Külsheim

Partnerschaft mit Külsheim Dikran Zakeossian ist neuer Bürgermeister vom Moret-Loing-et-Orvanne / Marianne Saval-Bonet vertritt Moret-sur-Loing

Verbindung spielt weiter wichtige Rolle

Archivartikel

In Frankreich wählten die Bürger von Külsheims Partnerstadt Moret-Loing-et-Orvanne Dikran Zakeossian zum neuen Bürgermeister. Delegierte Bürgermeisterin ist nun Marianne Saval-Bonet.

Külsheim/Moret-sur-Loing-et-Orvanne. Die Gemeinde Moret-Loing-et-Orvanne ist 2018 entstanden durch die Fusion der zuvor selbstständigen Kommunen Moret-sur-Loing, Écuelles, Épisy, Veneux-les-Sablons und Montarlot. Der erste Durchgang der Kommunalwahlen war am 15. März, der zweite Wahlgang wurde wegen der Corona-Pandemie auf Beschluss der Regierung vom 22. März auf den 28. Juni verschoben.

In der ersten Runde und bei einer Wahlbeteiligung von 40,69 Prozent holte die konservative Liste um den amtierenden Bürgermeister Didier Limoges 1405 Stimmen (37,17 Prozent), die linke Liste um Dikran Zakeossian 1323 Stimmen (35,0 Prozent) und die linke Liste um Jean-Christophe Paquier 1051 Stimmen (27,81 Prozent). Danach schloss sich die Liste von Jean-Christophe Paquier mit der von Dikran Zakeossian zusammen.

Im zweiten Wahlgang (Wahlbeteiligung: 43,63 Prozent) erhielt die Liste aus dem linken Lager um Zakeossian 2040 Stimmen (50,11 Prozent) und damit neun Stimmen mehr als die konservative Liste um Didier Limoges. Diese bekam 2031 Stimmen (49,88 Prozent). Das Ergebnis der Wahl wurde in den Medien als historisch bezeichnet, hatte doch die nun unterlegene Liste 31 Jahre lang Erfolge verbucht.

Das Kommunalwahlrecht in Frankreich sieht vor, dass die siegreiche Liste mindestens die Hälfte der zu besetzenden Sitze im Gemeinderat erhält. Die weiteren Sitze werden proportional gemäß dem Wähleranteil auf die Kandidaten der Listen verteilt. Somit gewann die Liste von Dikran Zakeossian 27 Sitze, die von Didier Limoges acht Sitze.

Die Tageszeitung „Le Parisien“ beschreibt den neuen Bürgermeister von Moret-Loing-et-Orvanne als Neuling in der Politik. Der 46-jährige Vater von zwei Kindern sei es als linker Kandidat mit seiner stark ökologisch geprägten Bürgerliste gelungen, die Wahl zu gewinnen. Begonnen habe alles „mit einem fast improvisierten Marsch für das Klima“ vor eineinhalb Jahren, an dem sich etwa 600 Menschen in Moret-sur-Loing beteiligt hatten.

Dikran Zakeossian erklärte bereits kurz nach den Wahlen, „ich möchte der Bürgermeister aller Einwohner sein und nicht nur derer, die für mich gestimmt haben“. Er wolle pragmatisch sein und sei auf die Beteiligung der Bürger angewiesen, um einen Teil seines Programms umzusetzen.

Zwei Monate nach seiner Wahl zum Bürgermeister schreibt Dikran Zakeossian den Fränkischen Nachrichten, diese Wahlen seien einzigartig in der Geschichte des Stadtgebiets. Es sei zum ersten Mal in der Größenordnung der neuen Gemeinde Moret-Loing-et-Orvanne als Neugliederung von fünf historischen Gemeinden gewählt worden. Die Wahlen hätten aufgrund der Corona-Pandemie und der Ausgangsbeschränkung in einem schwierigen Kontext stattgefunden. Der Wahlkampf sei nicht einfach gewesen. Er hätte sich eine weniger politische und mehr bürgernahe Kampagne gewünscht.

Der neue Bürgermeister stellte den Willen zur Veränderung heraus, der zu dem Wahlergebnis geführt habe. Er bedauerte die geringe Wahlbeteiligung, die auch auf die Gesundheitskrise zurückzuführen sei. Dies spiegle sich ähnlich im Rest des Landes wider.

Beim Blick auf die Zeit nach seiner Wahl zum Bürgermeister meinte Zakeossian, die Amtsübernahme seines Teams sei aufgrund der vielen Neugewählten und der nicht stattgefundenen Übergabe zwischen den kommunalen Teams in Verbindung mit einem schwierigen politischen Klima komplex gewesen. Als weitere große Herausforderung sei zu berücksichtigen, dass sich im Juli viele Beamte im Urlaub befanden und zugleich einige sehr dringende Fälle zu bewältigen gewesen seien.

Zu seinem Team, so der neue Bürgermeister, gehörten keine Berufspolitiker. Deshalb seien viele nicht an kommunale Abläufe gewohnt. Dies setze Engagement und Nachfragen voraus, um Entscheidungsprozesse zu organisieren. „Wir arbeiten kollegial“, unterstreicht Zakeossian, indem die Arbeit des Rathauses mit der Bevölkerung zusammengebracht werde. Die Bürgerbeteiligung sei Teil der eigenen Kampagnenprinzipien.

Zur Städtepartnerschaft mit Külsheim schreibt Zakeossian, „diese Partnerschaft ist für uns eine Bereicherung“, insbesondere in Zeiten des „Euroskeptizismus“ sowie der sozialen und wirtschaftlichen Krise, die natürlich mit der Corona-Pandemie zusammenhänge. Die Idee, die schon während der Kampagne zum Ausdruck gebracht worden sei, bestehe darin, die Städtepartnerschaft zu erhalten, aber auch weiterzuentwickeln.

Man wolle die Städtepartnerschaft sichtbarer und für alle Bewohner der neuen Gemeinde mit deren heute 13 000 Einwohnern zugänglich machen. In diesem Zusammenhang müsse die Partnerschaft mit Külsheim, einer der ältesten der Gemeinde, eine wichtige Rolle spielen. Er hoffe, bald die deutschen Partner treffen zu können, um weiter eine fruchtbare, gemeinsame Zukunft zu gestalten.

Marianne Saval-Bonet, delegierte Bürgermeisterin von Moret-sur-Loing, schreibt, Brice Gruet (Stadtrat für Vermögensverwaltung und Tourismus) und sie selbst hätten sich zum Thema „Städtepartnerschaft mit Külsheim“ bereits mit Catherine Hericher und Didier Limoges getroffen. Diese beiden sind langjährige treibende Kräfte der Verbindung. Saval-Bonet hebt hervor, „wir wollen die Städtepartnerschaft fortsetzen“, diese einer größeren Zahl von Bürgern zugänglich machen, insbesondere Schüler einladen, daran teilzunehmen. Dazu wolle sie sich gerne mit dem Deutschlehrer der Külsheimer Schule in Verbindung setzen.

Alfred Bauch, stellvertretende Bürgermeister der Stadt Külsheim und seit fünf Jahrzehnten in der Städtepartnerschaft mit Moret aktiv, hat die Schreiben von Bürgermeister Dikran Zakeossian und Bürgermeisterin Marianne Saval-Bonet übersetzt.