahren gewaltig verändert. Als sie 1990 „Mode Adelmann“ übernommen habe, sei die Zahl der Geschäfte in der Hauptstraße um zirka 20 höher gewesen. Der Einzelhandel im Allgemeinen wie auch in ihrem speziellen Einzelfall stehe vor gewaltigen Herausforderungen und Veränderungen.

Verändertes Einkaufsverhalten

Diese Entwicklung sei bekannt, viel diskutiert und auch zu verhindern versucht worden, weiß Steigner. Ihr sei klar, es sei nicht das Versagen des Einzelhandels, dass sich das Einkaufsverhalten der Käufer derart verändert habe. Das bequeme Einkaufen im Internet nach dem Motto „heute bestellt, morgen geliefert“, werde die Zukunft sein, ist die Geschäftsführerin überzeugt.

Die Geschäftsfrau nennt mehrere Gründe für ihren Entschluss, sich aus der Selbstständigkeit zurückzuziehen. Von den Lieferanten würden immer größere Abnahmemengen gefordert, die Vielfalt sei dadurch eingeschränkt. Gleichzeitig gebe es keine Lagerware, die man kurzfristig nachbestellen könne. Zudem müsse alles ein halbes Jahr im Voraus auf Messen geordert werden.

Das ergebe ein enormes Risiko, da die Mode im ständigen Wechsel sei. Auch biete inzwischen fast jede Modefirma den Kunden durch eigene Webshops ihre Ware direkt an, „der Einzelhandel wird bald überflüssig“.

„Mode Adelmann“ führe ein großes Lager, so Steigner, eine Auswahl an Damen- und Herrenmode in kleinen und großen Größen und Altersgruppen. Das erfordere und binde große Investitionen. Die Ware müsse dann auch schnellstmöglich verkauft werden. Hier passe das Verhältnis nicht mehr. Die Herbst-/Wintersaison sei sehr schlecht verlaufen, weil es zu warm gewesen sei, das Weihnachtsgeschäft ausgeblieben.

Weil sich am Einkaufsverhalten nichts ändere und die Prognosen für die Zukunft eher schlecht seien, wolle sie hohe Investitionen in Renovierung und in Technik für die digitale Zukunft nicht mehr tätigen, bekennt die Geschäftsfrau. Denn die Digitalisierung in den Abläufen im Einzelhandel nehme stark zu, ausgehend von Entscheidungen der Politik.

Kunde entscheidet

Külsheims Bürgermeister Thomas Schreglmann sagt, er sei persönlich von Heike Steigner über ihre Entscheidung informiert worden. Er bedauere die Schließung des Fachgeschäfts, auch als Kunde, zumal Heike Steigner neben der Bekleidung auch den Textilreinigungsservice in Külsheim angeboten habe. Dieses Marktsegment ist damit in der Brunnenstadt künftig nicht mehr abgedeckt. Am Ende, so Schreglmann, entscheide der Kunde aber immer selbst, wo er seine Ware kaufe, im Internet oder beim Fachhändler vor Ort.

Wie Heike Steigner abschließend erklärt, habe die Corona-Krise sie in ihrer Entscheidung bestätigt, sich aus der Selbstständigkeit zurückzuziehen. Nun lasse sie „alles auf mich zukommen“. Nächstes Ziel sei ein guter Räumungsverkauf der Damen- und Herrenmode. Dieser werden unter den gegebenen aktuellen Vorsichtsmaßnahmen am Montag, 25. Mai, beginnen.