Kommentar

Sie können viel, viel mehr

Michael Fürst zu den wahren Welttrainern auf diesem Planeten

Jürgen Klopp ist Welttrainer 2019. Sein Werdegang ist eine Erfolgsgeschichte: Vom Kampfschwein als Spieler der 2. Bundesliga über den ZDF-Experten bis hin zum Kulttrainer. Doch wie hat „Kloppo“ so schön bei der Preisverleihung gesagt: „Danke an mein Team. Als Trainer kannst du nur so gut sein, wie deine Mannschaft ist.“ Das sind große und nicht minder wahre Worte vom großen warmherzigen Schwaben.

Doch nimmt man den Blick mal weg vom „Big Business Fußball“ und den großen Titeln, dann wird doch jedem schnell bewusst: Die eigentlichen Welttrainer arbeiten bei den Dorfvereinen. Nicht global, sondern lokal werden die echten Erfolge gefeiert. Da heißen die Spieler, mit denen die Coaches „arbeiten“ nämlich Manfred* und nicht Mané, Samuel* und nicht Salah, Finn* und nicht Firmino. Manfred schafft Schicht, kann nur alle zwei Wochen trainieren, und trotzdem schafft es der Übungsleiter, dass Manni Sonntag für Sonntag fit und motiviert auf dem Platz steht. Samuel kann eigentlich nicht kicken, ist halt dabei, weil seine Kumpels Fußball spielen. Woche für Woche schaut sich der Trainer geduldig an, dass Samuel mal wieder die Passübung nicht checkt. Und Finn? Na, der hat samstags auf Partys oft einen großen Durst, so dass ihn der Coach sogar ab und an mal kurzfristig aus der Startelf nehmen muss.

Die wahren Welttrainer vom Dorfe können im Grunde viel, viel mehr als die echten Welttrainer: Sie können auch Übungseinheiten mit fünf Feldspielern abhalten; sie können ein geplantes Training spontan umdisponieren, weil statt der zugesagten 16 Mann nur 11 gekommen sind; sie können online noch geschwind die Aufstellung ändern, weil bei der Abfahrt zum Auswärtsspiel einer fehlte; sie können den Platz abstreuen, wenn der Platzwart kurzfristig ausfällt; sie übernehmen physiotherapeutische Arbeiten von Tapen bis rennend den Eiskoffer aufs Feld tragen; sie schreiben wirklich das Vorwort für die Stadionzeitung und nicht die Pressabteilung; sie können mit einem 15-Mann-Kader Meister werden; sie wissen, wo der Koffer mit den Ersatztrikots steht, wenn der Gegner überraschend „gleichfarbig“ angereist ist und sie können auch nach Niederlagen lachend ein Bier trinken – oder zwei.

Schuhknoten lösen

Noch „mehr Welttrainer“ sind die Ehrenamtlichen in den Jugendabteilungen der Vereine; die können nämlich noch den Spielern vor dem Turnier helfen, die Schienbeinschoner richtig anzuziehen, und sie können alle Formen von Schuhknoten lösen. Sie fahren selbst mit einem Auto voll Kindern zum Auswärtsspiel – notfalls auch zweimal, wenn sich wieder einmal nicht genügend Eltern bereit erklärt hatten. Sie können begeistern und nicht nur motivieren und ihren oft mäßig talentierten Schützlingen noch freundlich zureden, obwohl sie eine Begegnung gerade mit 0:11 verloren haben.

„Im Lokalen“ werden von Fußball-Kreisen, -Bezirken und -Verbänden mittlerweile „unendlich viele“ Preise verliehen – inflationär vor allem im Fair-Play-Sektor. Wäre es nicht längst einmal an der Zeit, den Amateur-Trainer des Jahres in der hiesigen Region zu küren? Welttrainer Jürgen Klopp wäre sich sicher nicht zu schade, die Laudatio zu halten...

*Die Namen sind frei erfunden, Ähnlichkeiten rein zufällig.