Külsheim

Gebäudeumbau zur Kindertagesstätte Kosten für Gewerke waren zu gering kalkuliert / Gemeinderäte rügen Vorgehensweise

„Desaströse“ Kostenexplosion ist Schock

Archivartikel

In der Sitzung des Külsheimer Gemeinderats ging es um einige Aufträge zum Umbau des Gebäudes Bgm.-Kuhn-Straße 9 zur Kindertagesstätte. Dabei gab es deutliche Kritik am Architekturbüro.

Külsheim. Es laufe, „aber nicht so, wie wir es gedacht haben“, stellte Bürgermeister Thomas Schreglmann beim Blick auf die laufende Umbaumaßnahme eingangs fest. Heiko Wolpert vom Bauamt ergänzte, die zwei Gewerke Elektroarbeiten sowie die Heizungs-, Lüftungs- und Sanitärarbeiten würden vergeben, damit die Maßnahme nach dem Bauzeitenplan umgesetzt werden könne.

Im Wesentlichen seien die kompletten Installationsarbeiten, Elektro-Unterverteilung, Brandschutzabschottungen, LED-Beleuchtung, Funk-Raumwarnmelder und Außenjalousiesteuerung ausgeschrieben. Günstigster Bieter sei die Firma Schweikert (Lauda-Königshofen), mit rund 77 405 Euro brutto. In der Kostenberechnung seien für dieses Gewerk 17 914 Euro eingeplant. Die Abweichung betrage 59491 Euro.

In Gesprächen mit dem Architekten und dem Fachplaner seien die Gründe für die Kostensteigerungen erörtert worden, so Wolpert. Letztendlich seien keine eindeutigen Preistreiberpunkte festgestellt worden. Verantwortlich für die Kostensteigerungen seien verschiedene Aspekte wie zu geringer Kostenansatz, Marktsituation, zusätzliche Anforderungen wie dimmbare Beleuchtung und Jalousiesteuerung.

Als wesentliche ausgeschriebene Arbeiten des zweiten Gewerks nannte Wolpert bei der Heizungstechnik Demontage, Rohrnetz, Heizkörper, Wärmedämmung und Armaturen, im Bereich Lüftung die WC-Entlüftung sowie im Bereich Sanitär Demontage, Rohrnetz- und Entwässerungsleitungen sowie Sanitärobjekte. Eine Herausforderung seien die langen Leitungswege. Zudem seien die Hygieneanforderungen angestiegen.

Der Verwaltungsmitarbeiter nannte die Firma Prokopp (Reicholzheim) mit einem Angebot zum Bruttopreis von rund 172 422 Euro als günstigsten Bieter. In der Kostenberechnung sind 85 978 Euro für dieses Gewerk eingeplant, die Abweichung beträgt somit rund 86 444 Euro. Auch bei diesem Gewerk sei der Kostenansatz zu optimistisch gewesen, so Wolpert. Hinzu komme die angespannte Marktsituation.

Wie der Redner erklärte, stehen im Haushaltsplan 2020 für diese Maßnahme 750 000 Euro bereit. Ein Sanierungszuschuss von 300 000 Euro sei eingeplant. Das Projekt soll 2020 komplett abgewickelt werden. Nach dem aktuellen Bauzeitenplan sei davon auszugehen, dass nur 300 000 Euro im laufenden Jahr ausgegeben werden, so Heiko Wolpert weiter.

Für diese Summe würden voraussichtlich auch die Sanierungszuschüsse eingehen. Dann müsse die restliche Maßnahme einschließlich der Mehrkosten 2021 erneut in den Investitionsplan eingestellt werden. Das Projekt könne komplett über die Stadtsanierung abgewickelt werden. Das bedeute, dass es auch für die Kostenerhöhung Sanierungszuschüsse geben könne. Die Zuwendungen vom Land betragen 42 Prozent der Investitionen, ohne Möbel und Außenbereich.

Matthias Berberich wunderte sich darüber, dass es bei den Elektroarbeiten nun ein anderes Ergebnis mit anderen Beträgen gebe im Vergleich zu der Submission. Von den aufsummierten Positionen sei nicht jede in Anspruch genommen worden. Alles sei konform zur Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen. Berberich erklärte dennoch, er könne hier nicht zustimmen. Sebastian Seitz zeigte sich „geschockt, die Kosten explodieren desaströs“. Man sei mit dem Architekten schlecht beraten, „das passt vorne und hinten nicht“. Er habe das Gefühl, man habe sich in das Projekt verrannt und könne nun nicht mehr zurück.

Wolpert bekannte, „das schmeckt uns auch nicht“, und verwies nochmals auf Kostensteigerungen wegen zu optimistischem Ansatz. Der Bürgermeister meinte, man werde wohl bei 900 000 Euro für drei Gruppen landen. Das sei weit und breit der günstigste Preis pro Gruppe bei einem Umbau.

Stefan Grimm stellte fest, die Arbeit sei „grottenschlecht gelaufen“. Irgendetwas müsse passieren, das dürfe so nicht mehr passieren. Er werde nicht zustimmen. Bei der Ausschreibung sei so viel schief gelaufen, das Gremium müsse nichtöffentlich darüber weiter reden. Zudem sehe er als problematisch an, wenn die Firma des Fachplaners bei der Vergabe der Elektroarbeiten nun vorne liege.

Theodora Ulrich schloss sich inhaltlich den Vorrednern an. Sie empfahl, vorbeugend einen Regenwasserspeicher einzubauen, „es ist höchste Zeit“. Eric Bohnet trug die Gedanken von Grimm mit, „allerdings nicht in der Schärfe“. Die Sache sei „ganz schlecht gelaufen“, es müsse versucht werden, dies in Zukunft zu verhindern. Er werde zustimmen, denn er das nicht täte, würde das Projekt verzögert.

Auch Martin Winkler kritisierte die Arbeit des Architekturbüros Schattmann. Bürgermeister Schreglmann betonte: „Die Kritik am Architekturbüro ist angekommen.“

Der Gemeinderat beschloss die beiden Vergaben wie von der Verwaltung vorgetragen bei Gegenstimmen von Matthias Berberich, Stefan Grimm, Stefan Sack, Sebastian Seitz, Martin Winkler und Lars Wölfelschneider. Otto Bundschuh enthielt sich der Stimme.