Külsheim

Waldbegehung des Gemeinderats Forstdirektorin Dagmar Wulfes zeigte sich dankbar für den Weitblick der ehemals Verantwortlichen

Keine Gewinnwarnung für Külsheimer Forst

Der Külsheimer Gemeinderat war am Montag mit den für den städtischen Forst Verantwortlichen im Wald unterwegs. Dabei erhielten die Mandatsträger einen Einblick in dessen momentanen Zustand.

Külsheim. Mit den Räten unterwegs waren Forstdirektorin Dagmar Wulfes vom Landratsamt Main-Tauber-Kreis und Franz Joseph Hummel vom Forstamt sowie die beiden Förster Mathias Mattmüller (Revierleiter 4-Külsheim-West) und Hans-Peter Weber (Revierleiter 5-Külsheim-Ost). Bürgermeister Thomas Schreglmann erläuterte, man schaue sich den Külsheimer Stadtwald auf diese Weise alle zwei Jahre an. Die Förster machten sich jeweils vorab Gedanken, welche Stellen des insgesamt 1600 Hektar großen Gebiets besichtigt werden sollen.

Die Großgruppe machte bei der Begehung zwei Mal Station im Hundheimer Bergwald und ein Mal im Steinbacher Wald.

Ertragreiche Ausnahmestellung

Amtsleiterin Dagmar Wulfes erläuterte anhand einer großen Fläche Douglasien-Bestand, dass man hier von der europaweiten Katastrophe verschont geblieben sei. Es gebe eine ertragreiche Ausnahmestellung mit Baumarten, die auch verkäuflich seien. Für den Külsheimer Stadtwald sei keine Gewinnwarnung auszusprechen.

Mathias Mattmüller bezeichnete diesen Bestand als etwa 55 Jahre alt. Auf riesigen Hangflächen seien 180 Festmeter pro Hektar herausgeholt worden. Dies sei ein sehr starker Eingriff, aber kein Kahlschlag. Auf diesem Südhang auf Buntsandstein seien solch starken Eingriffe möglich. Die Forstleute erklärten die genaue Vorgehensweise im Douglasien-Hang auch mit Blick auf eine Ernte in Jahrzehnten.

Wulfes betonte, frühere Verantwortliche hätten eine Vision gehabt, „wir sind heute dankbar dafür“. Mattmüller meinte, keiner könne sagen, welcher Baum der Zukunftsbaum sei, „wir fahren vielfältig“. In der Summe sei ein bewirtschafteter Wald ökologisch sinnvoll.

Auf dem Weg zum nächsten Halt konnte ein Waldrefugium, eine stillgelegte Fläche, begutachtet werden. Danach stand die Eiche im Vordergrund. Auf einem Waldstück soll im Winter durchforstet werden, so Mattmüller, wobei mit Fingerspitzengefühl Aspekte wie etwa „Licht machen für junge Eichen“ beachtet werden. Es gebe gute und gesunde Bestände, kaum Beschädigungen, derzeit keine Verluste durch Trockenheit. Man müsse sich vorstellen können, wie es hier in vielen Jahren aussehen soll.

Wulfes sprach den vorhandenen Reichtum an, auch mit dem Blick 30 oder 40 Jahre voraus: „Wir wollen in Zukunft Eiche haben. Wir geben diesen Bäumen Licht.“ Einen halben Hektar kahl schlagen, um Eichen Naturverjüngung zu ermöglichen, bedeute ein gewisses Risiko. Jedoch werde es funktionieren, betonte die Amtsleiterin überzeugt. Solche Entscheidungen hätten Förstergenerationen zuvor auch getroffen.

Der dritte Halt führte in ein „Katastrophengebiet“, wie es Wulfes ausdrückte. Hier sei Käferbefall fest-gestellt worden: „Das Normale nach einem Trockenjahr.“ Der Waldbereich werde im Blick behalten und jede Woche durchgeschaut. Denn Förster und andere Mitarbeiter seien mit offenen Augen unterwegs. Die befallenen Bäume seien entfernt worden, ansonsten hätte sich der Käferbefall mit dem „Faktor 20“ fortgesetzt.

Mit Vielfalt zufrieden

Der Wald reguliere sich selbst, so Wulfes, „wir sind zufrieden mit der Vielfalt“. Solch kostenlose Natur-verjüngung sei zu wünschen so wie die „Einheit von Wild und Wald“. Die Verjüngung an dem von Käferbefall betroffenen Bereich sei von alleine erfolgt. Es gebe sieben Baumarten, bemerkte Mattmüller, ein naturnaher Forst sei zu sehen. Der Förster betonte, der Wald solle nicht auf den Momentanbedarf der Holzindustrie umgestellt werden, man wolle „mit Augenmaß“ arbeiten.

Die Forstdirektorin kennzeichnete das Anliegen der Forstleute mit „so vielfältig wie möglich, so ertrag-reich wie möglich“.

Zum Abschluss der Waldbegehung gab es mitten im Wald starken Beifall des Gemeinderates für die im Wald Verantwortlichen und Tätigen. Auf der Rückfahrt war ein Blick auf ein Feuchtbiotop möglich, welchem man sich zuletzt gewidmet hatte.