Külsheim

Külsheimer Brunnenputzer Bei den beiden Prunksitzungen dem Publikum jeweils gut viereinhalb Stunden lang beste Unterhaltung geboten

Narretei vom Feinsten zelebriert

Archivartikel

Rauschende Feste im Sinne einer sehr unterhaltsamen Saalfastnacht erlebten die Besucher bei den Prunksitzungen der Fastnachtsgesellschaft Külsheimer Brunnenputzer in der Festhalle.

Külsheim. Das gut viereinhalbstündige Programm am Freitag und Samstag war kunterbunt, picke-packevoll gespickt mit traditionellen Gardemärschen und turbulenten Schautänzen, gedankenreichen und spitz vorgetragenen Wortbeiträgen, vor Kraft strotzenden Auftritten beim Männerballett und lustigen Gesängen, alles mit Witz, Humor und vor allem viel Spaß auf die Bühne gebracht.

Zu Beginn zogen die Elferräte der Brunnenputzer mitsamt der Abordnungen aus allen Himmelsrichtungen mit großem Hallo und dröhnenden fastnachtlichen Schlachtrufen in die Halle ein. Im gleißenden Rampenlicht begrüßte Präsident Alexander Difloé, ein stets wortgewandter Lenker des turbulenten Geschehens, die erwartungsfrohe Narrenschar. Die Prinzengarde geleitete Prinzessin Julia I. vom Fügersgrund und Prinz Daniel II. vom königlichen Kannenheim auf die Bühne, wo sich die Hoheiten ihren temporären Untertanen vorstellten.

Bürgermeisterstellvertreter Alfred Bauch, ließ als „Commander“ wissen, „heut bin ich hier, um den Chef zu vertreten, den Schlüssel zu übergeben samt städtischer Knete“. Er konnte seine die Politik persiflierende Vergangenheit nicht verhehlen und reimte Sentenzen wie „die Briten sind raus, die AfD bescheißt weiter, die Insekten sind fort und die Bauern nicht heiter“ oder „draus in der Welt, da ist noch viel Luft nach oben, der Trump und seine Primaten ham alles verschoben“.

Die fünf- bis achtjährigen „Brunnenputzer Minis“ (Trainerinnen: Marie Grein, Annabel Füger, Hanna Zirkelbach, Ramona Zirkelbach) bezauberten bei ihrem Schautanz „Was ich mal werden will“ als Polizistin, Kinderärztin, Zoowärter oder Sängerin. Für coole Sprüche und reichlich Magie sorgten zwei „Külsemer Freggling“ (Oskar Bohnet und Leonard Zeh). Frank und frei erklärten sie, man sammle Follower en masse, denn „desto mehr Follower, desto hübscher die Chicks“. Und weiter mit Blick auf den Elferrat: „Wenn ich zaubern könnt, würd’ der Rentnerclub verschwinden“. Mit der reinen Kraft der Telekinese ließ das Duo Gegenstände verschwinden, besonders eindrucksvoll gelang dies bei Seifenblasen.

Die Kindergarde der Brunnenputzer (Trainerinnen: Mathilda Hamann, Luise Adelmann) eröffnete den Reigen der Gardemärsche mit einer akkuraten, schwungvollen Darbietung. In einer pointierten, politisch durchdrungenen Bütt stellte Manuel Difloé fest: „Es gibt keine neuen Themen, aber auch bei den alten ist es zum Schämen.“ Man hörte vom „Forest Gump von der Insel“ und dass „manche Alternativen lügen in Superlativen“. Zu Klimarettung meinte er: „Es wird nicht langen, nur zu reden und nicht anzufangen.“ Und: „Nach Dürre, Hitze, Wassernot, ein Haufen Bäume sind jetzt tot“ sei die Holzabnahme sichergestellt durch „mehr Papier – jetzt bei jedem Kassier“.

Danach flogen die Fetzen auf eine andere Art. Die Külsheimer Juniorengarde (Trainerinnen: Anna Schander, Julia Füger, Christina Wagner) mischte bei ihrem Gardemarsch schwungvoll Tradition mit Popmusik. Nachdem er den Orden vorgestellt hatte, vereidigte der Präsident alle im Saal auf die Fastnacht. Das Publikum gab danach sein Bestes, eine fröhliche und lustige Narrenschar zu sein. Die Sitzungskapelle „Fun Music“ unterstützte dabei nach besten Kräften.

