Külsheim

Erinnerung Gedenkfeier für den von den Nationalsozialisten ermordeten Külsheimer Pater Alois Grimm

Mut zum Hinschauen ist Vermächtnis

Der Külsheimer Alois Grimm ist vor 75 Jahren von den Nationalsozialisten hingerichtet worden. Die Erinnerung an ihn ist heute noch wach, wie eine Gedenkfeier am Mittwoch zeigte.

Külsheim. Etwa 80 Bürger waren dabei, als Udo Müller, Rektor der Pater-Alois-Grimm-Schule, an dem für den Pater errichteten Gedenkstein neben der katholischen Pfarrkirche St. Martin dazu aufrief, einem Külsheimer zu gedenken, einem Opfer der Nationalsozialisten. Pater Alois Grimm habe seinen Widerstand mit dem Leben bezahlen müssen, so wie Tausende andere.

Der Rektor zitierte, die Worte, die der Pater zwei Stunden vor seiner Hinrichtung geschrieben hatte (die FN berichteten). Alois Grimm habe sich in seinen Predigten mutig geäußert. Sein Vermächtnis sei, den Mut zum Hinschauen und zum Benennen zu haben. Das sei eine Aufgabe auch in der heutigen Zeit.

Sohn der Stadt

Albrecht J. Schmitt, ein Großneffe von Pater Alois Grimm, sagte, das Datum 11. September habe sich in das Gedächtnis eingegraben durch die Terroranschläge im Jahr 2001. Für Külsheim jedoch habe das Datum eine andere bleibende Bedeutung. Ein Sohn der Stadt sei gestorben, ermordet von den NS-Schergen. Pater Alois Grimm sei für nichts und wieder nichts vor den Volksgerichtshof gekommen, so Schmitt. Und er schreibe die Wahrheit, wenn er berichte, Grimm habe nichts getan, was eine Anklage gerechtfertigt hätte.

Es gebe tiefere Gründe für die Verurteilung von Pater Alois Grimm, betonte der Redner. Denn dieser sei Jesuit und gegen den Nationalsozialismus gewesen. Roland Freisler, der Präsident des Volksgerichtshofs, gelte als Hasser der Jesuiten. Pater Grimm habe seine Abneigung gegenüber dem Nationalsozialismus nicht verhehlt, habe sich mit diesem auseinandergesetzt und auf dessen Widersprüche zum christlichen Weltbild hingewiesen. Nach und nach habe sich die Situation für Grimm zugespitzt. Denn die Nazis schäumten, dass jemand diesen Widerspruch so offenlegte.

Schmitt ging auf die Frage ein, warum es gelte, dies alles im Gedächtnis zu bewahren. Er zitierte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier: „Die Vergangenheit ist nicht abgeschlossen. Im Gegenteil: Je länger dieser Krieg zurückliegt, desto wichtiger wird das Erinnern.“ Der Krieg sei ein Erbe für Generationen, das gelte auch für die Opfer des NS-Regimes.

Viele Zeitzeugen von Pater Alois Grimm seien inzwischen verstorben, erklärte der Redner weiter. Er selbst habe es sich zur Aufgabe gesetzt, die Materialien über Pater Alois Grimm für eine Biografie zu sichten. Auch künftige Generationen könnten stolz sein auf diesen Külsheimer.

Quelle der Kraft

Pfarrer Joachim Seraphin sagte, die Quelle der Kraft liege in der Verbundenheit im Gebet. Er sprach Gebete für Kinder, die nur Gewalt kennen, für Menschen, welche die Hoffnung auf Frieden verloren hätten, für die Heimat und die Gemeinde, denen Pater Alois Grimm sein Zeugnis hinterlassen habe, für die Schule, die den Namen des Märtyrers seit 35 Jahren trage, „für uns selbst, um der Gewalt und dem Bösen zu widerstehen“. Es folgten ein gemeinsames Vaterunser sowie Segensworte des Pfarrers.

Jugendliche der Klassen sieben bis zehn der Pater-Alois-Grimm-Schule legten weiße Rosen am Gedenkstein für den Pater nieder. Bürgermeister Thomas Schreglmann unterstrich abschließend die Wichtigkeit der Erinnerung an Pater Alois Grimm.