Kommentar

Genau hinschauen

Archivartikel

Michael Fürst zu den Beschlüssen der Verbandstage

Auch wenn es in ganz Baden-Württemberg zahlreiche Härtefälle in Sachen Aufstieg gibt: Die Entscheidungen der Vereine in den Verbänden Baden, Südbaden und Württemberg, die Saison abzubrechen und einen Schnitt zu machen, sind richtig. Dass es wegen der schwierigen Rechtslage keine Absteiger gibt, mag wegen drohender Klagen richtig sein, sportlich fair ist diese Entscheidung aber nicht, denn: Wer bis März schlechte Leistungen gezeigt hatte, wird nun noch mit dem Klassenerhalt dafür belohnt. Wer dagegen deutlich mehr starke Spiele ablieferte und nun wegen eines vielleicht um 0,1 schlechteren Quotienten nicht aufsteigen darf, wird für eine gute Saison bestraft. Aber die deutlichen Mehrheiten zeigen, dass die meisten Vereine bei ihrer Abstimmung solidarisch gehandelt haben und sie zeigen noch viel mehr, wie Demokratie funktioniert: Es zählen Mehrheiten, auch wenn sie einem nicht passen. In der heutigen Zeit, in der mehr und mehr versucht wird, es jedem und allen recht zu machen, ist das ein deutliches Zeichen dieser Verbandstage: Fußballer können auch mal eine Kröte schlucken.

Beim Beschluss, den Beirat (WFV), bzw. den Vorstand (BFV) zu bemächtigen, Entscheidungen „aus Anlass der Covid-19-Pandemie“ zu treffen, ohne Verbandstage einberufen zu müssen, sind die Mitgliedsvereine verpflichtet, genau hin zu schauen. Allzu leicht können hier nämlich Dinge auf den Weg gebracht werden, die den Verbänden lieb und recht sind, den Vereinen aber weniger. Hier wurde (notwendigerweise?) ein Stück Demokratie ausgehebelt. Zudem bleibt die Frage: Ruft die Politik irgendwann offiziell das Ende der Pandemie aus und endet damit auch diese Ermächtigung für den BFV-Vorstand und WFV-Beirat?

Und: Wenn sich die drei Verbände im „Ländle“ so einig sind, warum geht man nicht daran, sie nach und nach zu verschmelzen? Hier böte „Corona“ auch eine einmalige Chance!