Külsheim

Weberei Pahl Mit Neustrukturierung und Gründung des Unternehmensverbunds txGroup gut für die Herausforderungen der Globalisierung gerüstet

Ganz Europa von Külsheim aus erschließen

Archivartikel

Von Külsheim aus Europa erschließen: Für mit der Globalisierung verbundene Herausforderungen sieht man sich bei der Weberei Pahl durch die Gründung eines Firmenverbunds gut gerüstet.

Külsheim. „Wir leben in einer spannenden Zeit“, sind sich der Geschäftsführer der Weberei Pahl, Dr. Thomas Lippert, und Bürgermeister Thomas Schreglmann einig. Der Standort Külsheim könne für Vorhaben die „ideale Grundlage“ bilden, „wenn man nicht festbetoniert ist in alten Strukturen“. Mit der zunehmenden und schnell voranschreitenden Digitalisierung seien für Unternehmen und Kommunen neue Chancen, aber auch Schwierigkeiten verbunden.

Gesundes Wachstum

Auf diese Herausforderungen hat man bei der Weberei Pahl reagiert und die Firma in den vergangenen zwei Jahren neu strukturiert. Schließlich soll das Traditionsunternehmen auch künftig auf festen Füßen stehen und in einem gesunden Rahmen wachsen. Das Ziel ist dabei, die verkaufsorientierten Kundenprozesse weiter zu optimieren.

Die wachsenden Anforderungen könne man nur in Netzwerken gemeinsam mit zuverlässigen Teampartnern lösen, betont Lippert. Dabei hebt er im Verlauf des Pressegesprächs besonders die wichtige Zusammenarbeit mit der Stadt Külsheim, externen Beratern, regionalen Vertretern von Gewerbe, Handel, Industrie und Kreditinstituten sowie die in hohem Maße sich mit der Firma identifizierenden Mitarbeiter hervor. Es sei wichtig „Netzwerke in der Region zu bauen, damit wir Arbeitsplätze sichern“. Denn: „Es ist das Team, das etwas bewegt, damit wir hier etwas bewegen können.“

Am Ende des Umstrukturierungsprozesses steht der Unternehmensverbund txGroup, unter dessen Dach verschiedene Gesellschaften agieren (siehe Infobox). Zu diesen gehört seit einigen Monaten auch die Weberei Pahl mit ihren 55 Beschäftigten. Vor zwei Jahren waren es rund 40 Mitarbeiter.

Bei der Weberei wurde in den vergangenen 24 Monaten vieles auf den Prüfstand gestellt, blickt Lippert zurück. Denn es gab verschiedene Schwierigkeiten. Zu diesen zählten die aufgrund der politischen Umwälzungen zunehmenden Probleme am Produktionsstandort in der Türkei (die FN berichteten).

Mittlerweile sei sein Geschäftspartner mit seiner Klage gegen den türkischen Staat erfolgreich gewesen. Ein Gericht habe vor zirka vier Wochen verfügt, dass die Polizei dessen eingezogenen Pass innerhalb von vier Wochen zurückgeben muss. Darauf warte man aber immer noch.

Die Entwicklungen in der Türkei seien aber nur ein Baustein gewesen, „weshalb wir uns neu aufstellen mussten“. Es sei darum gegangen: „Was will der Markt, was braucht er und wie kann man das bedienen?“ Die Suche nach Antworten auf diese Fragen verband man mit dem eindeutigen Bekenntnis zum Standort Külsheim und mit dessen weiterer Stärkung.

Dort sollen künftig alle Fäden des operativen Geschäfts zusammenlaufen. „Weil der Standort insgesamt für Europa gut ist, und weil wir hier gemeinsam konstruktive Wege gehen. Das konstruktive Umfeld, das Külsheim bietet, ist einzigartig“, bringt es Lippert auf den Punkt, der sich künftig in der Funktion des „Impulsgebers“ sieht.

Zur Schaffung der neuen Struktur sind nach den Worten des Geschäftsführers in den vergangenen beiden Jahren insgesamt rund acht bis zehn Millionen Euro investiert worden. Geflossen ist das Geld vor allem in das Logistik- und Verwaltungszentrum in Külsheim, die Digitalisierung und Automatisierung von verkaufsorientierten Kundenprozessen sowie in die Produktionsstätten in Ägypten und in der Türkei. Was Letztere angehe, so Lippert, gebe es sogar Gespräche mit hiesigen Firmen, um dort für diese Maschinenteile herstellen zu lassen.

„Ich spiele gerne regional, ich punkte gerne international“, verdeutlich der Geschäftsmann das Ziel, durch das Zusammenwirken in der Unternehmensgruppe dem Kunden europaweit auf ihn speziell abgestimmte Komplettlösungen anbieten zu können. Dabei werde dieser in den Produktionsprozess mit einbezogen. „Verfügt man über einen Glasfaserkabelanschluss, ist es ganz egal, wo man sitzt“, ist Lippert überzeugt: „Wir bieten eine hervorragende Plattform, um Transparenz und Verlässlichkeit zu schaffen“. Dazu komme eine moderne Technologie. So entwickele man inzwischen eigene Designs und arbeite an einer eigenen Chat-Funktion. Das werde einer deutschen Firma eher zugetraut als einer Produktionsstätte in Ägypten oder der Türkei, spricht er angesichts der politischen Lage in diesen Ländern offene Worte.

Ebenso verschweigt er nicht, dass er bei der Umstrukturierung manchmal wohl zu schnell agiert und die Mitarbeiter „auch überfordert“ habe. „Man muss die Leute mitnehmen“, ist ihm bewusst. Das bestätigt auch Friedrich Morawietz. Der Geschäftsführer der Külsheimer Firma FM Consulting ist einer der externen Berater der Weberei Pahl. Sei man früher mehrere tausend Kilometer im Jahr im Auto von Kunde zu Kunde gefahren, erstelle der Mitarbeiter nun in den Projekträumen am Standort Kundenkonzepte, verdeutlicht er die veränderten Produktionsabläufe.

Nun sieht Lippert die Firmengruppe für die Zukunft gut gerüstet. Mit Unterstützung „unserer Supporter am Spielfeldrand“ habe man es in die erste Liga geschafft. Um dort bleiben zu können, sei es nötig, bei den wichtigsten Global-Playern gelistet zu sein.

„Wir liegen mitten in Europa mit kurzen Wegen überall hin“, sieht Bürgermeister Schreglmann eine wichtige Bedingung dafür erfüllt. Man könne auch in einer relativ ländlichen Region sitzen und ein global tätiges Unternehmen steuern. Deshalb sei er froh, dass Thomas Lippert mit seiner Firmengruppe nachhaltig in Külsheim wirken werde. „Das ist auch die Chance für unseren ländlichen Raum.“