Kommentar

Pia passt nie zu Verena

Michael Fürst zum Saisonbeginn des Frauenfußballs

Hach, heute starten auch die weiblichen Hobby-Kicker in ihre neue Saison. Gerannt, gewuselt und gewetzt wurde in der Vorbereitung emsig, und so manch feminine Fußballerin ging hier engagierter zu Werke als viele Pendants beim angeblich so starken Geschlecht. Die Fallstricke für die engagierten, meist männlichen Trainer liegen für die kommende Saison also weniger in der Fußball-Gier der Frauen, sondern in diversen, für den Außenstehenden kaum sichtbaren, Nebenschauplätzen.

Beispiel Trikotwahl: Die Farbe für die Begegnung am Wochenende sollte bereits frühzeitig bekannt gegeben und mit dem Gegner abgestimmt sein, damit es am Spieltag nicht unnötig schlechte Laune in der Kabine gibt. Fürchterlich finden es nämlich ein paar Ladys, wenn plötzlich das ausgewählte Schuhwerk farblich nicht mehr mit den Oberteilen harmoniert; dann kann die Leistungsbereitschaft einiger „Amazonen“ recht schnell sinken. Und es ist kein böses Gerücht, dass es Spielerinnen in jedem Team gibt, die auch ihre Haarbändchen passend zu den Trikots kolorieren.

Trainer sollten bitte auch beachten, die Zeit zwischen dem Ende des sportlichen Erwärmens auf dem Platz und dem Einlaufen zum Spiel üppig zu bemessen. Der Grund sollte klar sein: Beim Rumrennen, aufs Tor schießen und Stretchen vor dem Anpfiff könnten Make-ups verlaufen, Flechtfrisuren aufgegangen und Nagellack abgesplittert sein. Die Frau muss bis zum Spiel schließlich genug Zeit besitzen, sich wieder auf Vordermann zu bringen. Gute Trainer zeichnen sich zudem darin aus, dass der Medizinkoffer am Spielfeldrand neben Eisspray auch Haarspray und ein Deodorant enthält.

Übungsleiter, die sich bisher ausschließlich im Herren-Bereich bewegten und das „Abenteuer Frauenfußball“ erst seit wenigen Wochen erleben, sollten sich über ein paar Absonderlichkeiten im Vergleich zum Herrenfußball nicht wundern. Zum Beispiel könnte es vorkommen, dass Power-Pia den Ball nie zu Vollgas-Verena passt, weil die Verena nämlich gerade genau mit dem Typen geht, den Pia auch voll scharf findet. Pö! Es kann freilich auch vorkommen, dass es eine Spielerin grundsätzlich ablehnt, Einwürfe zu tätigen, weil dabei die zeitlich aufwändig hergerichteten Fingernägelchen Schaden nehmen könnten. Trainer sollten diese Wurf-Verweigerer also lieber im Zentrum und weniger auf der Außenbahn aufstellen.

Einen fatalen Fehler beginge ein Frauen-Mannschafts-Trainer, wenn er grundsätzlich mittwochs seine wöchentlichen Übungseinheiten ansetzt. Da könnte er nämlich ganz schnell mal ziemlich einsam auf dem Platz stehen, denn: Mittwochs hat Frauchen besseres zu tun als Fußball zu spielen, schließlich darf man im TV nicht eine Folge der für die eigenen „Life-Balance“ so wichtigen Staffeln von „Bachelor“, „Bachelorette“ oder „Greys Anatomy“ verpassen. Sollte dann donnerstags trainiert werden, ist den Mädels genügend Zeit zur Verfügung einzuräumen, in der sie sich über das am Vorabend Gesehene austauschen und quasseln können. Grundsätzlich sollten Frauen-Fußballtrainer nicht allzu wehleidig sein, wenn ein bisschen mehr gegackert wird.

So wünschen wir allen Frauen-Teams in der Region gutes Gelingen und viel Erfolg für die Saison und weisen darauf hin: Humor ist, wenn man trotzdem lacht!