Külsheim

Besonderer Lehrgang Berufsfeuerwehr Stuttgart nutzt wegen Corona Trainingsgelände in Külsheim

Auch bei Ausbildung gilt: Abstand halten

Archivartikel

Feuerwehren bilden stets neue Mitglieder aus, um einsatzfähig zu bleiben. Bei einem Lehrgang der Berufsfeuerwehr Stuttgart in Külsheim muss dabei wegen Corona noch mehr als sonst beachtet werden.

Külsheim. Die Stadt Stuttgart bildet selbst die Leute ihrer Berufsfeuerwehr aus. Wie Jürgen Rembold, Leiter von deren Aus- und Fortbildungszentrum, im Gespräch mit den FN erklärt, gehört der Lehrgang in Külsheim zur Qualifikation für den mittleren feuerwehrtechnischen Dienst. Wegen der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Vorschriften erfolge die Ausbildung in Blöcken. Das Land habe per Erlass eine Ausnahmegenehmigung für Polizei, Notfallsanitäter und Berufsfeuerwehrleute verfügt, damit bestimmte Inhalte der Ausbildung überhaupt vermittelt werden können.

Elf der Lehrgangsteilnehmer zwischen 21 bis 35 Jahren kommen von der Feuerwehr in Stuttgart, sieben aus anderen Feuerwehren. Seit dem Kursbeginn am 1. April hat die Gruppe keinerlei Kontakt mit anderen Abteilungen der Berufsfeuerwehr Stuttgart, um eine mögliche Ansteckung bestmöglich zu vermeiden, betonen die Verantwortlichen. Kursende ist Ende Juli. Bis dahin sollen die Absolventen auch im privaten Umfeld Kontakte zu anderen Personen so gering wie möglich halten. Lehrgangsleiter ist Brandamtmann Carsten Ohsberger, der auch als Desinfektor ausgebildet ist. Wie er sagte, gab es Überlegungen, wie die Ausbildung in Stuttgart unter Einhaltung der vom Land definierten Hygienebedingungen und gleichzeitiger Aufrechterhaltung der eigenen Einsatzbereitschaft hätte stattfinden können. Dabei sei zu berücksichtigen gewesen, dass es wegen Corona nicht möglich ist, manche Übungsinhalte vor Ort und bei örtlichen Firmen in Stuttgart zu trainieren.

Beim Corona-Stab der Feuerwehr Stuttgart seien alle Aspekte zusammengeführt worden hinsichtlich der Frage, so Ohsberger, ob die Ausbildung umsetzbar sei. Bereits früher hatte die Feuerwehr Stuttgart besondere Ausbildungsabschnitte auf das Übungsgelände der International Fire & Rescue Training GmbH (I.F.R.T.) im Gewerbepark II verlagert. So lag der Gedanke nahe, einen ganzen Ausbildungsblock in Külsheim zu gestalten.

Auswirkungen auf viele Bereiche

Die wegen Corona erlassenen Vorschriften wirken sich auf alle Bereiche des Ausbildungslehrgangs aus. Los geht es schon bei der Anreise. Denn die Fahrzeuge können nicht voll besetzt werden. In ein Löschfahrzeug passen normalerweise bis zu neun Personen. Nun dürfen es maximal sechs sein, Pkw werden mit höchstens zwei Personen besetzt.

Somit werden in Külsheim drei Löschfahrzeuge, drei Mannschaftsbusse, zwei Pkw und ein Rüstwagen vorgehalten. Bei den Lehrgangsteilnehmern stand zunächst die Schulung der Hygienebedingungen gemäß der Corona-Verordnung des Landes und den Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren (AGBF) auf dem Lehrplan.

Um die vorgegeben Abstände zwischen den Teilnehmern einzuhalten, wurde für den Theorieunterricht in Stuttgart die Sporthalle der Hauptfeuerwache umfunktioniert. In Külsheim geht es mehr um die Praxis. Somit kann alles im Freien und mit viel Platz dargestellt werden. Dennoch muss in einige Situationen ein Mund-Nasen-Schutz, eventuell sogar eine Schutzbrille getragen werden.

Die Abstandsregeln hat man auch bei Einsatzübungen wie in einem ehemaligen Bundeswehr-Unterkunftsgebäude im Blick, ebenso bei Nachbesprechungen oder Aufräumarbeiten. Die Vorgaben werden situationsbedingt nur aus einsatztaktischen Gründen kurz außer Kraft gesetzt, was durch die Empfehlungen der AGBF abgedeckt ist.

Wird die Fitness trainiert, ist Kontaktsport wie Fuß- oder Handball untersagt. Laufen erfolgt in Zweiergruppen mit dem nötigen Abstand. Für Zirkeltraining, ob drinnen oder draußen, wurden extra Sportgeräte beschafft. Vierbettzimmer sind mit höchstens zwei Personen belegt.

Auch in Külsheim hat man sich gewissenhaft auf den besonderen Lehrgang vorbereitet. Wie Simone Hickl-Seitz, Geschäftsführerin der „Business Area Külsheim“, sagt, steht für den Lehrgang ein ehemaliger Unterkunftsblock der vormaligen Kaserne komplett zur Verfügung. Die Sporthalle wird nach jeder Nutzung gereinigt, „von den Kabinen über die Türklinken bis hin zum WC“.

I.F.R.T.-Geschäftsführer Stefan Feucht betont, man habe die Vorgaben des Landes Baden-Württemberg und der Stadt Stuttgart umgesetzt. Es gebe wo nötig Abstandskennzeichnungen ebenso wie Desinfektions- und Reinigungsmittel. Oberflächen würden mehrfach desinfiziert, für Externe bestehe Maskenpflicht. Alexander Hildenbrand, Geschäftsführer der „Aktiv-Welt-Külsheim“, erklärt, man habe sich gemäß der Landesverordnung sehr gut vorbereitet.

Er selbst habe außer mit den Führungskräften keinen Kontakt zu den Lehrgangsteilnehmern, sein Mitarbeiterstab gar keinen. Alle Möglichkeiten der Freizeitgestaltung der „Aktiv-Welt“ im Haupthaus seien gesperrt.

Für Bürgermeister Thomas Schreglmann ist klar: „Wir unterstützen gerne bei der Ausbildung der angehenden Feuerwehrmänner. Unsere zur Verfügung gestellten Gebäude können aufgrund der Corona-Pandemie derzeit eh wenig genutzt werden. Und vielleicht hilft der Ausbildungslehrgang auch den beteiligten Unternehmen im Gewerbepark etwas über die Krise hinweg.“

Das bekräftigen auch Feucht und Hildenbrand: Das Projekt sei durch die Unterstützung der Stadt Külsheim möglich geworden, „ was für die I.F.R.T. und die ,Aktiv-Welt’ in dieser schwierigen Situation sehr hilfreich ist.“