Königheim

Heimatverein Brehmbachtal Großformatige Tafel mit Informationen zur weitgehend vergessenen örtlichen Bahngeschichte aufgestellt

Viele Erwartungen und Enttäuschungen

Einen lebendigen Einblick in die Königheimer Eisenbahn-Geschichte gibt eine großformatige Info-Tafel, die nun auf dem einstigen Bahngelände angebracht wurde.

Königheim. Auf dem an der Ostseite des Musikerheims, der früheren „Rahmstation“, aufgestellten Schild beschreiben mehrere Fotos und kurze Texte die wichtigsten Kapitel der Brehmbachtal-Bahn. Diese war nach einer langen Vorgeschichte nur fünfeinhalb Jahrzehnte – von 1914 bis 1969 – in Betrieb.

Bauliches Zeugnis verschwunden

Nachdem im vergangen Jahr mit dem Abbruch des Empfangsgebäudes ein herausragendes bauliches Zeugnis des Königheimer Eisenbahn-Zeitalters verwunden ist, will der Heimatverein Brehmbachtal mit der in Abstimmung mit Bürgermeister Ludger Krug angebrachten Info-Tafel an ein bedeutsames Kapitel der Heimat- und regionalen Verkehrsgeschichte erinnern.

Wie es im Bericht der Verantwortlichen weiter heißt, entstand die Tafel auf Basis der Ausstellung des Heimatvereins, die im Dezember 2014 zum 100. Jahrestag der Eröffnung der Brehmbachtal-Bahn stattgefunden hat. Sie spannt mit mehreren Fotos und dem kurzen Begleittext einen weiten Bogen von den ersten die Gemeinde berührenden Bahnbau-Planungen Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum kaum beachteten Schlusspunkt der Königheimer Bahngeschichte Ende der 1960er Jahre.

Wie aufgezeigt wird, ist die Bahnhistorie der Brehmbachtalgemeinde geprägt von Hoffen und Bangen, von vermeintlich glänzenden Zukunftsperspektiven, die das neue Verkehrsmittel eröffnen sollte, und von schweren Enttäuschungen. Nachdem das Großherzogtum Baden 1856 in einem Gesetz die Notwendigkeit einer Fernverkehrsbahn zwischen Heidelberg und dem damals im Ausland liegenden Würzburg (Bayern) dokumentiert hatte, war auch in Königheim die Zuversicht groß, mit dem revolutionären neuen Verkehrsmittel zu wirtschaftlichem Aufschwung zu gelangen. Denn immerhin führten sechs von 45 Trassen-Varianten durch das Brehmbachtal.

„Anschluss an den Weltverkehr“

Eine Bahn-Station versprach „Anschluss an den Weltverkehr“ und damit Fortschritt. Der Großherzog entschied sich bei der Streckenführung indes nicht für die Trasse über Königheim, sondern für den Bahnbau über Osterburken, Boxberg und Lauda.

In der Folge gab es über Jahrzehnte hinweg aus den Gemeinden, die beim Bau der Badische-Odenwald-Hauptbahn nicht zum Zuge gekommen waren, in unterschiedlichsten Koalitionen unzählige Forderungen nach Ersatz in Form einer Bahnverbindung zwischen Tauberbischofsheim und Hardheim/Walldürn/Buchen. Aber erst ein halbes Jahrhundert nach Eröffnung der Hauptstrecke Heidelberg – Würzburg wurde Königheim am 1. Dezember 1914 mit einer 6,4 Kilometer langen normalspurigen eingleisigen Stichbahn ab Tauberbischofsheim endlich ans Eisenbahnnetz angebunden.

Drei Jahre zuvor hatte Hardheim seinen Anschluss von Walldürn aus erhalten. Zur durchgehenden Verbindung, die bereits im Fahrplan von 1913 angekündigt wurde, kam es jedoch nicht.

Der über Jahrzehnte hinweg bis in die 1950er Jahre vehement geforderte und seitens der Politik auch immer wieder versprochene Lückenschluss zwischen Königheim und Hardheim wurde zunächst vom Ersten Weltkrieg, dann von der Wirtschaftskrise und von den betriebswirtschaftlichen Berechnungen vereitelt.

So führte die Stichbahn Tauberbischofsheim – Königheim, wie etwa im Buch „Vergessene Bahnen in Baden-Württemberg (Mihailescu/Michalke, 1985, Theiss-Verlag) zum Ausdruck kommt, „zeit ihrer Existenz ein unauffälliges Dasein“. Sie hatte allerdings eine quasi literarische Funktion, „indem sie Albert Kunzemüller, dem streitbaren Nestor der badischen Eisenbahngeschichte und -politik, als signifikantes Demonstrationsobjekt für die von ihm akribisch aufgelisteten Lücken im Eisenbahnnetze“ diente. Ob der Lückenschluss über die Schweinberger Höhe oder – wie Anfang des 20. Jahrhunderts angedacht – über Pülfringen die Existenz der Brehmbachtal-Bahn dauerhaft gesichert hätte, bleibt offen.

Die letzte Fahrt

Am 24. Mai 1968 startete – kaum beachtet – ein „Schienenbus“ in Königheim zur letzten Fahrt in die Kreisstadt; zum 31. Dezember endete auch der Güterverkehr. 1969 erfolgte der Gleisabbau auf Königheimer Gemarkung. 1970, also vor nunmehr 50 Jahren, erwarb die Gemeinde das Bahnhof-Areal, auf dem dann Sportgelände und Brehmbachtalhalle entstanden. Im März 2019 schließlich wurde das Empfangsgebäude abgerissen, nachdem der Gemeinderat dafür keine Verwendung mehr sah.

All diese und weitere Information enthält die farbig gedruckte Info-Tafel, die dieser Tage vom Vorsitzenden des Heimatvereins, Lothar Achstetter, an die Gemeinde übergeben wurde. Wie Bürgermeister Ludger Krug dabei feststellte, eröffnet die Tafel interessante Einblicke in ein fast vergessenes, aber wichtiges Kapitel der Heimat- und regionalen Verkehrsgeschichte und in das eindrucksvolle Bemühen der Vorfahren, die Infrastruktur fortzuentwickeln. Auch Lothar Achstetter und Chronist Burkard Gassenbauer verwiesen darauf, dass man in Königheim schon auf das revolutionäre neue Verkehrsmittel Eisenbahn gesetzt habe, als dieses vielerorts noch umstritten gewesen sei. Allerdings sei heute auch klar, dass der bis in die Nachkriegsjahre hinein vielfach geforderte Lückenschluss zwischen Königheim und Hardheim das Aus für die beiden Nebenbahnen vermutlich nicht verhindert hätte.

Wie Krug würdigte auch Achstetter abschließend Burkard Gassenbauer für die Gestaltung der Tafel in Wort und Bild.