Kommentar

Corona-Kolumne: Grüße von Wusel

Archivartikel

Fabian Greulich zum Familienleben während der Corona-Krise

Wenn heute die Schule wieder losgeht, ist mein Sohn voll bei der Sache. Natürlich rede ich von der Schule zu Hause, coronadeutsch auch Homeschooling genannt. Jedenfalls hat der Bursche richtig Bock auf Unterricht, und das war in den letzten Wochen nicht immer so. Erst recht nicht an einem Montag.

Was passiert ist? Nun, eigentlich gar nicht so viel. Aber in diesen Zeiten kann man kleinen Menschen auch mit kleinen Dingen eine große Freude machen. Der junge Mann hat sich wie Bolle über eine Videobotschaft seiner Klassenlehrerin gefreut.

Die hat schon unmittelbar nach den Osterferien damit begonnen, kurze Lernvideos zu drehen, um ihren Erstklässlern den Zehnerübergang zu erklären. Das war prima und eine unheimliche Hilfe. Rein praktisch, vor allem aber auch moralisch. Es war beeindruckend zu sehen, wie unser Sohn vor dem kleinen Bildschirm saß und brav alle Fragen seiner Lehrerin beantwortete. Stolz rief er ihr die Ergebnisse zu, als wäre sie tatsächlich im Raum.

Anfang letzter Woche hat sie ihren Schützlingen wieder ein Video geschickt. Diesmal ging es aber gar nicht um Mathe oder Deutsch, Rechnen oder Schreiben. Sie hat einfach mal „hallo“ gesagt, den Kindern ihr verwaistes Klassenzimmer gezeigt, sie motiviert, durchzuhalten, und ein bisschen erzählt, was so los ist.

Gebannt saß unser Sohn vor dem Smartphone und lauschte andächtig den Worten seiner Lehrerin. Ein Überraschungsgast meldete sich sehr zur Freude des Zuschauers auch zu Wort. Wusel, das knallblaue Monster-Maskottchen der Klasse, hatte seinen Auftritt und sorgte für leuchtende Augen.

Ich will jetzt nicht sagen, dass diese fünf Minuten „Sendezeit“ die ganze Woche gerettet hätten, aber sie hatten auf jeden Fall einen großen Anteil daran, dass unser Großer so richtig gut drauf war. Ich weiß nicht, wie oft er sich das Filmchen inzwischen angesehen hat, aber es ist toll zu beobachten, welch positive Wirkung so ein kleines Stückchen Normalität hat.

Ich hoffe, dass da noch mehr kommt, und ich hoffe, dass auch andere Grundschullehrer ähnlich gute Ideen haben und den Kontakt zu ihren Schützlingen halten. Denn – das weiß ich – den Kindern tut das unheimlich gut.

Liebe Eltern, liebe Kinder, bleibt gesund und fröhlich.

Glück auf!

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