Külsheim

Vortrag Im Alten Rathaus der Brunnenstadt ging es vor gut 80 Zuhörern um das Thema „Schlaf“ / Schlafstörungen im Blick

Baldrian, Hopfen und Co. können helfen

Archivartikel

Külsheim.„Ich habe die ganze Nacht kein Auge zugemacht“ – das Thema „Schlaf“ stand am Mittwoch im Alten Rathaus im Mittelpunkt eines mit etwa 80 Menschen sehr gut besuchten Vortrags. Dr. Thomas Polak referierte über die vielfältigen Aspekte zum Thema, speziell zu Schlafstörungen. Veranstalter war die Stadt in Zusammenarbeit mit dem Universitätsbund Würzburg.

Seitens des Veranstalters begrüßte Luise Wernher zu diesem weiteren Baustein in der Wintervortragsreihe. Der Referent fragte in den Saal, wer schlecht schlafe, viele Händen reckten sich in die Höhe. Polak sagte, Schlaf sei etwas Merkwürdiges, schneide das Bewusstsein von der Umwelt ab, was sich in der freien Wildbahn als gefährlich erweise.

Der Privatdozent ging kurz ein auf unterschiedliche Arten von Schlafstörungen. Er bezeichnete es als fatal, dabei gleich Schlaftabletten zu nehmen. Am Anfang stehe die Untersuchung, warum es eine Störung gebe. Zur Bedeutung von Schlaf erläuterte Polak, dieser sei kein passiver Ruhezustand, denn es würden dabei viele Hirnzentren reguliert.

Schlafdauer, -struktur, -charakter seien zu einem erheblichen Teil vererbt bedingt. Es gebe eine große Spannweite individueller Schlafdauern, dazu verschiedene Einflussfaktoren. Schlaf habe Auswirkungen auf viele Körperfunktionen, Schlafstörungen bewirkten verschiedene Erkrankungen und seien zudem dritthäufigster Grund für einen Arztbesuch.

Der Referent stellte verschiedene Schlafphasen vor wie den leichten Schlaf, den Tiefschlaf, das Stadium relativer Wachheit oder Phasen wilder Träume, derweil die Muskulatur gelähmt sei. Schlaf habe etwas mit „Energie sparen“ zu tun, eine Schlafstörung führe zu vermehrtem Grundumsatz. Schlaf sei die Hauptaktivitätsphase des glymphatischen Systems, welches die Reinigung des Gehirns von Abfallstoffen leiste. Auch würden im Hirn Verbindungen abgebaut, welche dieses nicht oft nutze. Dies habe etwas mit Lernen zu tun. Im Schlaf seien andere Hirngebiete aktiv wie im Wachzustand.

Als häufigste Schlafstörung benannte der Fachmann primäre, nicht-organische Insomnie. Oft würden Wachperioden überschätzt, kurze Schafphasen nicht wahrgenommen. Bei einer Überaktivierung des Gehirns komme es zum Zustand des „nicht abschalten können“. Bei der Erkenntnis „ich schlafe schlecht“, so Polak, sei es nicht damit getan, gleich eine Schlaftablette zu nehmen. Man könne sich zuerst die Frage stellen, ob schlechter Schlaf überhaupt Auswirkungen auf den folgenden Tag habe.

Die detaillierte Krankengeschichte, ein Schlaftagebuch und/oder eine umfangreiche Untersuchung des Schlafs könnten helfen, mögliche Ursache für Schlafstörungen festzustellen. Der Vortragende empfahl zuerst eine nichtmedikamentöse Therapie, beschrieb Techniken wie Gedankenstopp, nannte Achtsamkeitstechniken. Er meinte, es gebe insgesamt keine Pauschalrezepte, man könne manches auszuprobieren.

Polak besprach individuelle Regeln im Zusammenhang mit Schlaf wie regelmäßige Zeiten des Zubett-gehens und Aufstehens, das Vermeiden längerer Nickerchen am Tag, den Vorteil regelmäßiger körperlicher Aktivität, sofern diese nicht vor dem Zubettgehen stattfände. Er empfahl auch den Verzicht auf intensive kognitive Aktivität vor dem Schlafengehen, das Schaffen einer angenehmen Schlafumgebung und abendlicher Schlafrituale bis hin zum „Schäfchen zählen“. Wenn dies alles nicht helfe, so der Referent, könne man zu Baldrian, Hopfen, Melisse oder Lavendel greifen. Sofern auch dies nicht weiter bringe, stünden Medikamente zur Verfügung, welche nicht süchtig machten. Wenn auch dann keine Verbesserung eintrete, könnten stärkere Medikamente eingesetzt werden.

Polak unterlegte seine Ausführungen vielfach mit Beispielen aus dem täglichen Leben oder aus der Geschichte, das Publikum hörte aufmerksam zu. Das Oberthema begleitend wandte sich der Referent auch dem Schlaf in der bildenden Kunst und dem Schlaf im Tierreich zu.

Der Fachmann fasste zusammen, Schlaf sei eine komplexe körperliche Funktion mit vielfältigen Auswirkungen auf wichtige Organsysteme, Schlaf sei ein Zustand, in dem im Gehirn bestimmte Systeme aktiv seien, und trage eine wichtige Funktion bei der Reinigung des Gehirns. Schlafstörungen gehörten plausibel abgeklärt und wirksam behandelt.

Der Vortrag erhielt viel Beifall. Der Abend mündete in einen ergänzenden Dialog zwischen dem Referenten und dem Publikum. hpw