Külsheim

Impfen gegen Corona In Senioreneinrichtung „Haus St. Anna“ erhielten 31 Bewohner und 22 Mitarbeiter jeweils die erste Dosis

Freude über Beginn der Aktion ist groß

Archivartikel

Die Corona-Impfungen in Pflegeheimen gehen voran. In der vollstationären Senioreneinrichtung „Haus St. Anna“ in Külsheim erhielten nun 31 Bewohner und 22 Mitarbeiter die erste Dosis.

Külsheim.In Baden-Württemberg sind im ganzen Land Impfzentren geschaffen worden, um möglichst schnell viele Menschen gegen das Corona-Virus impfen zu können. Die Impfung wird dringend empfohlen, eine Impfpflicht besteht allerdings nicht. Priorisiert geimpft werden Bürger, die ein besonders hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf oder ein besonders hohes berufliches Risiko haben, sich oder Schutzbedürftige anzustecken. Einen solchen Personenkreis gibt es im „Haus St. Anna“ in Külsheim.

Das zentrale Impfzentrum in Rot am See ist seit dem 27. Dezember in Betrieb und neben den Landkreises Heilbronn, Hohenlohe und Schwäbisch Hall für den Main-Tauber-Kreis zuständig. Kai Sprung fungiert in Rot am See als Koordinator der mobilen Impfteams, von denen es derzeit drei gibt und deren Anzahl auf fünf erweitert wird. Von Rot am See aus werden mobile Impfteams in die vier Landkreise gesendet. Sprung sprach im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten allgemein von einer „reibungslosen, schnellen Abwicklung“. Geachtet werde darauf, dass die Impfungen gleichmäßig über die vier genannten Landkreise verteilt werden.

Die Impfungen werden vor Ort jeweils von Ärzten vorgenommen, die als Impfarzt registriert sind. „Die Hilfsbereitschaft der Ärzte ist enorm“, freute sich Sprung.

Praxis Dr. Dietz mit im Boot

Zu den Impfärzten zählt auch der Külsheimer Mediziner Dr. Volker Dietz. Wie er erklärte, habe die Kassenärztliche Vereinigung ihn gefragt, ob er sich mit seiner Hausarztpraxis eine Mitarbeit vorstellen könne. Er habe sich dazu voller Überzeugung sofort bereiterklärt.

Einen kurzen Einblick in den organisatorischen Ablauf der Impfaktion gab am Dienstag Kai Sprung. So melde das Pflegeheim die Impfwilligen und fülle die Datenerhebungsbögen aus. Für die Impfung selbst werden Laufzettel erstell. Seien diese Vorbereitungen erledigt, werde ein Impftermin vereinbart. Denn es gelte, keine Zeit zu verlieren.

Die Verantwortlichen des „Hauses St. Anna“ erhielten am Sonntag die Mitteilung, dass die Impfungen in der Senioreneinrichtung am Dienstagnachmittag stattfinden können. Am Montag erfolgten durch die Praxis Dr. Dietz vor Ort Aufklärungsgespräche mit den Impfwilligen der Einrichtung. Der Mitarbeiterstab wurde gemeinsam unterrichtet, die Bewohner einzeln. Dr. Volker Dietz meinte, eine solche Aufklärung durch den eigenen Hausarzt helfe dabei, für den Schritt zur Impfung Vertrauen aufzubauen.

Der für die Aktion im Main-Tauber-Kreis verwendete Impfstoff des Herstellers Biontech/Pfizer lagert im zentralen Impfzentrum in Rot am See in einem Gefrierfach bei minus 72 Grad Celsius, erklärte Sprung. Nach der Umlagerung vom Gefrierfach in eine Kühlbox sei das Serum sechs Tage haltbar. Bislang (Stand Montag) habe man bereits mehr als 1600 Menschen geimpft. Sprung: „Der Impfstoff wird gut vertragen“, es sei nichts Ungewöhnliches passiert.

