Kommentar

Furchtbar: Nur noch Fußball

Michael Fürst über die Entwicklung einer deutschen Sendung

Der vergangene Sonntag war wieder mal ein negatives Paradebeispiel dafür, wie furchtbar monoton und „mainstreamig“ die altehrwürdige Sportschau im „Ersten“ geworden ist: Der immer-gutgelaunte Matthias Opdenhövel moderierte eine 30-minütige Sendung, die sich wieder einmal fast nur mit Fußball beschäftigte. Fußball, Fußball, Fußball, immer nur Fußball. Die Sportschau wird mehr und mehr eine „sky-light“-Show.

Die Auslosung des DFB-Pokal-Achtelfinals war dermaßen aufgeplustert und in die Länge gezogen, dass es schon Schmerzen bereitete. Das Klatschpublikum und die gekünstelte Spannung waren peinlich. Dann nahm man sich freilich noch des Themas „Beurlaubung Nico Kovac beim FC Bayern“ an. Darüber muss man berichten, klar! Aber wie? Die einst so auf inhaltlichen Anspruch bedachte ARD filmte sonntags das FCB-Funktionsgebäude an der Säbener Straße aus sämtlichen Richtungen von außen und freute sich, wenn sie den einen oder anderen Spieler hinter den verspiegelten Scheiben identifizieren konnte. Wow! Okay: „Hinten heraus“ wurden noch ein paar Minuten Frauen-Hockey-Olympia-Qualifikation Deutschland gegen Italien gesendet. Doch der Gesamteindruck der Sportschau ist doch der: Lieber über jeden Fußball-Blödsinn als über die Breite des Spitzensports zu berichten. Furchtbar.

Das war doch in den 80er- und 90er Jahren ganz anders: Da wusste man als Jugendlicher oder „Halberwachsener“ noch, dass Didi Hegen ein deutscher Eishockeyspieler war, dass Steffen „Speedy“ Fetzner top Tischtennis spielte (vor allem mit seinem Partner Jörg Roßkopf), dass Hagen Stamm „der“ deutsche Wasserballer war und dass Acatenango über viele Jahre lang zum „Galopper des Jahres“ Jahres gewählt wurde – und das alles leidenschaftlich anmoderiert von Kapazitäten wie Addi Furler oder Manfred Vorderwülbecke.

Radball, ja, das gab es auch in der Sportschau zu sehen. Begeisternd, wie das tschechische Brüderpaar Jan und Jindrich Pospisil von 1984 bis 1988 Weltmeister wurde. Egon Müller war der König des Speedways. Heute wissen unsere Jugendlichen zwar durch ihre ständige „Fifa-Zockerei“, wer linker Verteidiger bei Leicester City und „hängender Achter“ bei Atalanta Bergamo ist, doch die Sportart „Speedway“ müssten sie vermutlich googlen. Ach ja, und nicht selten durfte man auch hiesige Fechter im TV bestaunen – aber dass die fast gar nicht mehr zu sehen sind, hat auch andere Gründe…

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit seinen Programmangeboten soll „zur Information, Bildung, Beratung, Kultur und Unterhaltung einen Beitrag zur Sicherung der Meinungsvielfalt und somit zur öffentlichen Meinungsbildung“ leisten – so lautet der Auftrag der ARD. Das heißt sicher nicht, dass man jeden Sonntag um 18 Uhr noch die 200. Wiederholung des vermeintlichen Abseitstores von Robert Lewandowski zeigen oder sich an vagen Gerüchten zu einer Trainerentlassung beteiligen muss.

Die Auslosung des Pokal-Achtelfinals hätte man am vorigen Sonntag auch in einem Viertel der Zeit „abvespern“ können. Dann wäre noch Zeit gewesen, über das Ende der Rugby-WM, den New-York-Marathon oder die WTA-Finals zu berichten. So aber wurde erneut Fußball-Einheitsbrei kredenzt – mit ein bisschen Hockey als Dessert. Information und Bildung sehen anders aus.