Kommentar

Sozial? Egal!

Archivartikel

Michael Fürst zur aktuellen Entwicklung bei den Kickers


Von wegen „Familie“: Mit der Freistellung von Aufstiegstrainer Michael Schiele haben die Würzburger Kickers ihr hervorstechendes Attribut verloren und sind recht grässlich zu einem „normalen“ Verein im Profifußball mutiert. Mit Zusammenhalt und gegenseitigem Respekt hatte der Umgang mit Erfolgstrainer Michael Schiele schon lange nichts mehr zu tun. Im Gegenteil: Man hat ihn mit einem nicht konkurrenzfähigen Kader in die Saison starten lassen und dann nach zwei punktlosen Spielen gleich geschasst. Eine schrecklich nette Familie sind die Kickers jetzt.

Sarkasmus beiseite: Man muss kein ausgewiesener Fußballfachmann sein, um auch von außen beurteilen zu können, dass Felix Magath der Mann war, der den Trainer von Beginn an geschwächt hat. Der FWK und Schiele waren sich im Januar über einen neuen Zweijahresvertrag einig, dann kam Magath, grätschte dazwischen und stoppte alle Vertragsaktivitäten. Das Verhältnis zwischen dem starken Fußball-Mann bei Flyeralarm und dem Trainer war deshalb von Beginn an belastet und unterkühlt. Dass es später etwas besser wurde, lag einzig am unerwarteten Erfolg Schieles mit der Mannschaft. Dafür hatte Magath warme Worte übrig. Klar ist aber: Hätte Schiele mit seiner Truppe im Endspurt der Drittliga-Saison nicht dermaßen gut „abgeliefert“, hätte der einstige Münchner und Wolfsburger Meistertrainer schon viel früher die Muskeln spielen lassen. Die Vertragsposse zog sich über die Sommerpause hinweg in die neue Saison hinein. Dieses Gebaren war unwürdig. Michael Schiele hatte bei Magath nie eine echte Chance.

Es mag stimmen, dass der 67-Jährige als Fußballchef von Flyeralarm nicht im administrativen Geschäft tätig ist; man kann aber sicher sein, dass er Aufsichtsratsboss Thorsten Fischer so lange mit „Schieles Untauglichkeit für die 2. Bundesliga“ bequatscht hat, bis auch der Flyeralarm-Chef der Beurlaubung zustimmte. An dieser Stelle zieht sich nun ein Riss durch den Verein, was sich im sofortigen Rücktritt von Aufsichtsratsmitglied Sebastian Herkert zeigt. Er war mit der Vorgehensweise der Macher nicht einverstanden. Und er ist gewiss nicht der einzige im Verein – mal ganz zu schweigen von den Fans, bei denen Schiele hohes Ansehen genießt. Es besteht nun die Gefahr, dass zwei Lager beim FWK entstehen. Und das ist nicht förderlich, wenn doch immer betont wird, dass „alle“ an einem Strang ziehen müssen. Und apropos administrativ: „Entlassen“ hat Magath den Trainer ja nicht. Da wurde wieder mal schön Daniel Sauer, das ausführende Organ der „Hinterbänkler“, vorgeschickt.

Die Außenwirkung ist nun verheerend. In diesen Corona-Zeiten, in denen man mehr soziales Miteinander postuliert, in denen die Kickers-Mitarbeiter in Kurzarbeit waren oder noch sind, in denen man bei Sponsoren die Türklinken putzt, um sie bei der Stange zu halten, hat man nun gezeigt: Sozial? Egal! Geld? Sogar für zwei Trainer ist genug vorhanden!

Es kann nur rascher sportlicher Erfolg helfen, damit die berechtigte Kritik am Vorgehen des FWK verstummt. Doch dazu müssen „die Macher“ nun wirklich zeigen was sie können: Es müssen Verstärkungen her!

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