Unterstützt werden die mobilen Impfteams von geschultem Personal des Roten Kreuzes. Aus Rot am See in Külsheim im Einsatz waren am Dienstag Carina Großeibl, welche den Impfstoff vorbereitet und die Spritzen aufzieht, sowie Laura und Lena Rösch, die für die Dokumentation zuständig sind.

Jennifer Heilmann, Einrichtungs- und Pflegedienstleitung im „Haus St. Anna“, sagte, die Aktion finde einen guten Zuspruch. Die Impfbereitschaft der Bewohner liege bei 85 Prozent. Zahlreiche Bewohner freuten sich sehr, dass es losgehen könne. In den vergangenen Wochen sei viel darüber gesprochen worden, Angst vor der Impfung habe niemand. Die Praxis Dr. Dietz stehe dem „Haus St. Anna“ seit Beginn der Pandemie immer unterstützend zur Seite.

Die Mitarbeiter zeigten sich erleichtert über die frühe Impfmöglichkeit, so Heilmann, und hoffen mit diesem Schritt auf eine Trendwende bei der Pandemie.

Zuerst wurden am Dienstagnachmittag von Dr. Maren Dietz die Mitarbeiter des Hauses geimpft, danach die Bewohner. Die Impfwilligen kamen dazu einzeln und nacheinander in einen separaten Raum. Das mobile Impfteam dokumentierte unter anderem individuell, ob die Spritze in den linken oder in den rechten Arm injiziert wurde. Alle blieben nach der Impfung unter Beobachtung des Pflegepersonals. Für eventuelle Notfälle hatte das mobile Impfteam eine entsprechende Ausrüstung dabei. Am Abend bestätigte Heilmann, die Impfungen seien allesamt reibungslos und ohne Auffälligkeiten verlaufen.

Personen nach Vollendung des 80. Lebensjahrs haben mit höchster Priorität Anspruch auf eine Corona-Schutzimpfung. Weil Hausärzte noch keine Möglichkeit haben, in den Praxen gegen Corona zu impfen, muss diese Zielgruppe sich selbst um einen Termin kümmern oder durch Angehörige oder Bekannte vermitteln lassen.

Anmeldung möglich

Anmeldungen zu einer Impfung sind derzeit möglich unter Telefon 116117 sowie online unter www.116117.de oder www.impfterminservice.de. Wer einen Termin über eine zentrale Anmeldeplattform vereinbaren möchte, muss eine E-Mail-Adresse besitzen oder die Möglichkeit haben, eine SMS zu empfangen.

Ab dem 15. Januar sollen die rund 50 Kreisimpfzentren ihre Arbeit aufnehmen. Im Main-Tauber-Kreis wird dieses in Bad Mergentheim eingerichtet. Mittelfristig soll die Impfung auch in Arztpraxen erfolgen können.

Markus Moll, Pressereferent im Landratsamt des Main-Tauber-Kreises, verweist auf den vom Landkreis zum Thema Coronavirus unter www.main-tauber-kreis.de/Landratsamt/Themen-und-Projekte/Coronavirus bereitgestellten Frage-Antwort-Katalog. Er unterstreicht, dass es keine Möglichkeit gebe, beim Gesundheitsamt des Main-Tauber-Kreises einen Impftermin zu vereinbaren. Sobald solche mit dem entstehenden Corona-Kreisimpfzentrum des Main-Tauber-Kreises in Bad Mergentheim festgelegt werden können, werde es eine entsprechende Pressemitteilung des Landratsamts geben. Diese finde sich dann auch auf der Webseite des Landkreises.

Dr. Volker Dietz meint, derzeit überschlügen sich die Informationen. Deshalb sei es sinnvoll, die Nachrichten in den Medien zu verfolgen, auch mit dem Blick darauf, wann die nächste Kategorie von Impfwilligen an der Reihe sein werde.