Königheim

Protest Landwirte und Winzer organisierten Aktion auf dem Königheimer Kirchberg / Impfinger Bauern machten auf sich aufmerksam

Traktoren leuchten, Mahnfeuer brennen

Archivartikel

Landwirte und Winzer aus der Region haben am Samstag erneut mit verschiedenen Aktionen auf ihre zunehmend problematische Situation aufmerksam gemacht.

Main-Tauber-Kreis. So richtig brennen wollte das Mahnfeuer auf dem Königheimer Kirchberg nicht. Die Feuchtigkeit machte den Winzern und Landwirten einen Strich durch die Rechnung.

Ihre Botschaft brachten sie aber auch ohne lodernde Flammen an den Mann und die Frau. Mit dem Mahnfeuer wollten die Landwirte und Winzer nämlich auf ihre zunehmend schwierige Situation aufmerksam machen.

Teil bundesweiter Aktion

Das Feuer war Teil einer bundesweiten Aktion der Initiative „Land schafft Verbindung“. Organisiert worden war die Veranstaltung am Kirchberg von den beiden Königheimer Winzern Andreas Geier und Bernhard Honikel sowie dem Landwirt Lukas Götzinger. Als Verstärkung für die Kundgebung hatten sie sich zudem den Winzer Karlheinz Sack aus Lauda-Königshofen, Bereichsvorsitzender für Tauberfranken im Badischen Weinbauverband, geholt.

„Mit dieser Aktion wollen wir mit den Leuten, die der Landwirtschaft fern sind, ins Gespräch kommen und auch aufklären“, erklärte Sack Sinn und Zweck des Mahnfeuers. Denn zurzeit würden sehr viele Halbwahrheiten zum Thema Landwirtschaft kursieren, was den direkten Kontakt zur Bevölkerung umso wichtiger mache.

Vorurteile unzutreffend

Ähnlich sah das auch Andreas Geier, der in Königheim eine Fläche von elf Hektar bewirtschaftet. „Die Landwirtschaft wird pauschal schlecht gemacht, das Fehlverhalten einiger weniger wird auf alle bezogen“, beschrieb Geier den laut Veranstalter rund 80 Teilnehmern die gegenwärtige Lage der Bauern.

Vor allem ein Thema brannte Honikel, Sack und Geier auf der Seele. Alle drei widersprachen entschieden dem verbreiteten Vorurteil, dass Landwirte maßlos Pflanzenschutzmittel einsetzen würden. „Jeder Landwirt und Winzer lebt von und mit der Natur – und wird sie daher bestimmt nicht schädigen wollen, auch wenn uns das immer vorgeworfen wird“, betonte etwa Bernhard Honikel.

Gleichzeitig wies sie darauf hin, dass die allermeisten Landwirte in der Region auf 15 bis 20 Prozent ihrer Flächen überhaupt keine Pflanzenschutzmittel mehr einsetzen würden. Auch die Tatsache, dass im Main-Tauber-Kreis viele Wasserschutzgebiete aufgrund der stark fallenden Nitratwerte wieder aufgelöst worden seien, sei ein Zeichen für den Einsatz der Landwirte für die Natur.

Komplett ohne Pflanzenschutzmittel geht es allerdings auch nicht, darin waren sich die drei Winzer einig. Entsprechend kritisch sahen sie das Eckpunktepapier des baden-württembergischen Umweltministeriums, welches eine Reduzierung des Einsatzes chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel um 40 bis 50 Prozent bis zum Jahr 2030 vorsieht.

„Das wäre der schleichende Tod für die Landwirtschaft“, befürchtete Karl-Heinz Sack. Ähnlich düster ebenso die Prognose von Bernhard Honikel: „Für mich wäre dann gar kein Weinbau mehr möglich“.

Auch Milchviehhalter betroffen

Schwierig ist die Situation indes nicht nur für Landwirte und Winzer. Auch Milchviehhalter Jörg Schreck aus Gissigheim zeichnete ein wenig hoffnungsvolles Bild von seiner Branche.

„In jungen Jahren habe ich noch gedacht, wir produzieren das weiße Gold, aber in den letzten Jahren übersteigen die Produktionskosten unsere Erlöse“, erzählte Schreck, der rund 120 Milchkühe hält.

Seine Aussage untermauerte er mit konkreten Zahlen: „Die Produktionskosten für einen Liter Milch liegen bei 38 Cent, von den Molkereien bekommen wir momentan pro Liter aber keine 37 Cent“.

Die Impfinger Landwirte hatten sich mit ihren Berufskollegen aus den Nachbargemeinden am Ortseingang von Tauberbischofsheim getroffen, um mit ihren Traktoren per Warnblinker und Rundumleuchten auf sich aufmerksam zu machen. „Wir deutschen Familienbetriebe werden in den nächsten Jahren zunehmend sterben, wenn wir weiterhin zu den hohen deutschen Standards erzeugen müssen, gleichzeitig aber nur Weltmarktpreise erzielen.“ , so lautete die Sorge eines Impfinger Landwirtes am Samstagabend.

Ziel der Landwirte sei es, die heimische Landwirtschaft und ihre Nöte sichtbar zu machen, sichtbar für die übrige Bevölkerung, sichtbar für die Verbraucher, so die Organisatoren der Veranstaltung. Deshalb sei es auch besonders erfreulich, dass auch Bürger, darunter auch Jugendliche aus Tauberbischofsheim während dieser Mahnwache das Gespräch mit den Bauern suchten. Übereinstimmend habe man dabei festgestellt, dass die hiesige Landwirtschaft der Globalisierung geopfert wird. Auch einige Bauerntöchter und -söhne waren mit von der Partie: „Wir wollen unsere Betriebe nicht aufgeben, sondern in eine gute Zukunft führen. Doch dafür brauchen wir die Unterstützung der Politik und wünschen uns die Wertschätzung derer, die durch unsere Erzeugnisse satt werden.“