Kommentar

Am falschen Ende gespart

Archivartikel

Harald Fingerhut zur Situation am Bahnhof in Tauberbischofsheim

Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not. So lautet ein altes Sprichwort. Im Falle des Tauberbischofsheimer Bahnhofs müsste es heißen: Spare gleich, dann hast Du lange Not.

Da gibt es sicherlich keine zwei Meinungen. Die Situation am Bahnhof in Tauberbischofsheim ist mehr als unbefriedigend. Es ist fast schon ein Schildbürgerstreich, einen Bahnhof mit zwei Gleisen anzulegen, ohne dass für Zugreisende die Möglichkeit besteht, einen spontanen Gleiswechsel vorzunehmen. Gerade in Kleinstädten ist es wichtig, den vorgesehenen Zug auch zu bekommen. Denn, verpasst man hier auf dem flachen Land seinen Zug, kann es unter Umständen lange dauern, bis man wegkommt. An das Erreichen von Anschlusszügen ist überhaupt nicht zu denken.

Will die Bahn aber gerade im ländlichen Raum konkurrenzfähig sein, muss der Service-Gedanke im Vordergrund stehen. Am Tauberbischofsheimer Bahnhof heißt es halt Pech gehabt, wenn man einen Fehler gemacht hat oder – was noch schlimmer ist – wenn der Zug am zuvor nicht angegebenen Gleis einfährt.

Eine Korrektur dieser Fehlplanung wäre nicht nur wünschenswert, sondern auch sinnvoll. Aber bei Kosten von 2,5 Millionen Euro dürfte eine schnelle Lösung eher unwahrscheinlich sein. Und ein Gezerre um die Verteilung der Kosten droht zudem. Eine Anbindung an die Stadt kann man schnell geltend machen, vor allem wenn Brücke oder Unterführung in der Nähe des Busbahnhofs gebaut werden sollte.

In Zeiten knapper Kassen wird sicherlich niemand die Hand heben und freiwillig zahlen. Vor allem der Stadt werden hier die Hände gebunden sein. Die Nachwehen von Corona machen den finanziellen Spielraum noch enger.

Schade, denn der Bahnhof ist sowohl für die Bahn als auch für die Stadt eine Visitenkarte, die auch außerhalb wahrgenommen wird.