Külsheim

Külsheimer Umgehungsstraße Freigabe für den Verkehr erfolgte vor 50 Jahren am 20. November 1970

Bau ging langes Hin und her voraus

Külsheim.Früher rollte der gesamte Verkehr durch Külsheim – inklusive der Panzer der Bundeswehr. Das änderte sich, als die Umgehungsstraße gebaut wurde. Die Landesstraße 504 wurde vor 50 Jahren eingeweiht.

Von den ersten Gesprächen bis zur Freigabe der L 504 für den Verkehr am 20. November 1970 hat es 13 Jahre gedauert. Schon Mitte November 1957, als der Bau einer Truppenunterkunft in Külsheim bereits beschlossene Sache war, stellte das Wehrbereichskommando V (Stuttgart) zur verkehrsmäßigen Erschließung des künftigen Standorts eine Infrastrukturforderung auf. Verlangt wurde der Ausbau der Ortsumgehung zum Anschluss der Truppenunterkunft an die Landesstraßen 504 und 509 sowie der Ausbau der L 504 von Külsheim nach Tauberbischofsheim.

Angespannte Verkehrslage

Auch in der Brunnenstadt war man sich der Notwendigkeit einer Umgehungsstraße bewusst. Bürgermeister Erhard Junghans beschrieb die damalige Situation: Die L 504 führe in Ost-West-Richtung als Hauptstraße durch Külsheim und münde in die L 509. Die Verkehrslage sei mehr als angespannt, da die Hauptstraße sehr enge Stellen aufweise und in vielen Kurven durch die Stadt führe. Komme der militärische Verkehr hinzu, sei auf der Ortsdurchfahrt mit ständigen Verkehrsstockungen und der Gefahr größerer Verkehrsunfälle zu rechnen.

Der Bau der Kaserne indes schritt voran. Mitte 1960 waren die Vorarbeiten abgeschlossen, am 9. Januar 1961 begannen die Tiefbauarbeiten, im Sommer 1961 die Hochbauarbeiten. Am 28. März 1963 war Richtfest. Im Januar 1964 bezogen die ersten Soldaten ihre neue Unterkunft. Am 29. Mai 1965 wurde die fertiggestellte Kaserne nach Prinz Eugen benannt.

Land will nichts zahlen

Die Straßenbaubehörde teilte im Oktober 1959 mit, sie sehe aufgrund der Verkehrsdichte auf den Landesstraßen 504 und 509 trotz der anerkannt schlechten Ortsdurchfahrt durch Külsheim keine Notwendigkeit einer Umgehungsstraße in Ost-West-Richtung. Mit einem finanziellen Beitrag des Landes könne daher nicht gerechnet werden.

Im Juni 1961 wurde als Zufahrt für die Kaserne der Ausbau des Schafhauswegs vom Gasthaus „Linde“ bis zu den Schafhauswiesen ins Auge gefasst. Der Gemeinderat verlangte, dass außer der Haagstraße keine Ortsstraßen für die Zufahrt zum Schafhausweg verwendet werden dürften.

Im Oktober 1961 war der Bau einer möglichen Umgehungsstraße in zwei Abschnitten vorgesehen. Der erste Bauabschnitt erstreckte sich von der L 509 (Hardheimer Straße) bis zur Einmündung des zum Ausbau vorgesehenen Schafhauswegs. Bauabschnitt II bezog sich auf die Teilstrecke Schafhausweg – L 504 (im Bereich des Stadteingangs Ost).

Fahrverbot für Panzer

Zu der Zeit hatte die Verkehrsbehörde das Befahren der Ortsdurchfahrt mit Panzern verboten. Denn dadurch waren bereits größere Schäden entstanden.

Junghans wollte unbedingt, dass der Bau der Straße in einem Zug erfolgt. Wie es Mitte November 1961 in einem Schreiben der 12. Panzerdivision hieß, sei der Entladebahnhof für den Standort Külsheim in Tauberbischofsheim. Das Fehlen des zweiten Bauabschnitts könne in Spannungszeiten, im Verteidigungsfall und bei Alarmübungen zu eventuell entscheidendem Zeitverlust führen.

