Külsheim

Infrastruktur Maßnahmen im Sanierungsgebiet „Stadtkern V“ auf den Weg gebracht / Kosten für die Stadt belaufen sich in acht Jahren auf rund 800 000 Euro

Städtebauliche Missstände beheben

Der Külsheimer Gemeinderat traf in einer mehr als dreistündigen Beratung am Montag mit jeweils großer, zum Teil einstimmiger Mehrheit mehrere richtungsweisende Entscheidungen.

Külsheim. Die öffentliche Sitzung des Külsheimer Gemeinderates am Montag in der Festhalle der Brun-nenstadt war mit fast 30 Bürgerinnen und Bürgern gut besucht.

In Külsheim ist das Sanierungsgebiet „Stadtkern V“ geplant. Bürgermeister Thomas Schreglmann erinnerte, das Sanierungsgebiet „Stadtkern IV“ sei nun ausgelaufen. Trotz 37 Jahre Sanierungsgebiet gebe es weiter erhebliche städtebauliche Missstände. „Wir brauchen dafür ein neues Sanierungsgebiet“, betonte der Bürgermeister und ergänzte „und frisches Geld vom Land“.

Felix Dambach (LBBW Immobilien Kommunalentwicklung GmbH) stellte das integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept vor. Er beleuchtete die besonderen Themenfelder „Planung und Kommunikation“ sowie „Realisierung und Förderung“.

Dambach trennte das Untersuchungsgebiet in einen östlichen und einen westlichen Teil, wobei einheitliche städtebauliche Mängel und Missstände vorherrschten.

Der Fachmann sprach von einer Gesamtgröße des Untersuchungsgebietes von etwa zwei Hektar, die Bereiche seien bereits Bestandteil des „Sanierungsgebietes Stadtkern IV“ gewesen, teilweise auch des Sanierungsgebietes „Stadtkern III“. Zentrale Gebäude des östlichen Teils seien der Kindergarten St. Elisabeth, das Gasthaus „Brunnenputzer“, das ehemalige Café Röser und die Mikwe. Zum westlichen Teil „Boxhagel“ wurden entsprechend „Adelmann Mode“, die Sparkasse und die Parkscheune genannt.

Die 111 Gebäude, so Dambach, wiesen unterschiedliche Qualitäten und Baualter auf, 50 Prozent würden bewohnt, zehn Prozent dienten der öffentlichen Nutzung und Versorgung, 40 Prozent seien mindergenutzte Schuppen und Wirtschaftsgebäude mit dringendem Erneuerungsbedarf. Auffallend sei die hohe Leerstandquote von über 20 Prozent.

Als Missstände bezeichnete der Fachmann die nahezu vollständige Überbauung mitsamt hohem Ver-siegelungsgrad, die Tatsache, dass ein Großteil des Gebäudebestands teils erhebliche funktionale und bauliche Mängel aufweise, vielfach energetischer Sanierungsbedarf bestehe, dass es brachgefallene Gebäudesubstanz und Gebäudeleerstände auch im gewerblichen Bereich gebe. Es bestünden gestalterische Defizite der Straßen- und Platzbereiche, ungeordnete Gemengelagen mit komplizierten Eigentumsverhältnissen, teilweise ungeordnete oder fehlende Parkplätze sowie fehlende Barrierefreiheit.

Als Qualitäten im Untersuchungsgebiet benannte Dambach ortsbildprägende Gebäude und einzelne Denkmale Der Stadtkern sei als Gesamtensemble erhaltenswert und es gebe attraktive, zum Teil be-reits sanierte Aufenthaltsbereiche im Umfeld. Aus den Sanierungszielen ergäben sich die Maßnahmenschwerpunkte des Neuordnungskonzeptes wie Wohnraumschaffung und Gebäudemodernisierungen, Neuordnung unübersichtlicher Gemengelagen, Abbrüche veralteter, mindergenutzter Wirtschaftsgebäude und Schuppen, eine Umnutzung des Kindergartens St. Elisabeth, die Reaktivierung und Nachnutzung von gewerblichen Leerständen, eine Gestaltung kleinerer öffentlicher und privater Freiflächen sowie Maßnahmen zur gestalterischen und funktionalen Aufwertung des Straßenraums.

