Kommentar

Schlecht abgerechnet

Archivartikel

Olaf Borges zum hohen Defizit der Neckar-Odenwald-Kliniken

Am Ende des Restaurantbesuchs präsentiert der Ober die Rechnung. Doch nicht alles, was der Gast konsumiert hat, findet sich darauf. Es wird entsprechend günstiger. Es ist unvorstellbar, dass in den Neckar-Odenwald-Klinken über Jahre etwas Ähnliches passiert ist. Nur, weil die erbrachten Leistungen nicht ordentlich dokumentiert wurden, konnte man sie auch nicht richtig abrechnen. Nutznießer ist aber nicht der Patient, sondern natürlich die Kassen.

Über Jahre wurde das ungerechte Abrechnungssystem verantwortlich gemacht, doch jetzt entpuppt sich der Fehler zumindest in Teilen als hausgemacht. Geschäftsführer Frank Hehn räumte in der Sitzung am Montag Missstände bei der Abrechnung in den letzten Jahren ein. Das Defizit, 2018 schon bei 7,1 Millionen Euro angekommen, verdoppelte sich nahezu im folgenden Jahr. Die Notbremse wurde gezogen und feste Höchstgrenzen für die Verluste formuliert. Unter diesem Druck ist es der Klinikleitung bisher gelungen, wenn auch im Coronajahr unter völlig anderen Bedingungen, einen erfolgreichen Kurs einzuschlagen. Doch der Blick in die Zukunft bleibt weiter von Sorgen getrübt. Noch werden die Ergebnisse der nächsten Monate mit Spannung erwartet – das Damokles-Schwert namens „Privatisierung“ schwebt weiter über den Handelnden.

Wenn jetzt, was den Kliniken wirklich zu wünschen ist, alles in die richtige Richtung läuft und das Defizit deutlich schrumpft, besteht trotzdem kein Grund zur wahren Freude. Denn dann bleibt zumindest ein bitterer Nachgeschmack. Über Jahre musste der Kreis, und damit all seine Kommunen, für den Ausgleich eines Verlusts sorgen, den es eigentlich gar nicht hätte geben müssen. Dass es ihn nicht hätte geben dürfen, liegt auf der Hand.

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