Königheim

Erinnerung Königheimer Ehrenbürger Josef Blaschke wäre an diesem Freitag 100 Jahre alt geworden

Viele Projekte für Gissigheim und seine Vereine verwirklicht

Archivartikel

Gissigheim.Wer mit offenen Augen durch Gissigheim geht, sieht viele Projekte, die Josef Blaschke initiiert und verwirklicht hat. Heute wäre der sehr beliebte Mitbürger 100 Jahre alt geworden. Seine ehrenamtlichen Aktivitäten können nicht hoch genug eingeschätzt werden. Vor allem die Vereine erinnern sich dankbar an ihren ehemaligen Förderer und Freund, der vor vier Jahren im Alter von 96 Jahren gestorben ist.

Besondere Verdienste hatte er sich bei der Errichtung der Lourdesgrotte, dem Ausbau des Schlosskellers und der Erstellung des Dorfbrunnens erworben. Aber auch viele andere Objekte tragen seine Handschrift. Es gab über Jahrzehnte hinweg keine örtlichen Feste und Feiern, bei denen er nicht die Plakate und Hinweisschilder gestaltet hatte.

Ebenso hatte er sich als Kulissenmaler für die jährlich stattfindenden Theatervorstellungen eingebracht und in feinster Kaligraphie viele Urkunden für Vereinsjubilare geschrieben. Ein Zeugnis seines Könnens geben heute noch die vielen kunstvoll gefertigt Handwerkszeichen, die jährlich den Maibaum schmücken. Darüber hinaus war er zwölf Jahre lang als engagierter Gemeinderat in der lokalen Politik involviert.

Vor allem hat Josef Blaschke beruflich Bedeutsames für die Gemeinde und die Bürger erreicht, indem er als Betriebsleiter der Firma Kärcher in Gissigheim viele Arbeitsplätze geschaffen hat, die sich heute noch positiv für die Menschen auswirken. Es war deshalb folgerichtig, dass die Gemeinde Königheim ihn 2012 zum Ehrenbürger ernannte.

Bei seiner Geburt 1920 in Niklasdorf im Ostsudetenland (Altvatergebirge) war es nicht vorgegeben, dass er einmal im tauberfränkischen Raum und speziell in Gissigheim seine zweite Heimat finden würde. Sein Lebensweg hätte anders verlaufen sollen. Nach der Mittleren Reife besuchte er die Fachschule für Schrift und Steinbildhauerei. Nach Absolvierung von Seminaren für Schriftgestaltung betätigte er sich als Kirchenmaler und war bald gefragt bei der Fertigung von Holz- und Marmor-Imitationen. Schließlich sollte er das Malergeschäft des Vaters übernehmen. Der Krieg jedoch machte alle Pläne zunichte.

Den langen Leidensweg durch Krieg, Flucht auf dem Kettenkraftrad mit seiner späteren Frau Elfriede vor den tschechischen Partisanen und der russischen Armee, Gefangennahme, die Entlassung in Odessa aufgrund einer Namensverwechslung und seine Ansiedlung in Halle (DDR), wo er eine Reklame-Atelier eröffnete, beschreibt Blaschke in seiner Biografie „Unser Weg ins Ungewisse“. Bald fand er wieder Kontakt zu seiner in Dillingen an der Donau lebende Braut, die er immer wieder heimlich besuchte und wofür er auch einmal ins Gefängnis kam. In Halle heiratete das Paar unter erbärmlichen äußeren Bedingungen. Er schildert in seiner Schrift auch die 1949 erfolgte Flucht über die „Grüne Zonengrenze“ in den Westen. In Schorndorf erhielt er bald eine Anstellung als Industriemeister.

Seine Familienangehörigen waren inzwischen in Gissigheim sesshaft geworden. Hier baute er 1962 ein Eigenheim und gründete ein Zweigwerk für Kunststoff. Dieses wurde 1969 von der Firma Kärcher übernommen. Hier arbeitete er als Betriebsleiter bis zum Eintritt in den Ruhestand im Jahr 1983.

Josef Blaschke war mit Elfriede, geborene Hammer, verheiratet. Das Paar hatte zwei Kinder und konnte im Laufe der Jahre viele Jubiläen feiern: 1996 goldene Hochzeit, 2006 diamantene Hochzeit und 2011 eiserne Hochzeit.

Josef Blaschke war ein Allrounder mit vielen Hobbys. So bannte er örtliche Feste und Feiern auf Super-8mm-Filmstreifen, ebenso die Unwetterkatastrophe 1984, kirchliche Ereignisse und Vereinsaktivitäten. Weitere künstlerische Aktionen waren seine Kalligraphie-Kurse, seine Malereien, die grafische Gestaltung mehrerer Heimatbücher, seine Mineralien- und Fossiliensammlung, die er meist auf anstrengenden Exkursionen selbst gefunden hat. Für Gissigheim war Josef Blaschke ein einmaliger Glücksfall. Hier wird man ihn auch noch lange nach seinem Tod würdigen.