Külsheim

Schuhhaus Müller Inhaberin Monika Rösch hat sich nach langwierigen Überlegungen zur Schließung des Geschäfts entschieden

„Müller-Schuster“ war eine Institution

Das alteingesessene Schuhhaus Müller in der Külsheimer Hauptstraße schließt seine Pforten. Monika Rösch hat lange mit sich gerungen, ehe sie sich zu diesem Schritt entschloss.

Külsheim. Das Schuhhaus Müller wurde von Monika Rösch im Mai 1989 von ihren Eltern Anna und Willi Müller übernommen. Diese hatten es 1955 gegründet. Eröffnung war zum Külsheimer Großen Markt.

Die Tradition von Schuhmachern in der Familie an jeweils gleicher Stelle indes reicht wesentlich weiter zurück. Der 1821 geborene Johann Müller, Ururgroßvater der heutigen Inhaberin, hat das Handwerk wohl schon ab den 1840er Jahren in der Brunnenstadt ausgeübt.

Von Monika Röschs Opa Wilhelm Müller ist der Meisterbrief vorhanden. Auch Willi Müller war Schuhmachermeister. Schon bei der Geschäftsgründung gab es ein Schaufenster und beleuchtete Außenwerbung. Das Geschäft wurde in den vergangenen 64 Jahren mehrmals umgebaut und modernisiert.

So waren die Geschäftsleute als eine der Ersten bei der Külsheimer Stadtsanierung dabei. Im August 1984 wurde das alte Geschäftshaus abgerissen, und ein neues gebaut, 2001 der Schuhladen nochmals umgestaltet.

Monika Rösch ist mit dem Geschäft groß geworden. Es war ihr quasi in die Wiege gelegt, den Beruf der Einzelhandelskauffrau zu lernen. Auch nach der Übergabe des Geschäfts an ihre Tochter halfen Willi und Anna Müller weiter mit.

Monika Rösch erzählt lebhaft, „ich lebe für mein Geschäft, ich bin mit Leib und Seele dabei“. Das Dekorieren mache ihr Spaß ebenso wie das Vorbereiten auf neue Kollektionen. Sie fahre gerne auf Schuhmessen und Ordertage, zunächst in Frankfurt, dann in Nürnberg und in Sindelfingen. „Das Geschäft ist für mich Beruf und Hobby“, betont Monika Rösch.

Somit ist nachvollziehbar, dass ihr die Schließung des „Schuhhauses Müller“ nicht leicht fällt. Die Entscheidung sei ein langer Prozess gewesen, erzählt sie im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten. Schon vor einiger Zeit sei die Rentabilität zur Diskussion gestanden. Sie jedoch habe gedacht, „das kann ich nicht machen, ich habe das Geschäft erst 25 Jahre“. Zudem wollte sie die treue Kundschaft, die zum Teil über Generationen hinweg komme, nicht enttäuschen. „Und mein Herzblut hängt voll im Geschäft“.

Doch wie in anderen Bereichen auch, kaufen potenzielle Kunden inzwischen verstärkt im Internet ein. Die Leute sähen ihr heutiges Einkaufserlebnis auch eher in größeren Städten und in Einkaufszentren, so Rösch. Alles in allem gelte: „Wenn die Kundschaft wegbricht, dann auch der Umsatz.“

Eine Veränderung habe es auch bei den Vorgaben der Schuhfirmen gegeben, so Rösch. Sie nannte beispielhaft die Abnahme einer Mindestpaarzahl, was wiederum die Individualität beeinträchtige. Sie konnte deshalb nicht mehr so persönlich wie bislang auf Kundenwünsche eingehen. Gleichzeitig wollte die modisch aktuell sein, was jedoch aufgrund der Vorgaben der Firmen nicht im gewünschten Umfang möglich gewesen sei. Der Wandel der Zeit sei da, so die Geschäftsfrau. Dm könne man sich nicht widersetzen.

Bei Aktionen habe es viel zu tun gegeben, aber an zu vielen Tagen sei zu wenig los gewesen. Ihre Kinder haben andere Berufswünsche, sagt Rösch, „sie sollen sich selber entfalten, sollen ihr Leben leben“.

Nachdem die Entscheidung zur Schließung des Schuhhauses gefallen sei, lasse sie nun alles auf sich zukommen. Das Nahziel sei ein ordentlicher Räumungsverkauf ab dem 5. September. Sonst habe sie noch keine genaue Vorstellung, wie es weitergehe. Monika Rösch sagt selbstbewusst: „Ich bin jetzt noch jung genug, etwas Neues zu starten.“

Die Inhaberin des „Schuhhauses Müller“ war über zwei Jahrzehnte im Vorstand des Gewerbe- und Verkehrsvereins Külsheim aktiv, momentan als stellvertretende Vorsitzende.

Vorsitzender Hubert Seitz unterstreicht, der Verein bedauere die Schließung des Schuhhauses sehr. Er könne angesichts der ihm bekannten Zahlen durchaus verstehen, dass dieser Schritt aus wirtschaftlichen Gründen erfolge, werde inzwischen doch überwiegend im Internet gekauft. Die Schließung sei auch für die Stadt beklagenswert.

Ähnlich äußerte sich Külsheims Bürgermeister Thomas Schreglmann: „Ich bin bereits vor einigen Tagen persönlich von Frau Rösch über die Schließung ihres Fachgeschäfts informiert worden. Ich bedauere die Schließung des Schuhgeschäfts sehr, insbesondere auch als Kunde. Wir verlieren mit dem „Müller-Schuster“ eine Külsheimer Institution, die sowohl bei Einheimischen als auch bei Gästen sehr beliebt war. Am Ende entscheidet aber immer der Kunde selbst, ob er seine Ware im Internet bestellt oder beim Fachhändler vor Ort kauft. Letztendlich haben leider die steigenden Anforderungen aus der Schuhindustrie verbunden mit den rückläufigen Umsätzen zur Schließung dieses schönen Schuhgeschäftes geführt.“