Krautheim

Haus- und Gartenfreunde Krautheim Wildkräuter statt Ordnung

In acht Schritten ganz einfach zum Naturgarten

Archivartikel

Krautheim.Moderne naturnahe Gartengestaltung – mit diesem Thema kennt sich Sven Görlitz vom Verband Wohneigentum Baden-Württemberg bestens aus. Bei den Haus- und Gartenfreunden Krautheim hat der Gartenexperte erklärt, was einen Naturgarten ausmacht und wie die Umsetzung gelingt.

Unter moderner Gartengestaltung verstehen allerdings nicht alle dasselbe. Häufig werden vor allem Vorgärten mit Kies zugeschüttet. Argument: der geringe Pflegeaufwand. Was übrigens laut Görlitz überhaupt nicht stimmt. Warum aber eine naturnahe Gartengestaltung unbedingt vorzuziehen ist, und wie das auch mit geringem Pflegeaufwand funktioniert, das hat Görlitz mehr als 30 Zuhörern in Krautheim erklärt.

Als erstes zeigte Görlitz den starken Rückgang der Insekten auf. Rund 75 Prozent sind in den vergangenen 30 Jahre verschwunden. Vielfältige Strukturen in Stadt und Dorf gibt es nicht mehr, stattdessen an vielen Stellen nur noch sterile Schottergärten, Monokulturen und häufigen Pestizideinsatz. „In Bezug auf den Insektenschutz sollten Gartenbesitzer es weniger genau nehmen mit der lieben Ordnung“, rät Görlitz. „Wildkraut ist für Insekten wichtig. Den Garten sollte man im Herbst nicht mehr akribisch aufräumen – auch wenn das schon wegen der Nachbarn vielleicht oft schwerfällt.“

Görlitz wies auch darauf hin, wie wichtig Naturgärten gerade für Kinder sind. „Nehmen Sie Ihre Kinder mit zum Gärtnern. Durch diese wichtige Naturerfahrung lernen sie erst, manche Zusammenhänge richtig zu begreifen – auch im wörtlichen Sinne.“

Anschließend stellte der Gartenberater acht Schritte zum Naturgarten vor. Bei der Gestaltung soll auf die Verwendung regionaler Materialien wie Holz, Steine und Erden geachtet werden. Plastik und Beton sollten auf das Notwendigste reduziert werden. Die Pflanzen sollten überwiegend heimisch, vielfältig und dauerhaft sein. Lebensräume sollten vielfältig sein: Görlitz empfahl Feuchtbiotope, Magerrasen, Dachbegrünung, Natursteinmauern, Kiesgärten und Totholzhäufen für Amphibien, Kleinsäuger und Insekten. Nisthilfen für Vögel, Insekten und Kleinsäuger wurden ebenfalls empfohlen – zur Förderung der Vielfalt und zur Schädlingsbekämpfung.

Auf Torf sollte verzichtet werden, ebenso auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und Herbizide. Stattdessen empfahl der Fachmann mechanische Unkrautbekämpfung, den Einsatz von Nützlingen und Fallen. Regenwasser sollte auf dem Grundstück gespeichert werden und dort versickern können. Er riet: „Pflege so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich.“