Dambach listete als voraussichtliche förderfähige Gesamtkosten 2,1 Millionen Euro, die zu beantragende Finanzhilfe liege bei 60 Prozent, also 1,26 Millionen Euro, der Eigenanteil der Stadt Külsheim mithin bei 40 Prozent. Dies bedeute 840 000 Euro und bei einer Laufzeit von acht Jahren jährlich durchschnittlich 105 000 Euro.

Im September 2020 sei ein Vor-Ort-Termin mit dem Regierungspräsidium und dem Wirtschaftsminis-terium vorgesehen, am 1. Oktober 2020 sei Frist für die Antragstellung. Im Frühjahr 2021 gebe es die Entscheidung über die Aufnahme in das Programm, die Durchführung der Sanierung könne 2021 bis 2028 erfolgen. Schreglmann unterstrich die Wichtigkeit für den Stadtkern, wenn es nahtlos weiter gehen könne, und kündigte eine Bürgerbeteiligung im Herbst an. Der Gemeinderat stimmte dem vorgetragenen Entwurf einhellig zu.

Kindertagesstätte

Der Gemeinderat beschäftigte sich mit dem Umbau des Gebäudes „Bürgermeister-Kuhn-Straße 9“ zur Kindertagesstätte, vergab dazu verschiedene Gewerke oder beschloss, entsprechende Ausschreibungen aufzuheben. Der Bürgermeister sprach vorab von „momentan spannenden Zeiten“ wegen Corona und einem Preischaos bei den Ausschreibungen. Heiko Wolpert vom Bauamt ergänzte, der Markt im Handwerksbereich sei nach wie vor überhitzt, die Rücklaufquote bei den Ausschreibungen eher schlecht, das Angebotsniveau meist über den Kostenberechnungen. Zudem hätten diverse Änderungen im Kindergartenbereich in den Gewerken umgesetzt werden müssen, was Kostensteigerungen mit sich gebracht habe.

Die Ratsmitglieder hinterfragten Einzelheiten zu den Gewerken und das Warum von Kostensteigerungen auch im Detail. Wolpert und Architekt Helmut Schattmann erläuterten ausführlich, wenn auch nicht immer zur Zufriedenheit der Fragensteller. In der Debatte war zu hören, dass es Kostensteigerung auch auf Grund der aktuellen Marktsituation gebe, Preise zum Teil nicht nachvollziehbar seien, die geplante Zeitschiene mit Zwangspunkten versehen sei, nun das komplette Erdgeschoss des Gebäudes zur Kindertagesstätte gewandelt werde, man auf die dauerhafte Lösung geschaut habe und zum Teil auch nachgelagerte Arbeiten mit ausgeschrieben worden seien. Auf die Sanierung der Fassade wurde erstmal verzichtet, eingesparte Mittel zur Kompensation der überschreitenden Gewerke eingesetzt.

Der Gemeinderat vergab die Erd-, Beton- und Maurerarbeiten inklusive Abbruch an die Firma Stumpf (Bad Mergentheim) für 65 124 Euro, die Fensterbau- und Sonnenschutzarbeiten an die Firma Ruf (Kleinheubach) für 159 039 Euro, die Bodenbelagsarbeiten an die Firma „Kalinskij Raumausstattung“ (Eubigheim) für 9415 Euro) und die Parkettarbeiten an die Firma Wegert (Lauda-Königshofen) für 13 583 Euro.

Bei der Vergabe der Fliesenarbeiten entscheid sich das Gremium für die Firma Fleck (Tauberbischofsheim) für 19146,74 Euro), bei den Tischlerarbeiten für die Firma Vath (Werbach) für 74 434 Euro, bei den Metallbau- und Schlosserarbeiten für die Firma Kimmelmann (Igersheim) für 3853 Euro und bei den Innen- und Außenputzarbeiten, Maler- und Trockenbauarbeiten für die Firma Zeiner (Gerchsheim) für 75 972 Euro). Hier enthielt sich Michael Adelmann, alle anderen Ab-stimmungen zum Umbau des Gebäudes zur Kindertagesstätte fielen einhellig aus.

Die genannten Auftragssummen sind brutto.

Bei der Vergabe der Spenglerarbeiten und der Vergabe der Garten- und Landschaftsbauarbeiten wur-de die Ausschreibung durch den Gemeinderat aufgehoben. Die Vergaben zu den Gewerken Heizung, Sanitär und Elektro gehen demnächst vonstatten. hpw