Kommentar

Die Leiden des jungen Y.

Archivartikel

Michael Fürst ist ein Brief eines jungen Fans zugespielt worden

Sehr geehrter Herr Watzke!

Mein Name ist Y*. Ich bin 14 Jahre alt. Ich habe ein paar Tage überlegt, aber nun wirklich den Mut gefasst, Ihnen einen Beschwerdebrief zu schreiben. Seit dem Engagement von Greta Thunberg weiß ich nämlich, dass manchmal auch die Stimmen der Jugend gehört werden.

Ich bin ein flammender Borussia-Dortmund-Fan. Können Sie sich vorstellen, was ich von Montag bis Mittwoch in der Schule ertragen musste? Es war ein Grauen. Vor jedem Unterricht, in jeder Pause und nach Schulschluss habe ich voll kassiert. Diese depperten Bayern-Nasen in meiner Klasse haben mich ganz schön ran genommen. Das blöde Gegrinse auf dem Pausenhof war da noch das Harmloseste. Der eine Vollpfosten hat mit seinen Händen immer eine Vier und eine Null gezeigt. Mega witzig! Die Frage: „Na, wie haben die Dortmunder am Samstag eigentlich gespielt?“, habe ich etwa 300 Mal gehört. Unter meinem Mäppchen lagen dauernd Zettel, auf denen 4:0 stand. So eine FCB-Tussi aus meiner Klasse wollte mir das Ergebnis mit ihrem roten Stift sogar auf den Arm malen.

Und nicht nur von den Mitschülern habe ich böse eingeschenkt bekommen, sondern auch die Lehrer haben mich blöde angemacht. Die Eine, die überhaupt keine Ahnung vom Fußball hat, meinte nach der Stunde, ob ich überhaupt schon wieder gut gelaunt sei nach so einem Katastrophenspiel wie am Samstag. Im Sportunterricht, als ich stolz mein BVB-Trikot überzog, meinte der Lehrer, es wäre doch besser, dieses Oberteil jetzt eine Zeit lang nicht zu tragen. Dabei wollte ich damit sagen: Jetzt erst recht! Und auch mein Fußballtrainer meinte bei der Besprechung, dass man immer bereit sein müsse zu laufen und zu kämpfen – nicht so wie der BVB am Samstagabend. Ganz toll!

Warum erzähle ich Ihnen das alles? Sie, Herr Watzke, haben doch vor der Runde gesagt, dass der BVB Meister werden will. Ich habe Ihnen geglaubt und auch Herrn Zorc, der doch so gute Spieler gekauft hat. Und deshalb habe ich in der Schule und im Fußballtraining auch eine große Klappe gehabt, weil ich gedacht habe, ich kann „meinen Leuten beim BVB“ vertrauen. Nichts da! So einen Luschi-Auftritt wie jetzt in München verstehe ich in diesem Zusammenhang nicht.

Und die Gelackmeierten sind wir, die Fans an der Basis. Über uns wird tagelang Häme und Spott ausgeschüttet. Wir kriegen unser Fett ab, während sich die Spieler nach dem lockeren Auslaufen am Sonntag in ihre großen Autos gehockt haben, vom Hof gebraust und abgetaucht sind. Ich werde gewiss nicht der einzige Schüler in Deutschland gewesen sein, der voll eingeschenkt bekommen hat von diesen ehrenlosen Bayern-Nasen. Das hat mich aufgeregt.

Würden Sie bitte Ihren Profis mitteilen, dass Sie sich vor allem in solch wichtigen Spielen ein bisschen mehr anstrengen sollen. So ein Rumgekicke wie am Samstag ist verantwortungslos all denjenigen gegenüber, die an der Basis stolz ihr BVB-Trikot tragen. Und wenn Sie trotzdem wieder so einen Mist daher spielen, dann bestrafen Sie doch bitte mal die Spieler. Wenn ich im Sportunterricht nicht die nötige Leistung bringe, werde ich auch mit einer schlechten Note bestraft.

Mit sportlichem Gruß

Y.

*Name der Redaktion bekannt, aber aus Datenschutzgründen unkenntlich gemacht.