Külsheim

Städtepartnerschaft Auch die Freunde der Külsheimer leiden in Moret unter den Auswirkungen der Pandemie / Treffen im Juni fällt aus

Franzosen lieben trotz Corona den Wochenmarkt

Archivartikel

Die Corona-Pandemie macht Reisen unmöglich. Somit dürfen die Külsheimer ihre französische Partnerstadt nicht besuchen. Die FN fragten nach, wie die Menschen dort mit dem Virus leben.

Külsheim/Moret-sur-Loing. Die Städtepartnerschaft zwischen Moret und Külsheim besteht offiziell seit 1972. Seitdem haben die Bürger beider Kommunen zahlreiche Freundschaften miteinander geschlossen.

Mitte März wurde von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eine landesweite, partielle Ausgangssperre angeordnet. Wer sich außerhalb seiner Wohnung bewegt, muss die Notwendigkeit nachweisen, entweder durch eine vom Arbeitgeber ausgestellten Bescheinigung oder durch eine „Erklärung auf Ehre“, die knapp unter einer eidesstattlichen Versicherung einzuordnen ist.

Straßen sind leer gefegt

Deshalb ruht Moret. Die Straßen sind tagsüber und abends leer. Wie Didier Limoges, Bürgermeister von Moret-Loing-et-Orvanne und seit fünf Jahrzehnten bei der Städtepartnerschaft sehr aktiv, berichtet, seien Schulen, Restaurants, Bars geschlossen. Es sei auch verboten, im Wald und an den Ufern des Loing und des Kanals spazieren zu gehen. Gärten und Häuser würden derzeit besonders gepflegt. Einkaufen könne man in den Lebensmittelgeschäften, beim Bäcker, Schweinefleischmetzger, Metzger, Käsemacher und natürlich in den Apotheken. Die Hauptstraße, normalweise von Einheimischen und Touristen vor allem am Wochenende sehr belebt, sei meist wie leer gefegt.

Elisabeth Petit aus Moret, Mit-Organisatorin des Städteaustauschs, erzählte: „Ich gehe nur einmal pro Woche einkaufen, mit Maske und Handschuhen.“ Wie auch ihr Mann Jean-François sehe sie momentan weder Kinder noch Enkelkinder. Dieses der Situation geschuldete Entsagen treffe die Jüngeren in gleicher Weise.

Nach Aussage des Bürgermeisters gibt es keine offiziellen Angaben über die Anzahl der Menschen, die in der Stadt von der Virus-Erkrankung betroffen waren oder sind. Dabei handele es sich um vertrauliche medizinische Informationen. In den drei Wohnheimen, die es in der Gemeinde für ältere Menschen mit insgesamt etwa 200 Betten gibt, gab es etwa zehn Todesfälle im Zusammenhang mit Corona. Schätzungsweise seien 40 bis 50 Bewohner und etwa 20 Pflegekräfte infiziert gewesen. Daneben kenne er nur eine sehr begrenzte Anzahl von Menschen in Moret, die ins Krankenhaus gebracht werden mussten: „Weniger als fünf.“ Alle konnten inzwischen die Klinik wieder verlassen.

Nachdem der Präsident die Beschränkungen erlassen hatte, appellierte Bürgermeister Limoges an die Solidarität der Einwohner und rief Freiwillige dazu auf, ältere Menschen oder solche mit eingeschränkter Mobilität zu unterstützen. Bereits ab der ersten Woche waren über 40 Freiwillige zur Mitarbeit bereit. Zunächst handelte es sich hauptsächlich um gewählte Beamte und Mitarbeiter von Verbänden. Schnell jedoch habe es Unterstützung von Menschen aus allen Bereichen des Lebens gegeben, freut sich der Rathauschef.

Die Kontaktaufnahme der Ehrenamtlichen zu hilfebedürftigen Menschen erfolgt relativ einfach. Alles wird von zwei Verwaltungsmitarbeitern, die für Soziales zuständig sind, koordiniert. Sie informieren die Helfer, wenn sich jemand mit einem Anliegen telefonisch im Rathaus gemeldet hat. Wie der Bürgermeister betont, werde einem Anfragenden möglichst immer derselbe Helfer zugewiesen. Insgesamt sei festzustellen, dass die Menschen in der Krise „vereint seien“. Limoges: „Es ist beruhigend.“

Beamte kontrollieren

Auf Antrag des Bürgermeisters wurde von der zuständigen Behörde als Ausnahme genehmigt, dass in Moret-Loing-et-Orvanne aus Gründen der lokalen Versorgung wöchentlich zwei Märkte stattfinden können. In Moret selbst gibt es nun einen solchen Wochenmarkt jeweils dienstags von 8 bis 12 Uhr. Die Richtlinien zum Gesundheitsschutz müssen dabei beachtet werden. Zwei gewählte Beamte sind anwesend, um die ordnungsgemäße Einhaltung der Sicherheits- und Entfernungsregeln sicherzustellen. Die Moretaner ziehen den Einkauf auf dem Wochenmarkt jenem im Supermarkt meist vor. Dabei decken sie sich mit Obst, Gemüse und Fisch ein.

Die Verwaltung kümmert sich um die Verteilung bereitgestellter Mund-Nase-Masken, gibt diese an Betreuer, Apotheken, Seniorenheime, Haushaltshilfedienste, Händler, Müllwerker und an die Polizei weiter.

Irgendwelche Veranstaltungen finden in Moret derzeit nicht statt. Die erste Runde der französischen Kommunalwahlen erfolgte Mitte März und erbrachte für Moret-Loing-et-Orvanne kein klares Ergebnis. Für die zweite Runde steht wegen der momentanen Situation noch kein Datum fest.

Anfang Mai hat die französische Regierung beschlossen, im Land den Gesundheitsnotstand bis zum 24. Juli zu verlängern. Am 11. Mai sollen die über Wochen andauernden Einschränkungen etwas gelockert werden. Geschäfte wie Friseure, Schönheitssalons oder Fotografen können wieder öffnen, jedoch keine Restaurants oder Bars und Handwerker wie etwa Maurer, Klempner oder Elektriker.

Wie Bürgermeister Limoges berichtet, werde daran gearbeitet, dass die Schulen am 11. Mai wieder geöffnet werden können. Allerdings glaube er nicht, dass dies klappe. Er vermute, dass die Öffnung der Schulen auf Anfang Juni verschoben wird, wenn sich die Situation weiter verbessert hat.

Der Külsheimer Alfred Bauch, der im Austausch mit den Verantwortlichen von Moret steht, weist darauf hin, dass das am dritten Juni-Wochenende in Külsheim geplante Partnerschaftstreffen wegen Corona ausfallen muss. Die Empfehlung aus der Brunnenstadt lautet, das Ganze auf 2021 zu verschieben. Denn man wolle freudig feiern und sich ohne Angst umarmen können.

Auch Külsheims Bürgermeister Thomas Schreglmann bedauert, dass das Partnerschaftstreffen nicht stattfinden kann. Er betont: „Wir freuen uns alle auf unser Treffen im kommenden Jahr.“