Kommentar

Das Ding würde rocken

Archivartikel

Michael Fürst über ein Modell für den regionalen Fußball

Kürzlich bin ich über das schöne Wort „Neologismus“ gestolpert. Etwas vereinfacht erklärt, verbirgt sich dahinter die Schaffung neuer Wörter – auch für bereits bestehende Begriffe. Oftmals klingen ganz herkömmliche Dinge dann ein wenig schicker, aufgemotzter. Als Schüler haben wir solch einen Sachverhalt auch als „Euphemismus“ erlernt. Da wurden schon vor längerem der Schaffner zum Zugbegleiter und der Hausmeister zum Facility Manager.

Da der Fußball fester Bestandteil unserer Gesellschaft ist, ist auch er nicht verschont geblieben von solch Schönplapperei. Aber dieses Thema haben wir im „Spitz-Kick“ ja schon behandelt. Ein neues Beispiel für „Neologismus“, leicht euphemistisch angehaucht, hat nun der Fußballkreis Buchen geschaffen. Dort startet in der kommenden Woche nämlich der „B-Liga-Cup“. Da die dortigen beiden B-Klassen am Sonntag bereits in die Winterpause gehen, hat man den 21 teilnehmenden Vereinen (in zwei Klassen startend) angeboten, freiwillig an einem weiteren Pokalwettbewerb teilzunehmen. Zwölf haben sich gemeldet. Eines vorweg: Ich finde es gut, dass die, die Bock haben, zu kicken noch eine weitere Möglichkeit erhalten. Aber kurios ist der Sachverhalt doch auch schon ein wenig: Die „Schlechtesten“ kriegen noch einen Extra-Wettbewerb.

Vielleicht ist das aber erst der Anfang. Vermutlich mündet der „B-Liga-Cup“ irgendwann einmal in der „Kreis-Champions-League“. Schon heute haben ja manche Verbände das Getue und Gehabe aus dem Profifußball den Amateuren übergestülpt: Ein Saisoneröffnungsspiel mit ein bisschen Popanz und VIPs drum herum ist fast in jeder Klasse schon Usus. Konfettikanonen nach Pokalendspielen – auch schon auf dem flachen Land gesehen. Einlaufmusik und Torhymnen sind längst nicht mehr nur in Bundesligastadien zu hören, sie schallen auch beim „FC Döllershausen“ über den Sportplatz.

Warum also nicht die „Kreis-Champions-League“ – um sie international salonfähig zu machen, gerne auch „District-Champions-League“. Die Kreise Buchen, „Tauber“ und Hohenlohe könnten sich zusammentun: Die besten Fünf der jeweiligen Kreisligen und Bezirksliga qualifizieren sich, dazu der beste Sechste. Zack, sind 16 Teams zusammen. Und los geht’s. Vier Vierergruppen, Viertelfinale, Vorschlussrunde, Endspiel. Hurra!

Freilich gibt es auch eine volkstümlich angehauchte Champions-League-Hymne, welche die örtlichen Musikvereine vor jedem Spiel zum Besten geben. Ganz innovative Vereine könnten die Spiele live auf ihrer Facebookseite streamen – für die krank Daheimgeblieben. Denn: Gesunde kommen eh alle zu den Spielen. Die „District-Champions-League“, das Hochglanzprodukt des regionalen Fußballs – wer will sich das schon entgehen lassen? Außer es gäbe, wie in der „echten Königsklasse“ eben, auf jedem Sportplatz nur alkoholfreies Bier. Da würden die Freunde des gepflegten Lokalsports berechtigt protestieren.

Freilich müssen die Auswärtsmannschaften im feinen Anzüglein anreisen. Das Bankett nach dem Spiel ist selbstverständlich – möglichst mit den Protagonisten beider Teams. Fairplay, Verbrüderung, Zusammenhalt – all diese Dinge werden groß geschrieben im neuen Premium-Wettbewerb. „Das Ding“ würde rocken. Mal sehen, wann sie kommt, die „District-Champions-League“ . . .