Am 26. Juni 1963 waren Bürgermeister Junghans und Ratschreiber Adalbert Meltzer zu Besuch bei Regierungsvertretern in Bonn. In einer für die Brunnenstadt sehr umtriebigen Zeit ging es um Themen wie den Neubau einer Volksschule mit Lehrschwimmbecken und Turnhalle, die Flurbereinigung und Abwasserbeseitigung, das „Soldatenheim“ Külsheim und den Wohnungsbau für die Bundeswehr. Der Bau der Umgehungsstraße wurde für „spätestens 1965“ angekündigt. Es gehe noch um die Streitfrage, ob Bund oder Land dafür die Kosten tragen müsse.

Im September 1963 hieß es, das Bundesministerium der Verteidigung habe die Umgehungsstraße abgelehnt. Andererseits wurde von allen Beteiligten die Notwendigkeit des Baus für eine militärische Nutzung anerkannt. Zudem sei eine Beibehaltung des Durchgangsverkehrs durch die Stadt bei voller Belegung der Truppenunterkünfte nicht denkbar. Anfang Oktober 1964 teilte die Wehrbereichsverwaltung V Stuttgart mit, die Trasse des ersten Bauabschnitts solle als Teil der Umgehungsstraße ausgebaut werden.

Militärischer Bedarf

Am 11. Mai 1965 wurde bei einer Besprechung im Rathaus mit Vertretern des Bundesverteidigungsministeriums festgestellt, dass die Straßenverbindung Tauberbischofsheim – Külsheim im Zuge der L 504 künftig durch militärischen Verkehr (Räder- und Kettenfahrzeuge) stärker in Anspruch genommen werde. So sei der Standort Tauberbischofsheim auf die Schießanlage auf dem Standortübungsplatz angewiesen. Die von Külsheimer Soldaten zu nutzende Eisenbahnverladeanlage werde bei Tauberbischofsheim errichtet, das für die Truppe in Külsheim zuständige Versorgungsbataillon in Bad Mergentheim untergebracht. Deshalb müsse die für den militärischen Verkehr nicht geeignete Landesstraße L 504 ausgebaut werden.

Angekündigt wurde, dass der Bundesminister der Verteidigung sich mit einem Vorschlag zur finanziellen Regelung der Straßenbaukosten an das Land Baden-Württemberg wenden werde. Demnach solle das Land die Verbindungsstraße in Fortsetzung der L 504 als Landesstraße übernehmen. Der Bund zahle anteilig von den Gesamtkosten für die Verbindungsstraße 60 Prozent und finanziere den Kostenanteil des Landes in Höhe von 40 Prozent für eine bestimmte Zeit vor.

Das Innenministerium Baden-Württemberg zeigte sich später grundsätzlich mit den Vorschlägen einverstanden. Im Oktober 1965 bat die Katholische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung nachdrücklich, eine direkte Zufahrt von Külsheim zum künftigen“Soldatenheim“ (Einweihung am 17. November 1966) durch Einplanung eines Unterführungsbauwerks vorzusehen. Mitte März 1966 schlug das Bürgermeisteramt vor, hierzu einen zwei bis drei Meter breiten Durchlass für den Fußgängerverkehr einzuplanen.

Die Pläne sahen für die Fahrbahnbreite der Umgehungsstraße 7,50 Meter vor, um wenigstens den Begegnungsverkehr zwischen einem Lkw und einem Kettenfahrzeug mit einer Fahrzeugbreite von über 2,50 Metern zu ermöglichen.

Mit Bundestag-Anfrage „gedroht“

Im November 1967 wies Junghans ausdrücklich darauf hin, dass er nicht mehr bereit sei, eine weitere Verzögerung beim Bau der Umgehungsstraße hinzunehmen und er eventuell eine Anfrage im Bundestag in die Wege leiten wolle. Schließlich wurde der Bauauftrag am 24. Oktober 1968 erteilt. Baubeginn war am 1. September 1969. Das Land entschied, dass die neue Umgehung den Status einer Landesstraße erhält und Bestandteil der L 504 wird. Am Freitag, 20. November 1970, erfolgte um 10.30 Uhr die militärisch-technische Abnahme des Neubaus der Umgehungsstraße Külsheim im Zuge der Landesstraße 504 und des Ausbaus des Schafhauswegs. Es gab keine Beanstandungen. Als Sinnbild gewesener Schwierigkeiten hatte man einen Baumstamm über die neue Straße gelegt, der vor Ort durchgesägt wurde. Ein schriftlicher Kommentar dazu lautete: „Man schwitzte, aber schaffte es.“