Krautheim

Rüdinger in Krautheim Spedition feiert 90. Geburtstag mit einem Vortrag des Globalisierungsexperten Franz Josef Radermacher

Kann Wohlstand die Umwelt retten?

Krautheim.Ein Unternehmer, der mit tonnenschweren Lastwagen auf den Straßen sein Geld verdient, ist automatisch ein Umweltsünder: Gegen dieses Klischee kämpft der Krautheimer Speditionsunternehmer Roland Rüdinger seit Jahren.

Anlässlich des 90-jährigen Bestehens seiner Firma hat das Hohenloher Familienunternehmen einen prominenten Gastredner zur Geburtstagsfeier unter Coronabedingungen eingeladen, der sich seit Jahrzehnten für eine gerechtere und vor allem nachhaltigere Wirtschaft einsetzt: Professor Franz Josef Radermacher.

Der 70-jährige Experte leitet unter anderem das Forschungsinstitut für Wissensverarbeitung. Er wirbt für eine Globalisierung und Marktwirtschaft, die vor allem sozial gerechter ist. Fast schon erschreckend für die Zuhörer: Seit rund 40 Jahren habe sich die Diskussion nicht wesentlich verändert.

Bei der ersten Weltumweltkonferenz 1972, so Radermacher, habe die indische Regierung bereits kritisiert, dass die reichen Länder ihren Wohlstand auf wenig nachhaltige Weise erwirtschaftet hätten. „Damals wurde gefragt, warum sie nun nicht das dürfen, was wir dürfen“, erklärt der Professor.

Wenige Änderungen

An diesem Konflikt habe sich bis heute nicht viel verändert. Gerade in diesem Jahr mit der Corona-Pandemie könne man das sehen. Denn: Weniger Wohlstand führe zu weniger CO2. „Verarmung ist also gut fürs Klima“, meint er provozierend. Man müsse sich fragen, wer für den Rückgang in der Krise geblutet habe. „Es waren die, die ihre Jobs oder Firmen verloren haben.“

Doch es habe noch andere Folgen: Wenn etwa bei den Kindern in Indien die einzig vernünftige Nahrung, die Schulspeisung, nun wegfalle, oder die Organisationen keine Galas veranstalten dürften, um auf Spendensuche für arme Länder zu gehen, habe das Folgen, die man noch nicht abschätzen könne. Man müsse alles differenziert sehen.

„Viele springen auf, wenn sie hören, dass zehn Prozent der Reichsten mehr CO2 erzeugen als der Rest der Welt“, erklärt Radermacher. „Aber die meisten vergessen, dass sie selbst dazugehören.“ Wir dürften also keinen Job haben oder Fleisch essen und unsere Kinder nicht zu ihren Hobbys fahren. Folglich könne das Klima nur durch massive Einschränkung der Freiheit und auch der Industriestandorte geschützt werden, meint er erneut mit einem Fragezeichen zwischen den Zeilen. Inzwischen sei es weit verbreitet, dass das Auto „des Teufels“ sei.

Nur gemeinsam lösbar

Auf der anderen Seite sei es auch eine deutsche Kernkompetenz. Mit seinen Ausführungen macht er klar, dass alle eben Wohlstand wollten und man die Klimakrise nur gemeinsam lösen könne. Radermacher zieht nun einen anderen Schluss und meint: „Wir retten die Welt mit mehr Geld, wenn wir es klug einsetzen.“

In seinem neuesten Buch beschreibt er diesen Ansatz, indem reichere Länder für eine Art Klimaausgleich sorgen sollten.

Man müsse zudem auf andere Formen der Energie setzen. Benzin etwa sei um ein vielfaches dichter als eine Batterie. Das Elektroauto sei nicht die Lösung, sondern vielmehr klimaneutraler Kraftstoff mit Methan. Seit einigen Zeit wird daran geforscht.

Für seinen Vortrag erntet Radermacher viel Lob und man könnte fast noch mehr diskutieren, wäre da nicht noch die Geburtstagsfeier, die mit etwas Geschick auch unter Coronabedingungen stattfinden kann.

Debatte um Lang-Lastwagen

Auch Firmenchef Roland Rüdinger geht in seiner Festrede auf die Klimadebatte ein. „Auch wir wollen mit unserem Lkw Typ drei etwas beitragen, wenn man uns lässt“, ergänzt er und spielt damit auf die Debatte um Lang-Lastwagen auf deutschen Straßen an.