Kommentar

Selbst- Demontage

Bettina Semrau über den Konflikt im Gemeinderat

Sie könnte einem ja fast schon leid tun. Man sah es Heike Naber nach der Gemeinderatssitzung an, wie sie die vorangegangene Diskussion mit den Stadträten Roth und Lahr mitgenommen hatte.

Kein Wunder: Hatte sie doch zu Beginn hoch und heilig versprochen, ihre Zuständigkeiten künftig „penibel“ einzuhalten. Doch schon am Ende der Sitzung ergab sich ein anderes Bild: Naber hatte offenbar schon wieder ihre Kompetenzen überschritten.

Roth und Lahr verlangten von der Verwaltungschefin einfache Antworten: Warum wurde der Gemeinderat über die Anschaffung der Büromöbel nicht informiert? Und warum hat sie, die selbst aus Assamstadt stammt, den Auftrag an eine dortige Firma vergeben und nicht an im Ort ansässige Geschäftsleute?

Salamitaktik

Und schon wieder hat Naber in derselben Weise reagiert wie zuvor: Sie wich aus, erging sich in Schutzbehauptungen, versprach, zu einem unbestimmten Zeitpunkt in naher Zukunft oder hinter verschlossenen Türen alles zu erklären und zu beantworten.

Diese Salamitaktik hätte ja vielleicht aufgehen können, wäre nicht am selben Tag die Stellungnahme der Kommunalaufsicht des Landratsamts zur Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Bürgermeisterin ins Haus geflattert. Darin wird Roth und Lahr offenbar bescheinigt, dass sie das Recht hatten, alle ihre bislang zum Thema gestellten Fragen öffentlich zu stellen. Und dass Naber diese hätte beantworten müssen.

Doch das tat sie nicht, auch nicht bei der jüngsten Sitzung. Warum? Tja, könnte man vermuten, was soll man schon sagen, wenn man quasi in flagranti bei einem augenscheinlichen Fehltritt erwischt wird? Wenn die Argumente fehlen, bleibt nur noch die Flucht nach vorn. Die hat Naber angetreten und dabei keine gute Figur gemacht.

Deutlicher Warnschuss

Ihre Frustration nach der Sitzung ist daher verständlich. Für den Beobachter ist es hart, aber auch ärgerlich, mit anzusehen, wie Naber im Netz zappelt, sich dabei immer mehr verstrickt und – Stück für Stück – selbst demontiert. Der Gemeinderat hat ihr schon mehrfach die Hand gereicht, versucht unentwegt, sie aufzurütteln, die Kommunalaufsicht hat jetzt offenbar einen deutlichen Warnschuss abgegeben, doch die einzige, die ihr noch aus dem selbst verschuldeten Dilemma helfen kann, ist Heike Naber selbst.

Bei der Sitzung am Mittwoch hat ihre erneute Verweigerungshaltung zum Ende der Sitzung die zu Beginn ausgesprochene Entschuldigung und das Versprechen auf Besserung unglaubwürdig gemacht. Ein Fortschritt ist momentan also nicht zu erkennen. Naber bleibt weiterhin eisern bei ihrem Kurs und deshalb ist jedes Mitleid hier völlig fehl am Platz.

Auch wenn sie immer mehr schwindet, bleibt ein Rest Hoffnung, dass Heike Naber endlich ein Einsehen hat und eine radikale Kehrtwende vollzieht. Doch sie sollte sich beeilen, bevor sie noch das letzte Vertrauen verspielt hat.