Kreuzwertheim

Musikkabarett Die drei „Wellküren“ Bärbi, Burgi und Moni Well legten mit ihrem Programm „Abendlander“ auf sehr humorige Weise den Finger in manche Wunde

Stubenmusik gegen Idiotisierung des Abendlandes

Archivartikel

Bayerisches Musikkabarett in Vollendung präsentierten am Samstagabend die drei „Wellküren“ Bärbi, Burgi und Moni Well in der Dreschhalle auf Einladung des TSV „Jahn“ Kreuzwertheim.

Kreuzwertheim. In ihrem Programm „Abendlandler“ beleuchteten die drei „Wellküren“ Bärbi, Burgi und Moni Well kaleidoskopartig alle möglichen Lebenssituationen, natürlich mit Schwerpunkt auf das schöne Bayern und die „traumhafte Gegend“ um Kreuzwertheim und die „wunderbar dekorierte“ Dreschhalle. In einem akkordeonbegleiteten Dreigesang ging die Reise zu vielen bekannten Orten in Bayern und über Bayern hinaus, um schließlich bei den „goldigen, g’scheiden und kabarettgebildeten Leut’ in Kreuzwertheim“ anzukommen.

Im Rückblick auf ihre Karriere hob Moni die Bedeutung der Volksmusik hervor. Sie sei der gemeinsame Nenner für die fünfzehn Geschwister gewesen. Einweihungen von Kreisverkehren seien Stationen zur Berühmtheit gewesen. Weil „Stubenmusi“ eine „demokratische Gschicht“ sei, sollten die Politiker in England, USA, Türkei und Russland sich am besten mit selbiger beschäftigen. „Stupida“ solle man gründen, die „Stubenmusik gegen die Idiotisierung des Abendlandes“.

Thomas aus Stuttgart aus der ersten Reihe des Publikums, musste mehrfach als Beispiel herhalten, so gleich zu Beginn für die Anwendung des „Wisching-Well“-Tuches, das dessen Brille „fast von aloa“ putzte und seine Ehefrau neu erkennbar wurde.

In einer oberbayerischen Schimpftirade beleuchtete Moni, fast ohne Luft zu holen, Missstände in bayerischer und internationaler Politik. Söder, Seehofer und Trump wurden ebenso wenig ausgespart wie Dobrindt. Jetzt müsse man sagen „bescheuerter geht’s nimmer“. Zum Thema „Mauer“ fragte sie: „Was grenzt an Dummheit? Mexiko und Kanada“.

Die beste Verhütung

Eines sei klar: Stubenmusi’ helfe in jeder Lebenslage, sei die beste Empfängnisverhütung und schütze – ebenso wie Globuli – vor sexueller Belästigung.

Mit der Klaviersonate A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart („ein guter Bekannter unserer Mutter“) kam eines der wenigen reinen Instrumentalstücke zu Gehör, das in der originellen Bearbeitung für Hackbrett, Gitarre und Harfe ein Ruhepunkt und besonderer Höhepunkt für das „kulturell hochgebildete Publikum“ zugleich war. „Wan-tu-sri-rodscher“ war das Kommando, mit dem viele bayerische Gesänge begannen. Erklärung hierfür: die Herkunft der Familie „McWell“ aus dem schottischen Hochadel von 1418. „La Paloma“ wurde auf skurril aussehenden „Nonnentrompeten“ gespielt, einem Saiteninstrument mit Posaunentrichter, und dies in einer Klang- und Geräuschfarbe, die besonders aufhorchen ließ.

„Braucht mer unbedingt an Moo?“ wurde schließlich gefragt. Solange er arbeite, sei ja noch alles in Ordnung. Aber als Rentner verursache er doch nur Bügelwäsche, esse viel und schnarche nachts. Und „schöner werden’s a net“.

Nach Vergleichen zum Tierreich kamen die Wellküren aber zur Erkenntnis „Mei Older is grandios“, „...is a echter Schatz“ und schließlich „Wir brauchen uns“. Da spielte es dann auch keine Rolle mehr, ob man im „Männerschutzverein“ Mitglied sei oder nicht. Im abschließenden „Stuben-Musical“ wurde der Werdegang von „Prinzregent Markus“ beschrieben, dem das Untier „Basis“ neuerdings zu schaffen mache. Doch durch die Nebelschwaden im Altmühltal, der Transitzone zwischen Bayern und Franken, mahnte und beruhigte die Stimme von Franz Josef Strauß: „Gott schütze Bayern“. Viel Applaus, Wertheimer Sekt als Dankesgabe und die glaubhafte Unisono-Versicherung der Wellküren und des Publikums „es war ein toller Abend“ beschlossen den bemerkenswerten Kabarettabend.