Kreuzwertheim

Jubilar Der frühere Kreuzwertheimer Bürgermeister Horst Fuhrmann feiert am Sonntag seinen 70. Geburtstag / Vom Beamten zum Rathaus-Chef

Holpriger Weg zu Beginn der Amtszeit

18 Jahre lang war Horst Fuhrmann Bürgermeister von Kreuzwertheim. Am Sonntag feiert er seinen 70. Geburtstag.

Kreuzwertheim/Oberndorf. Von 1996 bis 2014 war Horst Fuhrmann Bürgermeister der Marktgemeinde Kreuzwertheim. In dieser Zeit wurden gleich mehrere Großprojekte realisiert. Fuhrmann kam am 21. Juni 1950 in Würzburg zur Welt und wuchs die ersten Jahre in Böttigheim auf.

1954 zog die Familie nach Marktheidenfeld, wo der die Volksschule besuchte. Danach wechselte er auf das Gymnasium Lohr, dass er nach der zehnten Klasse mit der mittleren Reife verließ. Beruflich sei er damals noch nicht orientiert gewesen, sagt er im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten. Letztlich entschied er sich dafür, die Aufnahmeprüfung für den mittleren und den gehobenen Verwaltungsdienst zu absolvieren.

Bis deren Ergebnisse im Frühjahr 1964 vorlagen, hatte er als Maschinenbediener bei der Firma Braun gearbeitet. Von April 1969 bis September 69 war der Assistentenanwärter bei der AOK Marktheidenfeld, ab 1. Oktober dann Verwaltungspraktikant bei der Regierung von Unterfranken. Ausbildungsort war das Landratsamt Marktheidenfeld.

1971 begann seine dreijährige Ausbildung als Regierungsinspekteursanwärter in verschiedenen Behörden. In seiner Ausbildungszeit erlebte er die Gebietsreform des damaligen Landkreises Marktheidenfeld. Nach seinem Ausbildungsende war er von 19 74 bis 1979 Regierungsinspektor beim Landratsamt Miltenberg im Fachgebiet Kommunalaufsicht, Denkmalpflege und Tourismus.

Geschäftsführender Beamter

Dann fungierte er als geschäftsführender Beamter beim Markt Triefenstein. „Die Arbeit dort machte mir sehr viel Spaß und ich konnte zusammen mit dem Gemeinderat Erfolge verzeichnen“, berichtet Fuhrmann im Gespräch. Unter anderem sei dort der Abbau der Rivalitäten der Ortsteile und Fraktionen gelungen.

Seit Ende 1974, nach der Hochzeit mit Ehefrau Margit, lebt Fuhrmann in Oberndorf, einem Ortsteil von Bischbrunn. Dort zog er 1978 als jüngstes Mitglied in den Gemeinderat ein. Diesem gehörte er bis zum 30. April 1996 an. Zeitweise war er zweiter oder dritter Bürgermeister der Gemeinde.

Er erinnert sich zudem an die Unruhen, die es in den 1990er Jahren in Kreuzwertheim gegeben hatte. Streitthema war die Einführung einer Ergänzungsabgabe für die Bürger durch den Bau einer neuen Kläranlage. Die Gebühr und die Entscheidung, ob ein Neubau nötig sei, führte zu Streit in den Fraktionen und zu Protesten der Bürger.

In dieser Zeit entschied Fuhrmanns Vorgängerin in Kreuzwertheim Christa Schoenberg, nicht mehr zu kandidieren. Der Vorsitzender der Kreuzwertheim CSU-Fraktion Walter Jeßberger kam Ende 1994 auf Fuhrmann zu und fragte, ob er bereit wäre, als Bürgermeister zu kandidieren.

Es hätten auch Politiker aus zwei anderen Gemeinden angefragt, ob Fuhrmann kandidieren wolle. Welche das waren, verrät er nicht.

„Ich kannte Kreuzwertheim gut aus meiner Jugend- und Ausbildungszeit, zudem hatte es einen sehr guten Ruf.“ So entschied er sich, nach Rücksprache mit seiner Frau, dort zu kandidieren. „Meine Bedingung war jedoch, dass ich in Oberndorf wohnen bleibe“, berichtet er. Er habe sein mit eigenen Händen gebaut. Zudem wollte er seine vier Kinder nicht von ihren Freunden und der gewohnten Umgebung trennen.

Unbekannter Kandidat

„In Kreuzwertheim war ich nahezu unbekannt“, beschreibt er den Beginn des Wahlkampfs. Nach seiner Vorstellung Anfang 1995 im ehemaligen Gasthaus Stern sei er von Tür zu Tür gezogen. „Dabei habe ich viele Leute kennengelernt und vieles erfahren, was mir später im Amt geholfen hat“, so Fuhrmann. Drei Kandidaten traten bei der Bürgermeisterwahl im März 1996 an. Letztlich setzte sich Fuhrmann in einer Stichwahl durch. Danach wurde er zwei Mal wiedergewählt, jeweils ohne Gegenkandidat.

Fuhrmann war zudem 1996 bis 2014 Mitglied im Kreistag Main-Spessart. Auch in diesem Mandat habe er viel erreichen können, verweist er unter anderem auf die Sanierung der alten Mainbrücke und dem Ausbau der Ortsdurchfahrt. Hauptthema zu Beginn seiner Bürgermeisterzeit sei der Bau und die Finanzierung der neuen Kläranlage gewesen. „Am Tag meines Amtsantritt am 2. Mai hatte ich Stapel an Widersprüchen gegen die Bescheide der Ergänzungsabgabe auf dem Schreibtisch“, erzählt er.

Zunächst habe er Ruhe in die Gemeinde hineinbringen und Leute überzeugen müssen. Letztlich seien der Gemeinderat und die Bürgerinitiative durch viele Maßnahmen überzeugt worden. Die Kläranlage wurde gebaut.

Umgehungsstraße

Das zweite für ihn zentrale Projekt war der Bau der Umgehungsstraße Kreuzwertheim, deren Planungen schon rund 50 Jahre vorgelegen hätten und die immer wieder angezweifelt wurde. Baustart war 2002.

Gut in Erinnerung bleibt ihm das Miteinander mit der Bevölkerung: „Es ist bis heute immer angenehm.“ Auch für die gute Zusammenarbeitim Gemeinderat sei er dankbar. 2014 schied er auf eigenen Wunsch als Bürgermeister aus und ging in den Ruhestand.

„Ich war glücklich nicht mehr die Verantwortung tragen zu müssen, auch für Dinge die ich nicht selbst zu verantworten habe“, sagt Fuhrmann. Es sei schön, ohne politische Sorgen einzuschlafen. Jetzt schlafe er am Morgen aus und genieße ein Leben ohne Zeitdruck. Vor dem Frühstück absolviert er jeden Tag Morgengymnastik.

Gerne unternimmt er mit seiner Frau Reisen. Außerdem genießen beide die Zeit mit den vier Enkeln, die zwischen einem bis sieben Jahre alt sind.

Zwei wohnen in direkter Nachbarschaft, zwei weitere in Berlin. „Sie besuchen uns aber oft“, freut er sich. Auch in vielen Vereinen in Oberndorf und Kreuzwertheim ist Fuhrmann noch Mitglied.

Seinen Geburtstag feiert der Jubilar am Sonntag wegen Corona im engen Familienkreis. Auch die Familie, die in Berlin lebt, kommt dazu. Den sicherlich zahlreichen Glückwünschen schließen sich die Fränkischen Nachrichten gerne an.