Kreuzwertheim

Vortrag Gertrud Schauber berichtet im Röttbacher Pfarrsaal über ihre Kindheit

Erinnerungen ans „Alte Land“

Archivartikel

Röttbach.„Altes Land – Unterfranken – Ghana“, diesen geografischen Bogen spannte Gertrud Schauber auf Einladung des Seniorenkreises und der Bücherei Röttbach im örtlichen Pfarrsaal. Mit Auszügen aus ihrem Buch „Kindheit unterm Kirschenbaum“ und der Erzählung unvergesslich gebliebener Erinnerungen ließ sie die rund 30 Gäste an ihrem bewegten Leben teilhaben.

Zusätzliche Fotos gaben einen Eindruck vom Landstrich zwischen Elbe und Weser mit seinen Deichen und Entwässerungsgräben. Die günstige Lage, gute Bodenqualität und ausdauernder Fleiß führten zu vielfältigem Obstanbau und machten das „Alte Land“ reich, so Schauber.

Auch Gertruds Vater, der sich auf die Züchtung von Obstbäumen spezialisiert hatte, und die „lebenskluge“ Mutter der kleinen Gertrud lebten mit der Familie dort in einem reetgedeckten Bauernhaus, das 1968 abbrannte.

Auf einem Gemälde von August Blohm aus dem Jahr 1956 ist es festgehalten. Von der Wiederverheiratung des Großvaters nach dem Tod der ersten Frau, der Krankheit der Tante „Helma“, der Heirat der Eltern und der eigenen Kindheit erzählte sie. „Ich war ein eher stilles Kind und spielte oft unter dem Tisch“, wird in der Geschichte „Tante Helma“ wiedergegeben. Der Umstand, dass das kleine Mädchen schon mit zwei Jahren eine Brille tragen musste, die in Kriegszeiten sehr schwer zu beschaffen war, brannte den Satz „Pass auf! Die Brille!“ unauslöschlich in Gertruds Gedächtnis.

Der russische Kriegsgefangene Titorenkow, der als Arbeitskraft auf dem Hof der Eltern lebte, war ihre „erste Liebe“. Er nahm Gertrud ernst, sang russische Lieder und konnte wunderbar schnitzen. Während ihrer landwirtschaftlichen Ausbildung in Tauberbischofsheim lernte sie ihren späteren Mann Paul Schauber kennen.

Berufsweg geändert

Ausführlich erfuhren die Gäste etwas über die Zeit des Kennenlernens und die Schwierigkeiten, die eine Verbindung zwischen einem katholischen jungen Mann und einem evangelischen Mädchen, das seinen Berufsweg ändert und Diakonin wird, mit sich bringen. Über alle Stolpersteine hinweg entsteht eine glückliche und erfolgreiche Partnerschaft und Familiengründung. In Kreuzwertheim, dem jetzigen Wohnort, leitete sie gemeinsam mit ihrem Mann als letzte Arbeitsstelle vor der Pensionierung das Fürstlich Löwensteinsche Weingut.

Im Zusammenhang mit einer Forschungsarbeit ihrer Tochter Almuth in Ghana wurde im Jahr 2000 der Verein Paul gegründet, deren Vorsitzende die Autorin ist. Für Spendenzwecke findet in Kreuzwertheim jährlich ein „Ghanatag“ statt. es