Kommentar

Asche, Knete, Steine, Flocken

Archivartikel

Michael Fürst sieht keine Besserung in Corona-Zeiten

Wer an diesem Wochenende beispielsweise in Hamm (Westfalen) wohnt und lieben Freunden im beschaulichen Landshut einen Besuch abstatten wollte, der ist mal fein daheim geblieben. Es herrschen innerdeutsche Reisewarnungen. Gäste aus Hamm sind in Landshut nicht willkommen – außer: Man weist einen negativen Corona-Test vor, der nicht älter als 48 Stunden ist. Nun, das hat bis hier hin aber auch mal gar nichts mit Fußball zu tun, denn auch die beiden Fußballvereine der Städte, der VfL Hamm und die Spvgg. Landshut, werden sich in absehbarer Zeit nicht sportlich duellieren. Hamm spielt in der Bezirksliga Rheinland Ost, Landshut in der Landesliga Bayern Südost.

Ob solche Regeln nun verhältnismäßig sind, soll jeder dann beurteilen, wenn er einen Blick auf die Champions-League geworfen hat, die ab 20. Oktober die Fußballherzen wieder höher schlagen lassen soll. Während man in der Bundesrepublik nicht mehr einfach so von A nach B fahren kann, jetten ab dann wieder Europas Top-Fußballer munter über den Kontinent. Spanien zum Beispiel gilt aktuell als das „Corona-Gefahren-Land“ schlechthin. „Ja, bist den du deppert“, würde einem entgegen geschmettert werden, wenn man heute jemanden erzählen würde, morgen nach Barcelona zu fliegen. Die Kicker von Ferencvaros Budapest werden aber dort sein und gegen den großen FCB spielen; und die von Donezk bei Real Madrid. In Paris darf im Grunde keiner mehr ohne triftigen Grund aus dem Haus, die Einreise des Fußballtrosses von Manchester United ist aber gestattet. Fußball öffnet eben Türen.

Bei genauerem Hinsehen ist es aber nicht der Fußball, der hier Türen öffnet, sondern es ist das auf purem Profit basierende System geldgeiler Uefa-Funktionäre, das die Profis zur Not auch durch geschlossene Türen durchpressen würde. Ach, was höre ich noch das Tütülütü zu Corona-Beginn im März: „Wir müssen Rücksicht nehmen, sozialer handeln, Geld ist nicht alles.“ Blablabla. Der Fußball führt uns in diesen Tagen so wunderbar vor Augen: Es ist alles egal, auch die Rücksicht auf die Gesundheit, Hauptsache der Rubel rollt. Wie sonst kann man erklären, dass in Corona-Zeiten ein europäisches Supercupspiel in Budapest stattfinden muss. Da dürfen die hohen Herren von der Otto-Fleck-Schneise in Frankfurt in nichts nachstehen: Auch sie haben ein völlig unnötiges Supercupspiel in München angesetzt – und spielen lassen.

Und apropos Herren von der Otto-Fleck-Schneise: Nach Schmiergeldaffäre nun auch Steuerhinterziehungsverdacht. Respekt, meine Herren! Fairplay predigen, aber handeln wie raubeinige Banditen im Mittelalter!

Wenn mir noch einer daher kommt und zuckersüß raspelt, die Welt würde mit Corona sozialer, dem müsste ich den Piepmatz zeigen. Der Volkssport Fußball übernimmt da gerade wieder die Vorbildfunktion – mit hässlicher Fratze. Von wegen sozial, sparsam und rücksichtsvoll: Trainer werden nach zwei Spieltagen gefeuert – und weiterbezahlt.

Asche, Knete, Steine, Flocken, Flins, Kies, Moos, Kohle, Zaster, Schotter, Piepen, Moneten, Pinke, Penunze. Fußballfunktionären würden noch mehr Synonyme einfallen – und sie würden schamlos auch noch einen weiteren Wettbewerb neben der Königsklasse durchführen lassen, um eben solche einzustreichen. Corona ist denen egal.