Das Männerballett der „Heeschter Berchediebe“ illustrierte beim Schautanz „a mans week“. Die harte Männerwoche mit diversen akrobatischen Elementen gipfelte im Abfeiern am Wochenende. Mit temperamentvoll ist der Gardemarsch der Prinzengarde der Külsheimer Brunnenputzer (Trainerinnen: Lara Schubert, Luisa Behringer) bestenfalls annähernd umschrieben. Beim ersten Auftritt in den neuen Kostümen brillierten die Damen mit choreographischem Feingefühl ebenso wie mit Anmut und Dynamik.

Ortsgeschehen

Das „Külsheimer Potpourri 2020“ (Familien Adelmann und Bohnet mit einem Musikantenquartett) widmete sich mit Sketchen und Gesang dem vielfältigen örtlichen Geschehen. Als Ehrengast pries der hiesige MdL leibhaftig die Fastnacht. Er telefonierte live mit einem gewissen Klaus K. aus einer Ortschaft östlich von Külsheim und schloss mit einem bestärkenden „Glückauf“. Das Ortsgeschehen ward über das Wirken der beiden ortsbekannten FN-Presseleute aufgearbeitet und man nahm visuell und hörbar Teil daran, wie bei der „Burgkurzweyl“ ein Löschversuch mit einem Sieb stattfand, „Immels Sabine“ in Stäbchen vermeidender Absicht nach Südkorea ein Besteck mitgenommen hatte und einige Külsheimer sich als Wildpinkler ertappt sahen. In Liedform präzisiert wurden Neuigkeiten wie das Dementi zum „Üxit“, dem vermeintlichen Uissigheimer Brexit.

Musikalische Urgewalt loderte von der Bühne herab, als die „Güssgroaberassler“ aus Steinbach (Lei-tung Michael Schüßler) mit ihrer Guggemusik die Halle genauso wie die Trommelfelle der verzückt Zuhörenden erzittern ließen. Mit den Tücken einer neuen Technik setzte sich „Eine durchgeknallte Alte beim Online Shopping“ (Gabi Gehrig) auseinander.

Sie entlarvte sprachliche Doppeldeutigkeiten in den Tiefen des WWW in trefflich akzentuierender Weise: „Warum im Netz einkaufen, kann doch auch im Stoffbeutel sein“ – „String alt, entfernen . . . ich konn doch do net ohne Ünnerhose sei“. Verwirrend sei auch die Mitteilung auf dem Bildschirm: „Ihre Zeit läuft ab.“ Der durchgeknallten Alten lag das Külsemerisch zur Freude der Zuhörer stets näher als das Englisch der Fachsprache: „Iech finn Shoppen gut, am liebsten im Glas.“ Das Männerballett der Brunnenputzer (Trainerinnen: Gloria Schießer und Salina Keller) überzeugte mit dem Schautanz „Men at work“. Die Mannen ließen ihre Muskeln spielen, große Steine durch die Luft fliegen, sprangen draufgängerisch und tanzten maskulin graziös.

„De Karl und de Karl“ (Andreas Poser und Andreas Leiblein von den „Lustigen Vögel“ Schweinberg) weihten als „Hopfen-Smoothie-Tester“ das Publikum in die Geheimnisse eines weithin bekannten Getränkes ein. Eine eingängige Melodie, vielfach erneuert wiederkehrend, reichte aus, diverse Aspekte rund um den Gerstensaft wie „Zutaten“, „Stammwürze“, „Dringgefese“ („für Alois Gerig ein Stiefel“) oder „See-teschd“ ausdrucksstark zu erläutern. Das Publikum klatschte kräftig mit.

Der abschließende Programmhöhepunkt war der von der Prinzen- und der Juniorengarde (Trainerinnen: Alicia und Lina Betzel, Sophia Pahl) präsentierte Schautanz „A love Story“. Die jungen Damen unternahmen eine fantasievolle Zeitreise durch das Liebesleben zweier nun betagter Menschen. Das getanzte Bilder-Album reichte vom ersten Kuss über Hochzeit und Geburt von Drillingen hin zum beseelt freudigen Rückblick. Der Präsident nannte dies trefflich „eine geile Nummer“.

Da sich das begeisterte Publikum im Laufe des Abends so manche Zugabe „erklatscht“ hatte, fand das Finale auf der Bühne etwas später als ursprünglich geplant statt. Die anschließende, in den Saal übergehende Polonaise leitete über zum gemeinsamen Feiern. Ein fastnachtlicher Fachmann von außerhalb der Külsheimer Stadtmauern meinte zum Schluss: „Eine super Sitzung, vom Feinsten.“